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Gasförderung Fracking: Bierbrauer warnen vor Risiken

Nach einer neuen Regelung soll Fracking in Deutschland weitgehend verboten werden. Doch Bierbrauer und Mineralwasserhersteller fühlen sich benachteiligt und warnen vor den Risiken der umstrittenen Erdgasförderung.

Die Erdgasförderung durch die Fracking-Methode soll in Deutschland aus bis zu 3000 Meter tiefen Gesteinsschichten vorerst weitgehend verboten werden. Darauf haben sich Bundesumweltministerin Barbara Hendricks und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (beide SPD) geeinigt. Besonders die Chemikalien, die zum Aufbrechen von gasführendem Gestein genutzt werden, sind umstritten.

"Fracking-Vorhaben zur Gasförderung aus Schiefer-und Kohleflözgestein oberhalb von 3000 Metern werden durch das Wasserhaushaltsgesetz verboten", heißt es in einem Eckpunktepapier. Zudem soll Fracking jeglicher Art in Wasserschutzgebieten, Heilquellenschutzgebieten, Einzugsbereichen von Talsperren und Seen, die unmittelbar der Trinkwassergewinnung dienen, verboten werden, heißt es in dem Papier weiter. Dieses Verbot könne durch die Länder auch auf Trinkwassergewinnungsgebiete ausgeweitet werden.

Wissenschaftliche Erprobung und konventionelles Fracking möglich

Doch Fracking-Vorhaben für so genanntes "Tight Gas" (konventionelles Fracking) bleiben grundsätzlich möglich. Solche Vorhaben werden seit den 1960er Jahren in Deutschland durchgeführt und dürfen schon heute und nach derzeit geltendem Berg- und Wasserrecht keine Gefahr für die Gesundheit und das Trinkwasser hervorrufen. Hier sollen trotzdem noch zusätzliche Regelungen eingeführt werden: Unter anderem darf die eingesetzte Frackflüssigkeit insgesamt maximal schwach wassergefährdend sein. Zudem solle Fracking nur dann wissenschaftlich erprobt werden, wenn die Frackflüssigkeit nicht das Grundwasser gefährde. Das Verbot solle 2021 überprüft werden.

Bierbrauer fordern: gleicher Schutz den Lebensmittel- und Getränkeherstellern

Doch Bierbrauer und Mineralwasserhersteller fühlen sich von den neuen Regelungen benachteiligt. Sie warnen vor den Fracking-Risiken und fordern den Schutz aller Wasservorkommen. Unter anderem die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, der Brauerbund, Gelsenwasser und der Verband Deutscher Mineralbrunnen haben das "Bündnis zum Schutz von Wasser" gegründet, mit dem sie öffentlich Kritik an der Fracking-Methode üben.

"Es wäre völlig unverständlich, sollten die Brunnen von Lebensmittel- und Getränkeherstellern in dem geplanten Gesetz weniger Schutz genießen als Trinkwasserbrunnen", heißt es in der Erklärung. Zudem fordert das Bündnis, dass Fracking in Einzugsgebieten von Mineral- und Heilquellen, von Braubrunnen, für die Herstellung von Getränken sowie für die Trinkwasserversorgung und für die Lebensmittelherstellung generell verboten werden müsse.

Die Bierbrauer haben vor allem Angst um das Reinheitsgebot des Bieres, das vor 497 Jahren erlassen wurde. Durch Fracking – wenn also Wasser, Sand und Chemikalien in Schiefergestein gepresst werden, um dort eingeschlossenes Öl oder Gas freizusetzen – könnte es gefährdet werden.

Grüne sehen zu große Schlupflöcher

Auch andere Kritiker sehen in mehreren Detailvorschlägen zu große Schlupflöcher.

Der Fraktionsvize der Grünen Oliver Krischer mahnte an, dass Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel und Umweltministerin Barbara Hendricks am Tag des WM-Achtelfinales ein Fracking-Ermöglichungsgesetz vorlegten. Dies sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Er fordert, dass Fracking in Deutschland nicht zugelassen wird und dass es keine Schlupflöcher im Zuge der neuen Regelung geben dürfe. meh/dpa

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