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Ausbildung im Friseurhandwerk Karteikasten für mehr Struktur in der Ausbildung

Friseurmeisterin Conny Kegreiß entwickelte ein Trainingskartensystem für ihre Lehrlinge. Es orientiert sich am Ausbildungsrahmenplan und soll helfen, mehr Struktur in die Ausbildung zu bringen.

Die eigenen Auszubildenden haben Friseurmeisterin Conny Kegreiß auf eine Idee gebracht. Seit 18 Jahren bildet sie in ihrem Salon im baden-württembergischen Herrenberg aus. Doch immer wieder fiel ihr eine gewisse Unsicherheit bei ihren Auszubildenden auf. "Sie fragten: Was machen wir heute, was machen wir morgen?", so Kegreiß. Die Chefin fertigte daraufhin einige Karteikarten an, auf die sie verschiedene Ausbildungsinhalte schrieb. "Meine Lehrlinge sollten das Gefühl haben, dass sie jeden Tag etwas lernen." Das kam so gut an, dass immer mehr Kärtchen dazukamen.

Kontrolle über das Gelernte

Innerhalb von vier Jahren hat Conny Kegreiß so ein System entwickelt, das eine Box mit 360 Karteikarten und ein Trainingsbuch umfasst. "Ich will ja, dass meine Auszubildenden Spaß an ihrem Beruf haben", sagt die Friseurmeisterin. Das Trainingskartensystem "Co.team – Training in der Friseurausbildung" soll Struktur in die Lehre bringen, indem es Auszubildende und Ausbilder durch alle Lerninhalte begleitet und eine Kontrolle über das Gelernte gibt. "Das System motiviert, weil die Auszubildenden jeden Tag genau wissen, was auf sie zukommt oder was sie schon gelernt haben."

Orientiert am Rahmenplan

Die 360 Karteikarten teilen sich auf die drei Jahre der handwerklichen Ausbildung auf. Jedes einzelne Jahr ist wiederum in zwölf Trainingsinhalte unterteilt, die sich am Ausbildungsrahmenplan der Friseure orientieren. Jeder Trainingsinhalt besteht aus zehn Kärtchen, die das Thema des Trainingsinhalts aufgreifen. Ein Beispiel: Trainingsinhalt Nr. 6 im ersten Lehrjahr lautet Finishtechniken. Die zehn Lernkärtchen beziehen sich dann beispielsweise auf Finishprodukte, Föhnen mit Rundbürste oder Glätteisen.Zu jedem Punkt sind auf dem Kärtchen einige Beispiele genannt. In die gleiche Struktur ist das Trainingsbuch unterteilt. Es fungiert wie ein Tagebuch. In ihm kann sich der Auszubildende eigene Notizen machen – beispielsweise zu den saloninternen Abläufen.

Schneller am Kunden

Conny Kegreiß handhabt das System übrigens so: Morgens zieht der Lehrling eine Karte aus dem Trainingsbereich, in dem er sich in seiner Ausbildung gerade befindet. Danach wird das Thema der Karte zusammen mit seinem Ausbilder erarbeitet, der Azubi macht sich Notizen und kann danach selbstständig trainieren. "Nach und nach schafft er sich so sein eigenes Handbuch." Ziel ist es, dass der Auszubildende durch das regelmäßige Training schneller an einem Kunden arbeiten kann. Mit ihrer Entwicklung schaffte es Kegreiß unter die ersten drei beim Wettbewerb "Top Salon 2018" des Fachmagazins "Top Hair" in der Kategorie "Employer". Ihr Trainingskartensystem, also ein Karteikasten und ein Trainingsbuch, kostet 349 Euro. Pro Ausbildungsbetrieb genügt jedoch ein Karteikasten, sagt Conny Kegreiß. Ein einzelnes Trainingsbuch für einen Auszubildenden kostet dann 49 Euro. dan

Alle Informationen zum Trainingskartensystem unter copunktteam.de

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