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TV-Kritik: ZDF - WISO zu Friseuren in der Corona-Krise Friseure nach Wiedereröffnung: Zwischen Erleichterung und Unsicherheit

Der 4. Mai 2020 wird in die Geschichte des deutschen Friseurhandwerks eingehen. Denn seit diesem Tag dürfen Deutschlands Friseure wieder ihre Salons öffnen. Vielen Betrieben hat der wochenlange Shutdown allerdings schwer zugesetzt, und die neuen Auflagen machen alles nicht gerade einfacher. Wie es der Branche geht, diese Frage stellte sich auch das ZDF-Wirtschaftsmagazin WISO - und bekam neben erleichterten Statements auch eine ganze Portion Unsicherheit serviert.

Die heute-Sendung lieferte am Montagabend einen leicht skurrilen Auftakt für die direkt folgende WISO-Reportage über das Friseurhandwerk. In einem Beitrag mit der Überschrift "Friseure öffnen wieder" verbreitete die ZDF-Nachrichtensendung die frohe Kunde, wonach ab sofort Salons in Deutschland wieder für Kunden zugänglich seien. Dass ein öffentlich-rechtlicher Sender eine solche - unter normalen Umständen völlig absurde - Nachricht in seine traditionsreiche Nachrichtensendung aufnimmt, die in der Regel aufgrund begrenzter Sendezeit die News nach harten Kriterien filtert, zeigt, wie besonders die Zeiten sind. Die Friseure bekamen dadurch allerdings am Montag zur besten Sendezeit einiges an Aufmerksamkeit - und das nicht zu unrecht.

In den Frisuren spiegelt sich die Krise

Denn die Corona-Krise spiegelt sich auch in den Frisuren der Deutschen wieder - oder dem, was davon übrig ist. In den vergangenen Wochen liefen mehr und mehr Menschen mit Haaren durchs abgesperrte Land, die ihnen allenfalls mitleidige Blicke, wenn nicht gleich Gelächter einbrachten. Vor allem bei den Herren der Schöpfung war dieses Phänomen zu beobachten, und mancher soll am Montag voller Verzweiflung mehrere Salons abgeklappert haben, in der Hoffnung, er werde bei irgendeinem kurzfristig von seiner stattlichen Mähne befreit.

Jetzt haben sie also wieder offen, die Friseure, und stylen Deutschland wieder. Doch nur unter Einhaltung scharfer Hygienestandards - Schutzmaske, Begrenzung der Kundenzahl, Abstandsgebot, Desinfektion von Arbeitsmitteln und Plätzen - ist das professionelle Haareschneiden wieder erlaubt - gesichtsnahe Dienstleistungen wie das Rasieren oder Bartpflege, aber auch Augenbrauenpflege sind zudem noch weitgehend verboten. Das hilft den Betrieben, doch wie schnell? Und wie gravierend waren die Einbußen durch den wochenlangen Shutdown? Die Reporter des ZDF-Wirtschaftsmagazins WISO, das direkt im Anschluss an die heute-Sendung begann, machten sich auf die Suche nach Friseuren und holten sehr aussagekräftige Statements ein, die eine Branche zeigen, die zwischen Erleichterung und Unsicherheit hin und her schwankt.

Wiesbaden: Weniger Plätze - weniger Umsatz

Bei den Goldrausch-Friseuren in Wiesbaden beispielsweise will Inhaber Michael Rausch den Tag nicht vor dem Abend loben. Vor dem täglich achtstündigen Tragen einer Maske habe er "Bammel", er träume nachts schon davon, dass er angesichts der zahlreichen neuen Vorschriften Fehler mache. Die Einhaltung der Hygiene-Standards, etwa das Aufstellen von Trennwänden, die ständige Desinfektion im Salon, die Beschaffung von Schutzmaterial, sei zudem nicht günstig gewesen. Er selbst lege diese zusätzlichen Kosten noch nicht auf die Kundschaft um, aber er könne die Kollegen verstehen, die das schon jetzt täten. Weniger Plätze im Salon, größerer Abstand - all das wirkt sich natürlich nicht positiv auf den Umsatz aus. Dennoch freut sich Rauschs Mitarbeiter Daniel Soave, dass er nach sechs Wochen - obwohl unter völlig ungewohnten Umständen - wieder zu arbeiten anfangen dürfe: "Das ist mein Leben", sagt er in die Kamera. Und auch für die Kunden ist das neue Procedere beim Friseur in Zeiten von Corona noch ungewohnt. Es fühle sich durch die Maske anders an, sagt ein Kunde bei Goldrausch, irgendwie distanzierter.

Hamburg: "Teuerster Urlaub des Lebens"

All die ungewohnten Umstände, die "neue Normalität", hatte zuvor auch schon der Beitrag in der heute-Sendung vor Augen geführt, der einen Salon in Hamburg zeigte. Nicht nur dort steigt obendrein auch die Verweildauer der Kunden im Salon - und senkt somit natürlich die Einnahmen pro Tag. Da ist es nicht verwunderlich, dass von einem Ende der Krise noch niemand sprechen möchte. Im Gegenteil: Birger Kentzler, Friseurmeister und Obermeister der Friseur-Innung Hamburg, schätzte in den heute-Nachrichten, dass man erst in etwa drei Monaten sehen werde, wie sich die Krise auf die Friseurbranche auswirkt, wie viele Betriebe schließen müssen. Er selbst geht von "zehn Prozent" aus, wobei es sich dabei oftmals um Betriebe handeln werde, "die schon vor Corona Probleme hatten". Den Corona-Shutdown, heißt es aus dem Off, hätten Kentzler und seine Frau scherzhaft als den "teuersten Urlaub ihres Lebens" bezeichnet, und die Terminbücher seien nun bis Pfingsten randvoll - immerhin.

Es geht immer noch härter

Dass es immer noch eine Spur härter geht, zeigten die WISO-Reporter schließlich, indem sie die Erleichterungen bei den Friseuren mit der Situation in Schwimmbädern kontrastierten. Dort ist noch nicht mal eine Wiedereröffnung absehbar, nicht wenige Betreiber stehen buchstäblich vor dem Aus, und auch wenn ein Betrieb unter Auflagen wieder möglich sein sollte, ist längst nicht gesichert, ob die Umsätze dann ausreichen, um die Unternehmen am Leben zu erhalten. Dagegen, das muss bei allen widrigen Umständen für die Friseure gesagt werden, ist Haareschneiden mit Schutzmaske schon ein großer Schritt nach vorne - und wenn die Deutschen schon bald nicht mehr mit derart vogelwilden Frisuren daherkommen wie zuletzt, ist auch schon viel gewonnen.

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