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Flüchtlinge werden zu Fachkräften Flüchtlinge ausbilden: So unterstützen Willkommenslotsen die Betriebe

Helen Abebe Beyene und Masoud Tajik gehören zu den ersten Flüchtlingen im unterfränkischen Handwerk, die ihre Gesellenprüfung erfolgreich abgelegt haben. Es ist die Geschichte einer gelungenen Integration.

Helen strahlt noch genauso wie vor drei Jahren. Heute strahlt sie sogar noch ein bisschen mehr. Die 30-Jährige hat auch allen Grund dazu: Vor kurzem hat sie ihre Gesellenprüfung zur Fachverkäuferin im Lebensmittelhandwerk mit der Durchschnittsnote 1,7 bestanden. Die heute 30-Jährige kam mit der großen Flüchtlingswelle vor vier Jahren nach Deutschland, 2016 begann sie ihre Ausbildung bei der Metzgerei Hemmerich in Geldersheim im Landkreis Schweinfurt.

Für ihren Arbeitgeber Thomas Hemmerich war Helen schon damals ein Glücksfall, denn nach langer Suche fand er in der Äthiopierin eine motivierte Auszubildende, die mit Freude am Beruf sein Team optimal verstärkte.

Im Handwerk angekommen

Auch drei Jahre später hat sich daran nichts geändert. "Ich bin glücklich, dass ich hier arbeiten darf. Es ist einfach super", sagt Helen und strahlt dabei wieder über das ganze Gesicht. Auch Metzgermeister Thomas Hemmerich – sonst eher der pragmatische Typ – lässt sich von diesem Strahlen anstecken. Er ist sichtlich stolz auf seine Auszubildende. "Wenn ein Lehrling in der Prüfung solche Ergebnisse einfährt, ist das wie ein Sechser im Lotto", sagt der Betriebsinhaber.

Willkommenslotsen bieten Unterstützung für Betriebe

Die Geschichte von Thomas Hemmerich und seiner Auszubildenden ist auch für Willkommenslotsin Erna Kleinhenz etwas Besonderes. Sie berät Handwerksbetriebe, die Flüchtlinge ausbilden oder beschäftigen wollen.

Helen Abebe Beyene und Metzgermeister Thomas Hemmerich gehörten zu den Ersten, die die Willkommenslotsin begleitet hat. "In diesem Fall hat es von Beginn an gepasst", freut sich die Expertin. Als Willkommenslotsen haben Erna Kleinhenz und ihre Kollegen ein großes Netzwerk zu regionalen Ansprechpartnern. Hierdurch bieten sie umfassende Beratungs- und Informationsleistungen innerhalb der gesamten betrieblichen Integration an, für eine nachhaltige Ausbildung und Beschäftigung im Handwerk.

Neuer Facharbeiter dank 3+2 Regelung

Das Unterstützungsangebot der Willkommenslotsen der Handwerkskammer für Unterfranken möchte auch Daniel Höhn weiterhin wahrnehmen. Im Betrieb seiner Familie, der auf Fahrzeuginstandsetzung spezialisierten Firma Höhn im Kitzinger Ortsteil Etwashausen, hat Masoud Tajik gerade erfolgreich seine Ausbildung zum Fahrzeuglackierer beendet.

Der 29-jährige Afghane profitiert von der so genannten 3+2-Regelung. Das heißt, er erhält als Facharbeiter in seinem Ausbildungsberuf für zwei Jahre eine Arbeitserlaubnis und kann somit weiterhin in seinem Ausbildungsbetrieb arbeiten.

Im Handwerk angekommen

Für Juniorchef Daniel Höhn ist Masoud Tajik eine wichtige Fachkraft. "Er ist sehr engagiert und auch im Privatleben immer zuvorkommend, wenn helfende Hände benötigt werden. Wir unterstützen Masoud deshalb gerne und helfen, wo wir können", erklärt er.

Wie Metzgermeister Thomas Hemmerich hat auch Daniel Höhn die Erfahrung gemacht, dass die bürokratischen Hürden für Betriebe, die Flüchtlinge beschäftigen wollen, hoch sind. Er ist deshalb dankbar für die Unterstützungsangebote der Willkommenslotsen. "Diese Hilfe steht den Unternehmen natürlich auch nach der Ausbildung zur Verfügung", betont Christian Rappold, der für die Region Kitzingen zuständige Willkommenslotse der Handwerkskammer für Unterfranken.

In Geldersheim will Thomas Hemmerich auch weiterhin mit Willkommenslotsin Erna Kleinhenz in Kontakt bleiben. Denn er würde jederzeit wieder einem jungen Menschen mit Fluchthintergrund eine Ausbildungsstelle anbieten. Auch weil er weiß, dass er auf die Unterstützung der Willkommenslotsen zurückgreifen kann.

"Jeder, der Lust auf den Beruf und die Ausbildung hat, ist willkommen", sagt er. Helen hat diese Begeisterung für den Beruf. Als sie vor dem Laden steht und ein paar Schüler mit einem freundlichen "Hallo Jungs!" begrüßt, wird noch etwas klar: Sie ist angekommen. Angekommen in Deutschland, angekommen im Beruf und angekommen im Handwerk.

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