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Asylbewerber im Handwerk Flüchtlinge anstellen: Im Dschungel der Bürokratie

Sie sind motiviert, die bürokratischen Hürden aber hoch: Viele Betriebe wären bereit dazu, Flüchtlinge einzustellen. Dabei offenbaren sich jedoch meist die Tücken des deutschen Asylrechts.

Flüchtlinge Handwerk Obermeier
In Deutschland angekommen: Abdullah Mohammadi ist im Betrieb von Olaf Zimmermann untergekommen. -

Afghanistan, Iran, Türkei, Griechenland und Italien. Das sind die Länder, über die Abdullah Mohammadi als 16-Jähriger nach Deutschland kam. Die Flucht war lange und sie war gefährlich. Nun sitzt Abdullah im Aufenthaltsraum seines Ausbildungsbetriebes Obermeier in München und erzählt davon, wie es ist, als Flüchtling nach Deutschland zu kommen.

Fast 174.000 Flüchtlinge suchten 2014 in Deutschland Asyl. Die Zahl derer, die aufgrund einer Erwerbstätigkeit nach Deutschland kamen, war 2013 weniger als halb so hoch. Die Zahl der Fachkräfte, die eine Arbeitserlaubnis bekamen, war mit 324 im Vergleich dazu verschwindend gering. Immer mehr sehen in den hohen Asylbewerberzahlen daher die Chance, den hiesigen Fachkräftemangel zu mildern.

Unsicherheit bei Betrieben

Abdullah ist bei Obermeier als Auszubildender im SHK-Handwerk untergekommen. Bis es so weit war, vergingen dreieinhalb Jahre voller Unsicherheit. Denn zunächst wurde sein Asylantrag von den Behörden abgelehnt. Der heute 20-Jährige klagte und bekam Recht. Doch selbst als Abdullah die Lehrstelle antrat, musste er seine Aufenthaltserlaubnis alle drei Monate erneuern.

Nur einem Bruchteil der Flüchtlinge wird der Asylantrag gewährt. Sie erhalten ein Bleiberecht und damit das Recht zu Arbeiten. Der Rest wird zurückgeschickt oder – trotz abgelehntem Asylantrag – hier geduldet. Die Ausländerbehörde muss dann einer Beschäftigung zustimmen. Das Risiko, abgeschoben zu werden, bleibt. Die Asylverfahren dauern oft Monate. Für Betriebe, die gerne Flüchtlinge aufnehmen würden, bedeutet das Unsicherheit.

Rechtslage ist komplex

Wie beim 27-jährigen Omar aus Mali. Er arbeitete ab Januar 2014 als Ein-Euro-Jobber in einer Schreinerei, einer berufsvorbereitenden Produktionsschule. Ein Praktikum durfte er als Geduldeter nicht beginnen. Nach drei Monaten wurde er abgeschoben – zurück nach Italien, das Land, in dem er in Europa angekommen war.

"Die Rechtslage ist sehr komplex“, sagt Sait Demir, Berater bei der Handwerkskammer für Schwaben. Im Dschungel der Bürokratie brauchten gerade kleine Betriebe fachmännische Unterstützung. "Es gibt viele Hürden zu überwinden und davor schrecken kleinere Unternehmen eher zurück." Die Bereitschaft, Flüchtlinge aufzunehmen, sei jedoch vorhanden, sagt Jörg Schmieder von der Handwerkskammer Ulm.

IAB: Dauer der Duldungen zu kurz

Robert Menhofer
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Für Georgi Romanos aus Syrien hat Betriebsinhaber Robert Menhofer aus Bobingen die Initiative ergriffen. Seit September macht Romanos bei ihm eine Lehre zum Kfz-Mecha­troniker. "Bis alles geklärt war, brauchte es hunderte Telefonate mit den Behörden", erzählt Menhofer. Und das, obwohl der Asylantrag genehmigt wurde.

Das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung sieht in den hohen bürokratischen Anforderungen ein großes Problem. Obwohl in vergangener Zeit auch jungen "geduldeten" Flüchtlingen die Ausbildung rechtlich erleichtert wurde, erweise sich die Umsetzung in der Praxis vor Ort als schwierig. Selbst bei örtlichen Arbeitsagenturen und Ämtern herrsche oft Unsicherheit. Hinzu komme die Dauer der Duldungen – von einem Monat bis zu einem Jahr. "Gemessen an Ausbildungsdauern von etwa drei Jahren ist beides zu kurz", heißt es in einem Bericht des Institutes.

Einsatz für Flüchtlinge

"Ich bin das zugegebenermaßen sehr blauäugig angegangen", sagt SHK-Meister Olaf Zimmermann. "Ich dachte, wir machen einen Lehrvertrag, und damit hat es sich." Einige Handwerkskammern sowie der Zentralverband des Deutschen Handwerks fordern daher bereits eindeutigere Zuständigkeiten und mehr Rechtssicherheit für Betriebe.

Für den malischen Flüchtling Omar könnte es gut enden. Seine Betreuer setzen sich für ihn ein, schrieben sogar die deutsche Botschafterin im Vatikan, Annette Schavan, an. Omar darf im April nach Deutschland zurückkehren – sofern er einen Ausbildungsplatz hat. Sein Betreuer aus der Schreinerei, Hans-Jürgen Bauer, würde ihn übernehmen. "Doch wir sind eine soziale Einrichtung, das stellt uns vor finanzielle Probleme", sagt der Schreinermeister. "Ich hoffe, dass sich jemand findet, der die Ausbildung finanziert."

Zum Aufenthaltsstatus

Geduldete sind abgelehnte Asylbewerber, die aus verschiedenen Gründen nicht abgeschoben werden können. Häufig kommt es dadurch zu sogenannten Kettenduldungen, die jeweils auf einen bis zu zwölf Monate befristet sind. Wird der Asylantrag angenommen, erhalten Flüchtlinge eine befristete Aufenthaltserlaubnis.


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