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Meisterstücke Hochseilgärten für die ganze Welt

Zimmerermeister Heinz Tretter exportiert Hochseilgärten aus Lenggries in die ganze Welt. Die Nachfrage ist groß: Erst kürzlich hat der 38-Jährige Verträge für Klettergärten in Seoul sowie in südkoreanischen Skigebieten unterschrieben. Ein Projekt in Istanbul ist in Planung.

Hochseilgärten für die ganze Welt
Hoch hinaus in der Hauptstadt. Der erste "KristallTurm"-Hochseilgarten aus Stahl wurde in Berlin eröffnet. -

Wintersport hat in Lenggries Tradition. Viele Lenggrieser sind deshalb auch Skilehrer. Heinz Tretter, 38, braun gebrannt, mit einem gewinnenden Lachen, ist einer von ihnen. „Die Winter hier sind streng. Da ist auf dem Bau nicht so viel los“, erzählt der gelernte Zimmerer. Nach seiner Ausbildung musste er sich deshalb nach einem zweiten Standbein für die kalte Jahreszeit umsehen und wurde Skilehrer. Den Rest des Jahres arbeitete er für eine Baufirma. Heute könnte Tretter erfolgreicher Skitrainer sein. Dass es damit nicht klappte, kann er gut verschmerzen: „Das war das Beste, was mir passieren konnte.“ Denn Tretter baut Hochseilgärten für die ganze Welt.

Heinz Tretter
© DHZ

Aber von Anfang an: Von 1998 bis 2000 war Tretter als C-Kader-Trainer für den Deutschen Skiverband (DSV) tätig. „Ich war halt der Stanglträger“, sagt der 38-Jährige und lacht. Zu viel des Understatements: Zu seinen Schützlingen gehörte unter anderem Maria Höfl-Riesch, die bei den Olympischen Winterspielen in Vancouver zweimal Gold gewann. 2000 wurde das Trainerteam dann plötzlich aufgelöst. Statt für viel Geld als Trainer in der Schweiz zu arbeiten, wurde Tretter Rennleiter für den „Kids-Cup“, die größte Ski-Rennserie für Kinder in Deutschland.

Sechseckige ­Erfolgsformel

Nebenbei erwarb er sämtliche Skilehrer- und -trainerscheine. Erst war er Projektleiter beim Liftbau; 2001 gründete er dann eine eigene Skischule. 35 Skilehrer arbeiteten dort während der Saison. Dem Handwerk blieb der skifahrende Zimmerer treu. 2001 machte er sich als Holz- und Bautenschützer selbstständig, 2003 bestand er die Meisterprüfung als Zimmerer.

Mit Hochseilgärten kam Tretter um den Jahreswechsel 2005/06 das erste Mal in Berührung. Als er die Anlage eines Hotels reparierte, erwachte in ihm die Leidenschaft fürs Klettern ohne Berg und er erdachte sich eine besondere Form eines Klettergartens.

Die hexagonale Struktur von Eiskristallen bildete fortan die Blaupause für seine „KristallTurm“-Anlagen. Diese bestehen im Regelfall aus drei Ebenen und 90 verschiedenen Stationen in Höhen zwischen fünf und 15 Metern sowie einer integrierten Besucherplattform. Der Vorteil: Die Anlage benötigt keine Seilabspannungen und lediglich eine Grundfläche mit 28 u 32 Meter. Das Ergebnis: ein unvergleichliches Klettererlebnis. 2007 entstand mit dem Hochseilgarten Isarwinkel das Referenzobjekt direkt neben der Brauneck-Bergbahn. Finanzierungsprobleme verzögerten die Konstruktion aus Douglasienholz zunächst. „Den meisten Banken war das Risiko zu groß“, erinnert sich der Zimmerermeister. Bis sich mit der örtlichen Raiffeisenbank doch noch ein Finanzier an das Projekt wagte. 400.000 Euro und drei Monate Arbeit kostete der Bau, bei dem Tretter viel Eigenleistung einbrachte. Geplant wurde die „KristallTurm“-Anlage von einem Statiker, der normalerweise Achterbahnen entwirft. Mitte August feierte der Hochseilgarten Isarwinkel seinen fünften Geburtstag. Mit der Platzwahl landete Tretter einen Volltreffer: Viele Skifahrer, die aufs Brauneck wollten und die Anlage sahen, kamen wieder – diesmal zum Klettern.

Mit Flutlicht und Regenschutz

Seit 2009/2010 baut „KristallTurm“ nur noch Kletteranlagen aus Stahl. Dafür werden 45 Tonnen Material benötigt. Die Kosten liegen, je nach Größe, bei bis zu 600.000 Euro. „Ein Stahlgerüst ist witterungsbeständiger, kann kostengünstiger transportiert und viel einfacher erweitert werden. Außerdem ist es für den Statiker leichter zu berechnen, weil der Verschleiß genauer bestimmt werden kann als bei Holz“, erklärt der Gründer der KristallTurm GmbH & Co.KG. Hinzu kommt: Der Aufbau ist leichter. Auf Wunsch werden die Hochseilgärten sogar mit Flutlicht und einer Membran-Überdachung, die vor Sonne und Regen schützt, ausgestattet. Das Design der „KristallTurm“-Hochseilgärten ist patentiert, die Anlagen sind zudem zertifiziert und TÜV-geprüft.

Neben dem eigenen Hochseilgarten in Lenggries, den er zusammen mit einer Partnerin betreibt, hat Tretter mit seinem Team bislang vier Stahlkonstruktionen errichtet. Zuletzt öffneten Anlagen am Flumserberg in der Schweiz auf 1.600 Meter Höhe und in Ungarn. Der handwerkliche Bezug von „KristallTurm“ kommt beim Aufbau der Klettergärten immer wieder zum Vorschein: Neben Statikern sind Schreiner, Metallbauer und Seiler im Einsatz. Das Material liefern Stahlbauer aus der Umgebung.

Aktuell errichten Tretter und sein Team zwei große Klettergärten pro Jahr. Rund vier Monate dauert es bis zur Fertigstellung. Die Nachfrage ist groß: Erst kürzlich hat der 38-Jährige Verträge für Klettergärten in Seoul sowie in südkoreanischen Skigebieten unterschrieben. Ein Projekt in Istanbul ist in Planung. Weitere Anfragen gibt es unter anderem aus Österreich, von den Philippinen, aus Polen, Portugal und Russland.

Der Mini fürs Einkaufszentrum

Um weitere Märkte zu erschließen, hat „KristallTurm“ mittlerweile eine kleinere, günstigere Variante des Hochseilgartens konzipiert. Der „KristallTurm“ Mini“ kostet ab 200.000 Euro und eignet sich vor allem für Sporthotels und Einkaufszentren. Vielleicht auch für Kreuzfahrtschiffe? „Ein Hochseilgarten auf dem Außendeck wäre schon lässig“, schwärmt Tretter. Für ihren Einfallsreichtum sind er und sein Team schon mehrfach ausgezeichnet worden. 2011 erhielt das Unternehmen den Bayerischen Staatspreis. In diesem Jahr gab es den Bayerischen Innovationspreis. Um sich ganz auf die Hochseilgärten „made in Lenggries“ konzentrieren zu können, hat Tretter seinen Anteil an der Skischule im letzten Winter verkauft. Aber wenn seine Tochter ihren ersten Skikurs machen möchte, ist der „Stanglträger“ sicher ihr Lehrer. www.hochseilgarten-isarwinkel.de

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