Meisterstücke -

Wartungs- und Reparaturservice für Lokomotiven Freie Fahrt für Elektro-Loks

Die "mgw Service" in Kassel hält elektrische Lokomotiven privater Beförderungsdienstleister am Laufen – im Notfall auch mit Pannendienst.

Antje Wallraff und Klaus Weiß
In guten Händen: Antje Wallraff und Klaus Weiß kümmern sich darum, dass bei den Loks ihrer Kunden die Räder nicht stillstehen. -

Als Klaus Weiß und Antje Wallraff vor sieben Jahren die Geschäftsidee hatten, einen Service für die Wartung und Instandhaltung von Lokomotiven anzubieten, holten sie sich bei fast allen Kreditinstituten eine Abfuhr. "Schauen Sie doch ins Internet", mussten sie sich anhören. Solche Dienstleister gebe es wie Sand am Meer. Tatsächlich reihten sich an die 300 Angebote bei Google untereinander. Doch die Banker wussten nicht, dass es sich dabei um Wartungsdienste für Dieselloks handelte. Die "mgw Service" aus Kassel kümmert sich jedoch um Elektrolokomotiven und ist heute neben den Herstellern Siemens und Bombardier der einzige Anbieter für deren Instandhaltung.

Liberalisierung schafft neuen Markt

"mgw Service" sorgt dafür, dass die Loks privater Beförderungsunternehmen immer am Laufen bleiben und nicht plötzlich mitten auf der Strecke stehen bleiben – inzwischen auch in der Schweiz, in Italien und in Schweden.Angefangen hat alles mit der Liberalisierung des Schienenverkehrs im Jahr 2001. Damals durften auch andere Unternehmen als die Deutsche Bahn zum ersten Mal Beförderungsdienstleistungen auf dem Schienennetz anbieten. Während die Bahn ihren eigenen Service unterhielt und heute noch unterhält, mussten die neuen Anbieter auf die Dienste der Hersteller zurückgreifen. Dies waren zu jenem Zeitpunkt ADtranz und Siemens, die laut Weiß und Wallraff beide jedoch wenig Ahnung von Instandhaltung hatten. Diese Tätigkeiten hatten die Hersteller vollständig der Deutschen Bahn überlassen, die naturgemäß wenig Interesse daran hatte, private Konkurrenten beim Service zu unterstützen.

Klaus Weiß hatte deshalb die Aufgabe, für ADtranz ein solches Angebot in Kassel aufzubauen. Dass der Hersteller jedoch inzwischen zum frankokanadischen Unternehmen Bombardier gehörte, machte die Sache aus Sicht von Klaus Weiß sehr viel schwieriger. In dem Konzern seien die Entscheidungsbefugnisse sehr eingeschränkt gewesen.Hinzu kam, dass die privaten Verkehrsdienstleister beim Service nicht auf ein Herstellermonopol angewiesen sein wollten. Die Nachfrage nach solchen Angeboten war also da. Sein Alter von 47 Jahren hinderte Klaus Weiß nicht, seinen gut bezahlten Job zu kündigen. Ebenso wie Antje Wallraff, die mit ihm ADtranz verließ.

Reserveloks
© Foto: mgw Service

21 Betriebsstätten in ganz Deutschland für Reparaturen und Check-ups

"Ich bekam plötzlich Jobangebote, nach denen ich mir vorher die Finger geleckt hätte", erzählt Weiß. Doch er und Antje Wallraff vertrauten ihrer Geschäftsidee und gründeten im Jahr 2005 die "mgw Service GmbH & Co KG".Der Beförderungsdienstleister "Rail4Chem" nahm das Angebot dankend an und unterstützte mgw mit einem Instandhaltungsvertrag. Heute kümmert sich mgw mit 47 Mitarbeitern um 150 Lokomotiven. Die Mitarbeiter legen mit dem Auto jährlich mehr als 100.000 Kilometer zurück, um irgendwo in Deutschland die Wartungen an einer Siemens- oder an einer Bombardier-Lokomotive vorzunehmen. 21 Betriebsstätten stehen mgw allein in Deutschland zur Verfügung, um eine Lokomotive zu reparieren oder ihr den fälligen technischen Check-up zu verpassen.

Und noch immer wächst die Nachfrage. Inzwischen auch aus dem Ausland. Eigentlich wollten Weiß und Wallraff bei 15 Mitarbeitern eine Grenze ziehen, doch der als Nische erkannte Markt ist bei weitem noch nicht gesättigt. mgw könnte die Belegschaft immer noch aufstocken. Doch die beiden Chefs sind vorsichtig. "Wir sind an einer kritischen Grenze", sagen sie. Man wisse nicht, ob man bei einer weiteren Expansion immer noch die gleiche Qualität leisten kann. Deshalb agieren sie im Moment zurückhaltend bei weiteren Anfragen, etwa wenn es um den französischen Markt geht, auf dem der Hersteller Alstom die meisten Lokomotiven stellt.

1.500 Euro kostet ein Tag Stillstand

Hinzu kommt das leidige Thema Fachkräfte, die wie in anderen Branchen auch hier nicht vom Himmel fallen. Weiß und Wallraff setzen auf Leute mit viel Erfahrung. Nicht umsonst kommt ein Großteil der Leute aus der Serviceabteilung der Bahn AG. "Die kennen die Lokomotiven in- und auswendig", sagt Weiß. Dieses Wissen ist überaus wichtig auf einem Markt, auf dem die Zeitfrage mehr als anderswo auch zur Geldfrage wird. Steht eine Lokomotive, kostet das die Transportunternehmen sehr viel Geld. "Etwa 1.500 Euro pro Tag", sagt Weiß. Umso wichtiger ist es, dass die Mitarbeiter im Notfall eine Lok nach kurzer Zeit wieder flottkriegen.

Sollte ein Unfall oder ein Defekt die Lok wirklich mal auf freier Strecke stilllegen, rückt der Notdienst von mgw aus. Das Unternehmen hat rund um die Uhr eine Hotline eingerichtet, bei der die Kunden anrufen können. Rund 100 Anrufe treffen so in der Kasseler Zentrale pro Woche ein. Zum Glück machen die wirklichen Notfälle nur einen geringen Teil der Anrufe aus. 90 Prozent der Ausfälle beruhen auf Bedienfehlern der Lokführer und können nach telefonischen Anweisungen wieder behoben werden.

Kunden sehen online, wie ihre Loks gewartet werden

Alle anderen Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten werden streng nach einem Überwachungsplan abgearbeitet. Jede Lok ist – von allen Kunden für ihre eigenen Loks online einsehbar – in einer Software verzeichnet, die anzeigt, wann, wie und warum sie in eine Wartung muss. So erfahren die Kunden die voraussichtlichen und derzeitigen Standzeiten ihrer Loks und können danach ihre Einsatzpläne machen. Auch hier zählt, wie überall, das Verständnis für die Bedürfnisse der Kunden.

Den Businessplan von mgw hatte eine Bank damals bei der Gründung dann doch richtig verstanden. Die Kasseler Bank sei gut vorbereitet gewessen und hätte die richtigen Fragen gestellt, erinnert sich Klaus Weiß. Nach einem fünfstündigen Gesprächsmarathon gab es auch den Kredit. Die Bürgschaften, die Weiß und Wallraff unterzeichnen mussten, hat die Bank inzwischen zurückgegeben.

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