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Geschlechtergleichstellung OECD: Frauen verdienen ein Fünftel weniger als Männer

Immer mehr junge Frauen sind gerade in Deutschland besser ausgebildet als ihre gleichaltrigen männlichen Kollegen. Aber in keinem anderen Land sind die Verdienstunterschiede zwischen Frauen und Männern immer noch so gravierend. Ein Grund ist nach Einschätzung der OECD das mangelnde Betreuungsangebot für Kinder. Den Betrieben entgehen dadurch gut ausgebildete Fachkräfte.

Junge Frauen sind in der OECD zunehmend besser gebildet als Männer gleichen Alters. In der Arbeitswelt angekommen, stoßen viel an die sogenannte "gläserne Decke".  Frauen verdienen weniger und wenn sie erst einmal Kinder haben und in Teilzeit arbeiten, sind alle Karrierechancen vorbei.

Gerade in Deutschland, Österreich und der Schweiz arbeiten überproportional viele Frauen Teilzeit. Das geht aus einer veröffentlichten OECD-Studie "Gleichstellung der Geschlechter – Zeit zu handeln" hervor.

22 Prozent weniger Gehalt

In keinem anderen europäischen Land ist jedoch der Gehaltsunterschied zwischen Frauen und Männern so ausgeprägt wie in Deutschland. Eine vollbeschäftigte Frau in Deutschland verdient knapp 22 Prozent weniger als ein Mann – der OECD-Schnitt liegt bei einem Minus von 16 Prozent.

Das Gefälle zwischen den Geschlechtern ist nach Ansicht der OECD vor allem darauf zurückzuführen, dass Frauen in der Regel in schlechter bezahlten Branchen arbeiten. Aber auch das mangelnde Betreuungsangebot für Kinder trägt dazu bei, dass Frauen schlechtere Chancen am Arbeitsmarkt haben.

Unternehmenskultur muss sich ändern

Das Beispiel Norwegens zeigt laut der OECD, dass Quotenregelungen ein wirksames Instrument zur Verbesserung des Gleichgewichts zwischen Männern und Frauen in den Aufsichtsorganen von Unternehmen sein können. Welche wirtschaftlichen Konsequenzen solche gesetzlichen Quotenregelungen insgesamt haben, müsse sich jedoch erst noch zeigen.

Die OECD appelliert in ihrem jüngsten Bericht auch dafür, dass sich etwas an der Unternehmenskultur ändern müsse.

Telearbeit, Teilzeit- oder befristete Beschäftigungsverhältnisse können auf kurze Sicht attraktive Optionen zur Vereinbarung von Familie und Beruf sein, auf lange Sicht können sie sich jedoch als kostspielig erweisen – nicht nur in Bezug auf das Gehalt, sondern auch auf Rentenansprüche und Arbeitsplatzsicherheit.

Das zeigt sich spätestens in der Rente. Vor allem Frauen sind in Deutschland von Altersarmut bedroht oder betroffen.

Familienfreundliche Formen der Arbeitsorganisation können es leichter machen, Berufs- und Privatleben miteinander zu vereinbaren, allerdings nur dann, wenn sie von Männern ebenso genutzt werden wie von Frauen. Hier muss sich nach Ansicht der OECD jedoch noch einiges tun.

Die OECD empfiehlt deshalb:

  • Allen Eltern sollten erschwingliche, qualitativ hochwertige Kinderbetreuungsmöglichkeiten geboten werden, und erwerbstätige Mütter sollten bezahlten Mutterschaftsurlaub erhalten.
  • Es sollte eine gerechtere Aufteilung des Elternurlaubs gewährleistet werden, z.B. indem festgelegt wird, dass ein Teil der Urlaubsansprüche nur vom Vater genutzt werden kann.
  • Die Politik sollte die Steueranreize so setzen, dass sich die Erwerbstätigkeit für beide Elternteile lohnt.
  • Kulturellen Hindernissen und stereotypen Frauenbildern müssen beseitigt werden.
  • Die Länder sollten Ziele für die Erhöhung des Frauenanteils in den Aufsichtsorganen börsennotierter Unternehmen setzen und Messgrößen zur Beobachtung der dabei erzielten Fortschritte einführen.

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