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Schwerpunktprüfung im Friseurhandwerk Vom Zoll kontrolliert: Friseure zahlen Mindestlohn

Seit dem 1. August 2015 gilt im Friseurhandwerk ein Branchenmindestlohn. Und die überwiegende Mehrheit der Betriebe zahlt diesen auch. Bei einer Schwerpunktprüfung des Zolls war der Mindestlohn kaum Thema. „Schwarze Schafe“ entpuppte der Zoll dennoch.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Mindestlohn

Am 23. und 24. November rückten rund 2.700 Zöllnerinnen und Zöllner der Finanzkontrolle Schwarzarbeit aus, um bundesweit Friseurbetriebe zu kontrollieren. Im Vordergrund der Schwerpunktprüfung stand die Einhaltung des Mindestlohns. Und dabei zeigte sich die Branche vorbildlich. Nur sechs Verfahren wegen Unterschreitung des Mindestlohnes leiteten die Beamten nach der Prüfung ein.

Die Schwerpunktprüfung hatten der Zoll, der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks und die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di im Vorfeld gemeinsam angeordnet. Sie hatten im April dieses Jahres ein Bündnis zur Bekämpfung von Schwarzarbeit und illegaler Beschäftigung mit dem Friseurhandwerk geschlossen.

Als Ergebnis der bundesweiten Prüfung meldet der Zoll nun, dass der Mindestlohn von den Friseurbetrieben überwiegend gezahlt wird. Insgesamt wurden 6.145 Betriebe überprüft und 15.189 Personen zu ihren Arbeitsverhältnissen befragt.

Weitere Ergebnisse der Schwerpunktprüfung des Zolls

  • Insgesamt wurden 74 Ermittlungsverfahren gegen Arbeitgeber und Arbeitnehmer eingeleitet.
  • Davon handelt es sich um 32 Strafverfahren, die überwiegend das Vorenthalten von Sozialversicherungsbeiträgen und den illegalen Aufenthalt ohne Aufenthaltstitel betreffen.
  • 42 der eingeleiteten Verfahren sind Ordnungswidrigkeitenverfahren. Sie betreffen hauptsächlich die Beschäftigung ohne Arbeitsgenehmigung und Verletzungen der Aufzeichnungspflicht.
  • In etwa 1.100 Fällen sind weitere Sachverhaltsaufklärungen durch die Finanzkontrolle Schwarzarbeit erforderlich.

Doch was genau gilt beim Mindestlohn im Friseurhandwerk?

Der folgende Überblick zeigt es: 

Seit 1. Januar 2015 gilt in Deutschland der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde. Für das Friseurhandwerk wurde eine Branchenlösung geschaffen, die seit August 2015 an die bundesweite Lohnuntergrenze angepasst ist. Wie die Branche darauf reagiert.

Immer wieder wurde das Friseurhandwerk in der Vergangenheit als Beispiel für eine Branche mit Niedriglöhnen herangezogen. Dann kam im Jahr 2013 der Mindestlohn für Friseure und trotz großer Befürchtungen blieben negative Folgen wie Entlassungen oder starke Preisanstiege erst einmal aus. Mittlerweile hat sich die Lage ein wenig geändert.

Wie hoch liegt der Mindestlohn für Friseure?

Seit dem 1. August 2015 liegt der Mindestlohn für Friseure bundesweit bei 8,50 Euro und damit nicht mehr niedriger als der gesetzliche Mindestlohn, der seit 1. Januar 2015 gilt. Zuvor durfte dieser aufgrund einer besonderen Verordnung unterschritten werden. Der Tarifvertrag, der dies regelte, ist jedoch zum 31. Juli 2015 ausgelaufen.

Was hat sich nach der Einführung des Mindestlohn in der Branche verändert?

Etwa ein halbes Jahr nach der Einführung des Branchenmindestlohns im Friseurhandwerk zum 1. August 2013 zog der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks (ZV) eine Zwischenbilanz und teilte mit, dass die finanzielle Situation in den deutschen Friseursalons sehr gut sei. Damals lag der Mindestlohn noch bei 7,50 Euro in den westdeutschen Bundesländern und 6,50 Euro im Osten. Die Umsätze seien durch die Einführung des Mindestlohns nicht gesunken. Laut ZV lag das an den verständigen Kunden, die die Preiserhöhungen ihrer Friseure hingenommen haben, weil sie wissen, dass der Mindestlohn den Mitarbeitern zugutekommt.

Ausgeblieben ist damals auch eine schnelle Marktbereinigung von Billigfriseuren. Der Verband hatte erwartet, dass die Anzahl der in die Handwerksrolle eingetragenen Betriebe bereits 2013 nicht mehr steigen würde. Doch das tat sie trotzdem. Als problemtisch wurde in der Praxis erkannt, dass sich einige Billigfriseure nicht an den allgemeinverbindlichen Mindestlohn halten und dass es kaum Kontrollen gäbe.

Wie wertet die Friseurbranche die aktuelle Entwicklung beim Mindestlohn?

Zum 1. Januar 2017 wird der gesetzliche Mindestlohn auf 8,84 Euro erhöht. Das sieht der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks kritisch. So hat er bereits während der Verhandlungen der Mindestlohnkommission darauf hingewiesen, dass insbesondere in den neuen Bundesländern der Mindestlohn im Friseurhandwerk zu einem starkem Anpassungsdruck und einer weiteren Zunahme der Schwarzarbeit geführt hat.

Dass der Mindestlohn künftig für alle Branchen als Minimum gelten soll und pauschal für alle angepasst wird, sieht der Verband kritisch für die sehr preissensible Friseurbranche. Zwar behalten Tarifabschlüsse mit höheren Lohnuntergrenzen als der gesetzliche Mindestlohn ihre Gültigkeit. Doch eine Unterschreitung ist ab 2017 nicht mehr möglich. dhz

Der Beitrag wurde am 30. November 2016 aktualisiert.

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