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Das trinken die Deutschen Fußball-WM: Brauereien fahren Sonderschichten

Sommerwetter und Fußball-WM: Das macht Durst auf Bier. Die Brauereien in Deutschland haben mehr als genug zu tun. Unangefochten bleibt dabei das Pils am beliebtesten. Doch was trinken die Deutschen derzeit sonst noch am liebsten und wie verändert dies die Brauerei-Szene?

Die vergangenen Wochen waren heiß und haben die Nachfrage nach Bier bereits erheblich angekurbelt. Nun ist die Fußball-WM gestartet und einige Brauereien in Deutschland fahren nach Angaben des Deutschen Brauer-Bundes (DBB) in diesen Wochen Sonderschichten, um genügend Getränke liefern zu können. Zwar begann der WM-Auftakt für die deutsche Nationalmannschaft etwas enttäuschend, aber die Brauer sind optimistisch und der Verband betont, dass sie auf ein neues Sommermärchen 2018 vorbereitet sind.

„Bier und Fußball gehören einfach zusammen. Gerade zur WM wird es sicherlich wieder zahllose Public Viewings, Straßenfeste und Grillpartys geben, die ohne ein kühles Bier nur schwer vorstellbar sind. Die letzten großen Fußball-Events haben gezeigt, dass während der Turniere mehr Bier getrunken wird als sonst in Sommerwochen üblich“, sagt dazu DBB-Hauptgeschäftsführer Holger Eichele.

So wurden 2006 vor und während der WM in Deutschland rund fünf Prozent mehr Bier verkauft, bei den Weltmeisterschaften 2010 und 2014 waren es rund vier Prozent. "Je mehr Spiele die deutsche Elf erfolgreich bestreitet, desto höher ist natürlich die Nachfrage", erklärt Eichele. Eine noch wichtigere Voraussetzung ist aber, dass das Wetter mitspielt.

Immer mehr Mikrobrauereien

Die deutschen Brauereien können jedoch auch ohne WM auf eine stabile Nachfrage in den vergangenen Jahren zurückblicken. Zudem steigt die Zahl der Brauereien immer mehr an. Im Jahr 2017 wurden bundesweit 1.492 Braustätten betrieben und damit 82 Betriebe mehr als ein Jahr davor. Der DBB spricht von einem Brauerei-Boom, der sich besonders stark in den deutschen Ballungszentren und der Craftbier-Szene zeigt.

Craftbier steht für handwerklich gebrautes Bier aus unabhängigen Brauereien. Die Brauer stehen für eine besondere Kreativität und Experimentierfreude bei den Biersorten, dennoch sind 98 Prozent ihrer Biere laut DBB nach dem Reinheitsgebot gebraut. Craftbiere stehen für Regionalität und werden meist nur in kleineren Mengen hergestellt und direkt vor Ort in Braugaststätten und Bars ausgeschenkt.

Bislang liegt der Marktanteil der Craftbiere nur bei ein bis zwei Prozent, doch der Brauer-Bund sieht hier ein Wachstumspotenzial und bescheinigt, dass dies ein wachsendes Interesse der Verbraucher an Brauhandwerk und Biervielfalt dokumentiert – entgegen den deutschlandweiten Trends des Gaststättensterbens und der Schließung Handwerksbäckereien und Metzgereien. So handelt es sich aktuell bei deutlich mehr als der Hälfte der deutschen Brauereien um traditionelle Braugasthäuser und sogenannte Mikrobrauereien mit einer Jahresproduktion von bis zu 1.000 Hektoliter, umgerechnet 100.000 Liter.

Pils bleibt Nummer eins

Dabei hat sich das eigentliche Kerngeschäft der Brauer in den letzten Jahren kaum verändert. Insgesamt sind die Deutschen bei ihrer Getränkeauswahl sehr konstant. Betrachtet man nur den Biermarkt, so steigt zwar der Anteil der alkoholfreien Biere ständig an, dennoch erreicht er bislang nur gut sechs Prozent des Gesamtmarkts – allerdings in mehr als 400 Varianten. Spitzenreiter bleibt aber weiterhin das klassische Pils mit einem Marktanteil von über 50 Prozent.

Marktanteil einzelner Biersorten im Jahr 2017

  • Pils: 53,3 Prozent
  • Export/Edel/Spezial: 6,5 Prozent
  • Alt: 0,8 Prozent
  • Kölsch: 1,7 Prozent
  • Hell: 6,2 Prozent
  • Weizen: 7,1 Prozent
  • Alkoholfreies Bier: 6,1 Prozent
  • Schwarzbier: 1,3, Prozent
  • Biermix: 6,1 Prozent
Quelle: ACNielsen EU Chart Libray (Deutschland)
Schaut man sich an, was jeder Deutsche im Schnitt pro Jahr trinkt, so führen diese Rangliste eindeutig Kaffee und Wasser an mit rund 162 Litern bzw. 150 Litern. Bei beiden ist der Konsum in den vergangenen Jahren etwas gestiegen. Die Zahlen stammen aus dem Jahr 2016. Dann folgen Erfrischungsgetränke mit rund 116 Litern und Bier mit durchschnittlich 104 Litern pro Jahr und Person. Erleben Erfrischungsgetränke einen kleinen Aufwärtstrend, so sieht es bei Bier etwas anderes aus, denn der Konsum lag zehn Jahre zuvor noch bei rund 116 Litern. Dennoch zeigt die Statistik der Verbände der Getränke-Industrie und des Statistischen Bundesamts kaum Ausreißer und nur minimale Veränderungen – besonders konstant ist der Getränkeverbrauch bei Wein mit rund 20 Litern im Schnitt und Kräutertee mit rund 50 Litern.

Bier, Wein und Co: Alles zum Alkoholkonsum in Deutschland
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