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Imageproblem und Vorurteile bedrohen die Nachfolge Fleischerhandwerk findet keine Azubis – Social Media eine Chance?

Im Fleischerhandwerk bleibt fast jede dritte Ausbildungsstelle unbesetzt. Der Grund: Die Branche hat ein Imageproblem. Dazu haben viele Jugendliche eine falsche Vorstellung vom Beruf. Ernährungstrends und soziale Netzwerke spielen der Branche derweil in die Karten.

Tausende Lehrstellen im Handwerk sind zum Start des neuen Ausbildungsjahres noch frei. ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer spricht von rund 30.000 unbesetzten Ausbildungsplätzen. Besonders betroffen sind die Betriebe im Fleischerhandwerk. Die Branche zählt nur noch etwa halb so viel Lehrlinge wie vor zehn Jahren. "Die Nachwuchssituation bleibt auch 2017 angespannt. Wir schätzen, dass in diesem Jahr erneut etwa jede dritte Lehrstelle nicht besetzt wird", sagt Herbert Dohrmann, Präsident des Deutschen Fleischer-Verbandes.

Das Gerücht mit dem Schlachten

Die Branche hat neben den allgemeinen Nachwuchssorgen im Handwerk zusätzlich mit einem Imageproblem zu kämpfen. Fleischer zu sein wird von vielen Jugendlichen vor allem mit harter körperlicher Arbeit, Blut, der Verarbeitung von rohem Fleisch und einem verhältnismäßig überschaubaren Lohn verbunden. Zum Teil sind die Vorurteile jedoch unbegründet. So ist laut Ausbildungsordnung zum Beispiel kein Lehrling dazu verpflichtet selbst ein Tier zu schlachten. Es handelt sich um einen Wahlbaustein. Viele Jugendliche scheinen das jedoch gar nicht zu wissen und wählen lieber einen anderen Beruf, wenn sie sich überhaupt für eine Ausbildung im Handwerk entscheiden.

"Die Sicherung von Berufsnachwuchs, Fach- und Führungskräften im Fleischerhandwerk bleibt daher eine unserer vordringlichen Aufgaben", sagt Präsident Dohrmann. Dazu gesellt sich ein zweites Problem. Den Betrieben gelingt es immer seltener einen Nachfolger zu finden – in der Folge verschwinden traditionsreiche Betriebe vom Markt. "Der Mangel an Nachfolgern ist inzwischen eine der Hauptursachen für die Betriebsaufgabe, insbesondere kleinerer fleischerhandwerklicher Unternehmen", weiß Dohrmann.

Influencer und Ernährungstrends könnten die Wende bringen

Es gibt jedoch auch Trends, die die Branche für sich nutzen kann. Der Einkauf und die Zubereitung von Lebensmittel wird gerade bei den Jugendlichen immer mehr als modische Haltung und Teil des Lifestyles zelebriert. Einige Metzger haben das bereits erkannt und werben in den sozialen Netzwerken für ihren Beruf. In Videos zeigen sie ihr handwerkliches Können und geben Tipps zu Zuschnitt und Zubereitung von verschiedenen Fleischsorten. Im besten Fall könnte das zu einem Imagewandel des Handwerks beitragen, der wieder mehr Jugendliche in die Ausbildung lockt. sg

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