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Forderungspapier des ZV Friseure in der Krise: 7 Forderungen an die Politik

Die Wiedereröffnungen nach dem Lockdown waren ein Anfang, nun müsse die Regierung die Friseurbranche mit weiteren Maßnahmen stützen. Der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks hat hierzu sieben wirtschafts- und steuerpolitische Forderungen formuliert. Der Zeitpunkt für das Papier ist günstig.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Coronavirus

Sechs lange Wochen blieben die Kassen der Friseure leer. Die angeordnete Corona-Zwangspause hat die Friseurbranche schwer getroffen. Die Stundensätze sind oftmals gering, Rücklagen kaum vorhanden. Das ohnehin schon niedrige Lohnniveau schrumpfte durch die Kurzarbeit noch weiter. Und auch nach der Wiedereröffnung sind die Sorgen längst nicht gebannt. Die entgangenen Umsätze können größtenteils nicht mehr nachgeholt werden, gleichzeitig sind durch die umfassenden Hygienemaßnahmen neue Kosten entstanden.

Unterstützung für Ausbildungsbetriebe gefordert

Der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks (ZV) blickt besorgt auf die aktuelle Lage. Die Regierung habe mit kurzfristigen Soforthilfen und einem erleichterten Zugang zum Kurzarbeitergeld zwar zügig gehandelt, in der Praxis würden viele Maßnahmen der Liquiditätssicherung jedoch nicht greifen. Wegen der Mehrkostenbelastung – und weil Preiserhöhungen "wegen des großen Umfangs der Schwarzarbeit und mehrwertsteuerfreier 'Soloselbständigen' im Friseurhandwerk" nur bedingt möglich seien.

In einem Forderungspapier spricht sich der Verband deshalb für weitere Hilfen aus. "Im Mittelpunkt unserer Forderungen steht die Unterstützung der Ausbildungsbetriebe. Wir wollen mit Nachdruck einen Ausbildungsbonus erwirken, um die wichtige Ausbildungsleistung des Friseurhandwerks durch die andauernde Situation nicht weiter zu gefährden", so ZV-Präsident Harald Esser. Für einen solchen Zuschuss hatte sich zuletzt auch der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) ausgesprochen.

Zeitpunkt für Forderungen ist günstig

Der Zeitpunkt für die Forderungen ist günstig. Die Bundesregierung schießt derzeit finanziell aus allen Rohren, um die Wirtschaft vor einer Abwärtsspirale zu bewahren. Mit seinen milliardenschweren Kreditprogrammen, dem erhöhten Kurzarbeitergeld und diversen weiteren Maßnahmen greift der Bund tief in die Tasche. Die Staatsverschuldung dürfte durch die Corona-Krise von rund 60 Prozent auf schätzungsweise 75 Prozent steigen – wenn nicht sogar noch weiter. Auch Rufe nach branchenspezifischen Hilfen werden gehört. Auf Speisen in Restaurants werden ab Juli nur noch sieben statt 19 Prozent Mehrwertsteuer erhoben. Und auch die Automobilindustrie darf sich berechtigte Hoffnungen auf eine Kaufprämien machen. Der ZV hebt also zur rechten Zeit den Finger.

Corona-Krise: 7 Forderungen des Friseurhandwerks

Das Friseurhandwerk erfülle eine wichtige Gemeinwohl-Funktion, betont der Verband. Zudem zählt das Friseurhandwerk mit seinen rund 21.000 Auszubildenden seit vielen Jahren zu den Top-Ausbildern im Handwerk. Die andauernde Situation gefährde die Ausbildungsleistung jedoch. Auch um weiterhin im erforderlichen qualitativen und quantitativen Umfang ausbilden zu können, fordert der ZV deshalb Hilfe und Unterstützung in den folgenden Bereichen:

  1. Der ZV fordert einen Ausbildungszuschuss als Einmalzahlung in Höhe von mindestens 75 Prozent der gesetzlichen oder höheren tarifliche Ausbildungsvergütung über einen Zeitraum von drei Monaten.
  2. Zudem sei eine bessere Gewährleistung der Kinderbetreuung und Beschulung nötig , um Mitarbeitern zu ermöglichen, in den Friseurbetrieben ihre Arbeitskraft einsetzen zu können.
  3. Im Bereich des Kurzarbeitergeldes (KuG) stelle die Wartezeit zwischen Bewilligung und Auszahlung für das Friseurhandwerk andauernd ein Problem dar. Grundsätzlich müssten Auszubildende und Minijobs zur Schließung der bestehenden Unterstützungslücke einbezogen werden.
  4. Die 2006 eingeführte vorgezogene Fälligkeit der Sozialversicherungsbeiträge müsse zur Liquiditätsverbesserung wieder auf den Prüfstand.
  5. Im Bereich der Zuschüsse und Förderkredite sei eine Nachjustierung unter Berücksichtigung des Umstandes nötig, dass in der Regel Betriebe unter zehn Mitarbeitern keinen KfW-Schnellkredit mit 100-prozentiger Haftungsfreistellung bekommen können, während Betriebe mit nur wenigen Mitarbeitern mehr, in vielen Länder überhaupt nicht in den Genuss der dringend benötigten Zuschüsse kommen können. Die landesunterschiedliche Behandlung in diesem Bereich sei inakzeptabel, so der ZV.
  6. Als besonders vom Shutdown und den negativen wirtschaftlichen Auswirkungen der Kontaktminimierungsgebote sowie strengen Hygiene- und Infektionsschutzanforderungen betroffene Branche, benötige das Friseurhandwerk zusätzliche Steuererleichterungen und Entlastungen. Konkret fordert der ZV eine Reduzierung der Umsatzsteuer. Diese Maßnahme sei auch zur Korrektur struktureller Verwerfungen im Bereich umsatzsteuerfreier Soloselbständigkeit und verbreiteter Schwarzarbeit notwendig.
  7. In Fällen behördlich angeordneter Betriebsschließungen müsse das Infektionsschutzgesetz (IfSG) ergänzt werden. "Es muss eine Rechtsgrundlage geschaffen werden, dass auch bei Betriebsschließungen, die im Ergebnis wie ein umfassendes Tätigkeitsverbot für alle Arbeitnehmer eines Betriebes wirkt, die Möglichkeit einer Entschädigung für Arbeitgeber analog § 56 Abs. 1 IfSG besteht." Das Landgericht Heilbronn hatte einen Anspruch auf Entschädigung erst kürzlich verneint.
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