Branche -

Schornsteinfeger widersprechen Focus Online Gefährliche Heizungen? Wenn Journalisten Zahlen durcheinander bringen

Stehen hunderttausende Heizungsanlagen in Deutschland vor der Abschaltung? Ein Online-Beitrag des Focus hatte genau das behauptet. Das Schornsteinfegerhandwerk will das so nicht stehen lassen.

Bei den gesetzlich vorgeschriebenen Kehr- und Überprüfungsarbeiten der Schornsteinfeger fallen immer wieder Mängel auf – darunter auch gefährliche. Unter anderem dafür sind diese Arbeiten da. Zu den Mängeln gehören einerseits zu hohe  Emissionswerte, aber auch bauliche Mängel – etwa durch eine fehlerhafte Montage oder Alterung und Verschleiß – oder hohe Energieverbräuche. All diese Mängel teilt ein Schornsteinfeger seinen Kunden mit, der dann eine angemessene Frist bekommt, sie von einem Fachmann beheben zu lassen. Nur in Einzelfällen versäumen Heizungsbesitzer diese Fristen und es kommt dazu, dass der zuständige bevollmächtigte Bezirksschornsteinfeger das Versäumnis an die Baubehörde weitergeben muss, die dann wiederum den Mangel anmahnt und die Anlage – wenn gar nichts wirkt – stilllegt.

"Wir beanstanden einen zu hohen Ausstoß von schädlichen Emissionen oder wenn bauliche Mängel so gravierend sind, dass sie den Betrieb der Anlage gefährden", erklärt Alexis Gula, Sprecher des Bundesverbands der Schornsteinfeger. Die Mängel, die entweder eine Gefahr für den Kunden werden können oder der Umwelt stark schaden, werden auf diese Weise auf jeden Fall entdeckt und behoben. Aber auch Mängel wie etwa ein hoher Energieverbrauch werden aufgezeigt. Ist der Wirkungsgrad einer Heizung stark eingeschränkt, ist das ein Mangel, der in unser Ressort fällt.

Öl- und Gasheizungen: Nicht massenhaft mangelhaft

Der Bundesverband der Schornsteinfeger stellt zu den Mängeln, die die Mitarbeiter der Branche über das ganze Jahr feststellen, eine statistische Auswertung zusammen. Und genau diese wurde nun in einem Online-Beitrag des Focus falsch interpretiert bzw. wurden Zahlen wild durcheinander geworfen. Der Verband hat deshalb eine Stellungnahme veröffentlicht, in der er sich gegen die Darstellung wehrt.

Der Vorwurf: Der Bericht stellt den Betriebszustand der Öl- und Gasfeuerstätten in Deutschland in einem falschen Licht dar. Er klärt nicht darüber auf, dass die meisten festgestellten Mängel von Schornsteinfegern identifiziert werden und dann dafür gesorgt werde, dass sie auch behoben werden.

So schreibt der Focus schon im Titel "Fast 650.000 Gas- und Ölheizungen droht die Abschaltung" und weiter heißt es, dass über 70 Prozent der Heizungsanlagen in Deutschland veraltet sind. Dann wird in der Darstellung ein Zusammenhang mit Kohlenmonoxid-Unfällen hergestellt, die sogar tödliche Folgen haben können. Und zu guter Letzt heißt es, dass Verstöße in der Praxis eher selten geahndet werden.

Heizungen: Mängel gefunden – Mängel beseitigt

"Dabei werden Angaben vermischt, die gar nichts miteinander zu tun haben", sagt Alexis Gula. Zudem werde vollkommen vergessen, dass in den allermeisten Fällen gar nichts geahndet werden muss, weil die Mängel ja behoben werden. So sind es nicht 650.000 Gas- und Ölheizungen, die kurz vor einer Abschaltung stehen, sondern diese werden angemahnt, dann werden sie gewartet, repariert und im schlimmsten Fall sofort außer Betrieb gesetzt. "In einige Fällen könnten sich Hausbesitzer früher darum kümmern, von sich aus eine Wartung bei einem Heizungsfachbetrieb zu beauftragen", gibt Gula als Mangel an. Wenn das aber den gesetzlichen Vorgaben zufolge nötig ist, meldet sich der Schornsteinfeger von sich aus bei den Heizungsbesitzern.

Zu den über 70 Prozent der Heizungsanlagen, die veraltet sind, kann Gula nur sagen, dass dies alleine die Energieeffizienz betrifft. "Etwas dagegen zu tun, liegt zum größten Teil in der Hand der Heizungsbesitzer", sagt der Schornsteinfegermeister. Und weiter: Auch die Darstellung in Bezug auf die Kohlenmonoxid-Unfälle sei insofern schwierig, da für eine lebensbedrohliche CO-Vergiftung neben hohen Kohlenmonoxidgehalten im Abgas weitere Umstände hinzukommen müssen, die zu einem Abgasaustritt in Aufenthaltsräume führen. "Die vom Focus inszenierte Todesgefahr bei Öl- und Gasfeuerstätten stellt sich gemäß des Zahlenwerkes des Schornsteinfegerhandwerks, das dem Focus zur Berichterstattung zugestellt wurde, so in der Realität nicht dar", schreibt der Verband in seiner Stellungnahme.

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2019 - Alle Rechte vorbehalten