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Handwerkspolitik Gabriel mit klarem Ja zum Meisterbrief

Kammerwesen und Meisterzwang sind für Wirtschaftsminister Gabriel keine alten Zöpfe, die es abzuschneiden gilt.

Vor zahlreichen Vertretern des Handwerks und der Politik hat sich Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) gestern ausdrücklich für die Beibehaltung des Meisterbriefes und des Kammerwesens ausgesprochen. "Wir werden uns jeder weiteren Verschlechterung für den Meister in Deutschland widersetzen", betonte Gabriel mit Blick auf  regelmäßige Vorstöße aus Brüssel.

"Der Meisterbrief ist kein Marktzugangshemmnis", sagte er beim Abend der Begegnung des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH). Der Meisterbrief sei vielmehr ein "Qualitätsausweis". Der Minister machte weiter deutlich, dass er die Selbstverwaltung schätze und auch am "Kammerwesen in Deutschland nichts ändern" wolle.  

Wollseifer begrüßt Bekenntnis zum Handwerk

Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer und viele Vertreter der Selbstverwaltung konnten sich über Gabriels wiederholtes Bekenntnis zum Handwerk nur freuen: "Qualität und Qualifikation machen die Grundfeste des zukunftsorientierten Handwerks aus", sagte Wollseifer vor mehreren hundert Gästen. Berufliche Bildung wirke darüberhinaus wie ein "Breitbandantibiotikum gegen Jugendarbeitslosigkeit", ergänzte er. Der Minister sieht es nicht anders.

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Meisterbrief stärkt Ausbildungsbereitschaft

Überall dort, wo der Meisterzwang abgeschafft worden sei, sei die Ausbildungsbereitschaft und die Qualität der Ausbildung zurückgegangenen, sagte Gabriel mit Blick auf die im Jahr 2004 unter Rot-Grün veranlasste Abschaffung des Meisterzwanges für verschiedene Gewerke.

Angesichts des Fachkräftemangels sieht Gabriel die Notwendigkeit sich zu allererst um die Jugendlichen in Deutschland zu kümmern, die keine Ausbildung machten. Dies gelte immer noch für die Hälfte aller Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Auch müsse die Zahl der Schulabbrecher reduziert werden.

Gegen Trend zur Akademisierung

Der Bund habe den Ländern deshalb sechs Milliarden Euro an zusätzlichen Mitteln zur Verfügung gestellt. Er erwarte, dass sie es auch für Bildungsinvestitionen nutzten. Verhängnisvoll ist nach den Worten Gabriels der Trend zur Akademisierung. "Die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung, die müssen wir in Deutschland auch im öffentlichen Bewusstsein wieder herstellen", betonte er. bir

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