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Friseurbesuche und Corona Friseure in der Kritik: Preise gehen rauf, Hygienestandards runter

Desinfizieren, waschen, Maske tragen: Friseure müssen viele Corona-Auflagen erfüllen. Seit Mai sind daher auch die Preise gestiegen. Doch für den höheren Preis erhalten nicht alle Kunden einen besseren Service. Einige von ihnen sind unzufrieden mit der Umsetzung der Hygienestandards, wie der WDR berichtet.

Seit der Wiederöffnung der Friseursalons Anfang Mai hat sich vieles verändert. Friseure haben eine lange Liste an Hygienevorgaben, an die sie sich halten müssen. So müssen sie beispielsweise die Stühle nach jedem Besuch desinfizieren, die Kontaktdaten in eine Liste eintragen und die Haare der Kunden vor jeder Behandlung waschen.

Preise steigen seit Mai

Dass sich dadurch die Kosten für einen Friseurbesuch erhöhen würden, war schon früh abzusehen. Wie die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen, sind die Preise im August 2020 um 6,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen.

Der deutliche Preisanstieg erfolgte mit Wiedereröffnung der Friseursalons nach den coronabedingten Schließungen, wie der Zentralverband des deutschen Friseurhandwerks (ZV) mitteilt. Bereits im Mai 2020 mussten die Kunden 5,4 Prozent mehr als im Mai 2019 zahlen. Der Friseurbesuch hat sich vor allem für Kinder und Männer verteuert. Am stärksten stiegen die Preise für den Kinderhaarschnitt (+ 9,4 Prozent). Im gleichen Zeitraum zahlten Männer für den Besuch beim Friseur 6,5 Prozent mehr, die Damenpreise verteuerten sich um 5,8 Prozent.

Der Verband sieht mehrere Gründe für die höheren Preise. Ein Grund dürfte die Umsetzung der strengen Hygieneauflagen nach der Wiedereröffnung sein. So dürfen Trockenhaarschnitte nicht angeboten werden. Aber auch Umbauten im Friseursalon für mehr Abstand und der vermehrte Einsatz von Desinfektionsmitteln sorgten für einen Anstieg der Nebenkosten. Hinzu kommt der erneute Anstieg der Mindestlöhne im Januar 2020, der sich ebenfalls auf die Jahresveränderungsraten in den Monaten des Jahres 2020 auswirkt, wie der Verband mitteilt.

Umsetzung der Hygienestandards in der Kritik

Für die Umsetzung der Maßnahmen sind die Inhaber verantwortlich. Dabei zeigt sich nach einem Bericht des WDR vom 6. Oktober in der "Aktuellen Stunde", dass die Auflagen nicht überall umgesetzt werden. Einige Zuschauer hatten sich gemeldet und über die mangelhafte Umsetzung beschwert bzw. darüber, dass die Hygienestandards in den vergangenen Monaten gesunken seien. Es werde nicht ausreichend desinfiziert, keine Kundenliste geführt oder die Haare würden mittlerweile nicht mehr vor dem Schneiden gewaschen. Ein Zuschauer berichtete sogar, dass er dazu aufgefordert wurde seine Mund-Nase-Schutzmaske abzusetzen.

ZV-Präsident Harald Esser war zu Gast in der Sendung und bestätigte, dass die Corona-Auflagen nach wie vor Vorschrift seien und die Friseure nicht davon abweichen dürften. Um die Umsetzung zu prüfen bedürfe es jedoch noch strengerer Kontrollen, so Esser.

Aber auch die Kunden müssten einige Regeln beim Friseurbesuch beachten. So müsse jeder eine Maske tragen, sich die Hände im Salon desinfizieren und seine Kontaktdaten hinterlassen. Die Haare vor dem Besuch extra zu waschen, sei für die Einhaltung der Vorschriften nicht gewinnbringend, da sich auf dem Weg zum Salon trotzdem gesundheitsgefährdende Tröpfchen ablagern könnten. Die Haare müssten auf jeden Fall vor dem Haarschnitt im Salon gewaschen werden.

Der einzige Fall, in dem der Kunde seine Maske abnehmen darf, so Esser, ist bei der Bartpflege. Schneidet der Friseur dann den Bart, müsse er jedoch eine FFP2 Maske tragen und ein Gesichtsvisier aufsetzen. Kunden, bei denen ein ärztliches Attest vorliegt, dass sie keine Maske tragen müssen, dürfen auch ohne Maske zum Friseur. Jedoch habe hier der Handwerker das Hausrecht zu sagen, dass er solche Kunden nicht bedienen möchte, so Esser.

Mehrheit der Zuschauer zufrieden

Neben viel Kritik, lobten aber auch viele der Zuschauer ihren Friseur. Mehr als die Hälfte der Zuschauer, die sich gemeldet hatten, seien zufrieden mit der Dienstleistung und fühlten sich sicher, wie Moderator Martin von Mauschwitz sagte. Als Beispiel dafür wurde ein kurzer Beitrag über eine Kundin gezeigt, die ihren Stammfriseur gerne besucht. Von der Desinfektion bis zu den Plexiglasscheiben zwischen den Stühlen werden dort alle Vorgaben einwandfrei umgesetzt. Saloninhaberin Andrea Bisschop sieht kein Problem darin, die Auflagen einzuhalten. Ihr Team sei mittlerweile eingespielt. "Es geht alles. Man muss es nur zeitlich mehr mit einplanen", so Bisschop.

>> Den Beitrag vom WDR können Sie online nachschauen, ab Minute 31 <<

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