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Fotografie Fotos vom Fachmann zahlen sich aus

Porträts, Gebäude, Speisen: Wie Fotografenmeister Handwerksbetriebe gekonnt in Szene setzen. Hochwertige Aufnahmen nützen dem Geschäft.

Für vier Millionen Dollar wurde im Jahr 2011 das Foto "Rhein II“ von Andreas Gursky versteigert. Damit ist es eines der teuersten Fotos aller Zeiten. Das Bild zeigt einen begradigten Rheinabschnitt in trostloser Umgebung. Für einen Kunstkenner handelt es sich um ein ausdrucksstarkes Meisterwerk. Bei einer Bildagentur wäre es womöglich abgelehnt worden. Nicht weil Bildredakteure Kunstbanausen sind. Sondern weil das Foto ohne Nutzwert für Unternehmen erscheint.

Das Beispiel zeigt, wie subjektiv Fotografie ist. Vielleicht denken deshalb so viele Menschen, dass sie keine Experten brauchen. Schließlich hat das Handy 10 Megapixel. Und überhaupt, fotografieren ist einfach - das kann doch jeder! Auch viele Handwerker verwenden selbstgemachte Fotos auf Webseiten, in Prospekten oder auf Werbeschildern. Manche Darstellung wirkt dadurch unprofessionell und vermittelt schnell ein ungünstiges Bild von der Arbeitsweise des Betriebes.

Fotos werden zuerst betrachtet

Das Ergebnis lässt sich dann später in Medien oder auf der Straße betrachten. Nichtssagende Fotos in Online-Portalen, langweilige Selbstdarstellungen von Unternehmen im Internet, unappetitliche Aufnahmen im Schnellimbiss, dem Bäcker oder der Fleischerei, öde Messestände oder mittelprächtige Bewerbungsfotos. Allzu oft wird vergessen, dass Menschen optisch orientiert sind. Fotos und Bewegtbilder werden stets zuerst beachtet. Sie bleiben länger im Gedächtnis, aktivieren stärker zum Handeln und erzeugen einen bleibenden Eindruck. Jeder kenn die Liebe auf den ersten Blick. Aber genauso gibt es die Sympathie auf den ersten Blick. Für Produkte, Räumlichkeiten, Menschen oder Dienstleistungen.

Profis aus der Werbung haben die Wirkung optischer Darstellungen erkannt. Auf den Plakaten und Anzeigen sieht man heutzutage in erster Linie großflächige Fotos und nur noch wenig Text. Die Bildsprache ist entscheidend. Auch in TV-Spots dominieren Bilder. Zusammen mit passender Musik erzeugen sie die gewünschten Emotionen beim Kunden. 83 Prozent unserer Sinneseindrücke werden über den Sehnerv aufgenommen, nur 11 Prozent über die Ohren.

Fotos vom Fachmann zahlen sich aus

Professionelle-Foto-Ausrüstung kostet 10.000,00 bis 100.000,00 Euro

Nicht jeder hat die Macht der Bildsprache erkannt, obwohl es oft um sehr viel Geld geht. Hotels und Ferien-Appartements, die perfekt abgebildet werden, bekommen mehr Buchungen. Restaurants und Konditoreien, die mit appetitlichen Fotos und einladenden Darstellungen der Räumlichkeiten arbeiten, mehr Kunden. Handwerker, die ihre Produkte, ins perfekte Licht setzen lassen, erhalten mehr Aufträge. Verkaufsräume, die durch eine geschickte Mischung aus Musik und Fotografie zum längeren Verweilen einladen, erzeugen einen höheren Durchschnittsbon. Wer von uns bleibt an einem Messestand stehen, der keine optischen Reize setzt?

Professionell ausgeleuchtete Fotos, die das Objekt ins perfekte Licht setzen, sind mit einem Handy oder einer einfachen Kamera nicht immer machbar. Hierfür benötigt man meist zusätzliches Licht, eine professionelle Ausrüstung und jemanden, der diese auch bedienen kann. Einen Profi-Fotografen eben. Dirk Fellenberg, Profi-Fotograf aus Hamburg, erklärt warum die Mittelformatkameras so teuer sind: "MF-Kameras bzw. die Digitalrückteile dafür sind sehr teuer. Sie kosten alleine zwischen 12.000,00 und 35.000,00 Euro. Dafür bieten sie enorme Vorteile. Da wäre zum einen die enorme Auflösung von bis zu 80 Millionen Pixeln. Sie wird oft in der High-End-Werbefotografie benötigt, beispielsweise für den Bereich Autofotografie, wo es auf extreme Brillanz, Dynamik und Detailgenauigkeit in der Abbildung ankommt, da teilweise riesige Bildgrößen für Messestände in Fotodruckqualität gefordert werden.

Zum anderen müssen in der Werbung bei demselben Motiv oft mehrere Bildformate gleichzeitig bedient werden, beispielsweise Quer- und Hochformate, oder Detailausschnitte. Wenn die Auflösung groß genug ist, kann alles aus einer Datei erzeugt werden. Auch für das Gestalten mit extremer Schärfe und Unschärfe bieten Mittelformatsysteme bei Gebrauch der richtigen Optiken viel mehr Spielraum."

Enorme Ausgaben für Technik

Da professionelle Fotografen, ob sie nun frei, haupt- oder nebenberuflich arbeiten, enorme Ausgaben für Technik und Studio haben, müssen sie auch faire Summen für ihre Arbeiten berechnen. Bei Billigangeboten ist daher Vorsicht angebracht. Möglicherweise fehlt hier das entsprechende Equipment. Für großflächige Aufnahmen, etwa im Messebau, für Ausstellungen, Verkaufsräume, Firmenzentralen oder Plakate werden beispielsweise Mittelformatkameras mit besonders hoher Auflösung benötigt.Die 10 bis 12 Megapixel eines Handys reichen im Druck gerade Mal bis DIN A4 und wirken in hoher Auflösung schnell unansehnlich. Ein Foto, welches auf einem Monitor mit 90 DPI noch schön anzusehen sein mag, kann im Druck mit 305 DPI schnell langweilig, unscharf und unprofessionell aussehen.

Knifflige Gebäudefotografie

Einen besonders hohen Stellenwert hat die Bildsprache im Bereich der Architektur. Normale Spiegelreflexkameras sorgen bei Architekturaufnahmen oft für optische Verzerrungen. Jeder, der schon einmal eine Kirche fotografiert hat, kennt diesen Effekt. Beim späteren betrachten, wirkt das Bauwerk, als sei es nach Hinten gekippt. Wer ein Gebäude ohne kippende Linien darstellen möchte, braucht entsprechende Objektive und Erfahrungen in der Bild-Nachbearbeitung. Zudem spielt die Perspektive eine wichtige Rolle. Um ein Gebäude in voller Größe ansehnlich darzustellen, benötigt man oft hochentwickelte Objekte mit verschiedenen Brennweiten, sowie eine gehörige Portion Erfahrung.

Ein besonders heikles Thema sind Portraitfotos. Meist wird nur ein einziges Bild benötigt. Dieses aber soll den abgebildeten Menschen mit all seinen Persönlichkeitsfacetten möglichst im positiven Licht zeigen, auf den ersten Blick Sympathie wecken aber gleichzeitig nicht zu glatt oder künstlich wirken. Mit einem Automatenbild oder eine Handy-Aufnahme ist das kaum zu machen. Wer Karriere machen möchte, sollte mindestens einen professionellen Portraitfotografen aufsuchen. Das perfekte Portrait kann später schließlich Türen öffnen. Denn der erste Eindruck wirkt dann beim weiteren Lesen der Bewerbungsmappe nach.

Speisen appetitlich inszenieren

Sehr wichtig sind gute Fotos auch im PR-Bereich. Medien nutzen gerne Fotos, die zusammen mit Presseinformation ausgeliefert werden. Sofern diese ansprechend sind natürlich. Dadurch wird die Nachricht optisch vergrößert und erhält mehr Aufmerksamkeit durch die Leser. Das gilt übrigens für Print und Online. Große Autofirmen wie BWM produzieren deshalb ganze Fotostrecken mit teilweise mehreren Hundert Bildern für die Presse, wenn Sie ein neues Automobil präsentieren. Auf diese Weise hat jedes Blatt später andere Fotos im Heft. Es ist für jeden Redakteurs-Geschmack etwas dabei und die Bildredakteure greifen gerne zu, da das eigene Heft durch die schicken Aufnahmen ebenfalls aufgewertet und der Bericht interessanter wird. Eine Win-Win-Situation die schon immer gut funktionierte.

Essen appetitlich zu fotografieren ist ebenfalls eine Sache für Profis. Auch das leckerste Menu wirkt auf Fotos oft wie eine graue Pampe. Man kennt das durch Menschen, die meinen, Ihr tägliches Essen auf Facebook oder Instagram posten zu müssen. Nur durch eine perfekte Ausleuchtung und weitere Spezialtricks sehen Speisen später so aus, das man sofort reinbeißen möchte. Fotos von gängigen Standardgerichten gibt es natürlich auch bei Bildagenturen in guter Qualität. Wer das Menu des Küchenchefs oder die Stimmung im eigenen Restaurant darstellen möchte, kommt aber nicht daran vorbei, einen Profi-Fotografen zu engagieren. Eine Investition, die sich auf jeden Fall auszahlt.

Wie finde ich einen Fachmann?

Jeder, der eine Kamera besitzt und ein Gewerbe anmeldet, kann sich "Fotograf“ nennen. Allerdings sollte man bei der Auftragsvergabe genau hinschauen. Bevor Sie auf vermeintliche billige Angebote hereinfallen, kontrollieren Sie vor einer Auftragsvergabe, ob es sich tatsächlich um eine Person mit fotografischer Ausbildung oder entsprechender Erfahrung als Autodidakt handelt. Fragen Sie nach, ob ein Fotograf zum Beispiel in der Handwerksrolle eingetragen oder bei einem entsprechenden Berufsverband gemeldet ist. Lehrlinge erhalten eine Ausbildung mit einer Abschlussprüfung durch einen Prüfungsausschuss der jeweiligen Innung. Ein Qualitätsmerkmal besteht auch darin, dass der Fotograf geprüfter Fotografenmeister ist. Fotografenmeister haben an einem Meisterkurs teilgenommen und diesen erfolgreich abgeschlossen. Darüber hinaus gibt es natürlich auch freie Fotografen, die sich durch viel Praxiserfahrung und Leidenschaft ein umfassendes Fachwissen erworben haben. Achten Sie darüber hinaus auf die bisherigen Arbeitsschwerpunkte des Fotografen. Es macht meist wenig Sinn, einen Hochzeitsfotografen für Industriehallen zu buchen oder einen Architekturfotografen für Food-Aufnahmen zu engagieren. Obwohl es natürlich immer Generalisten und Talente gibt, die mehrere Disziplinen beherrschen. Lassen Sie sich immer Beispielsaufnahmen zeigen und schauen Sie, ob Ihnen der Stil und die Bildsprache des Fotografen zusagt.

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