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Fleischkonsum und die Folgen für Tiere und Umwelt Fleischatlas 2018: Insekten als alternative Nahrungsmittel?

Die Deutschen essen immer weniger Fleisch. Prognosen gehen jedoch davon aus, dass der weltweite Fleischkonsum bis 2050 um bis zu 85 Prozent steigt. Wird nicht gegengesteuert, werden die gesteckten Klimaziele nicht erreicht, lautet das Fazit des Fleischatlas 2018.

Bereits zum vierten Mal veröffentlichen die Heinrich-Böll-Stiftung, der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und Le Monde Diplomatique ihren Fleischatlas. Unter dem Titel „Rezepte für eine bessere Tierhaltung“ zeigen sie Versäumnisse in der Tierhaltung auf und bieten Lösungsansätze.

Der Fleischkonsum in Deutschland sei zwar in den letzten Jahren zurückgegangen, das Ziel aber noch lange nicht erreicht. Die vorläufigen Zahlen gehen von 1,6 Kilogramm weniger Fleisch aus, das im Jahr 2016 im Gegensatz zum Vorjahr pro Person konsumiert wurde. Der Fleischatlas 2016 beschäftigte sich ausführlich mit dem Konsumverhalten der Deutschen.

Lösungsansätze sehen der BUND und die Heinrich-Böll-Stiftung in dringend notwendigen Änderungen bei der Nutztierhaltung. Sie sehen Verbraucher und Politik in der Pflicht. Fleisch etwa müsse, ebenso wie Eier, eine Kennzeichnungspflicht erhalten. Beim Einkauf kann so auf den ersten Blick erkannt werden, ob das Fleisch aus einem Mastbetrieb kommt.

Güllebelastung in Böden und Grundwasser

Barbara Unmüßig, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung, sieht die EU in der Pflicht und fordert Förderungen für Maßnahmen, die eine ökologischere und tiergerechtere Landwirtschaft ermöglichen. So sollen etwa die Tiermengen pro Hektar begrenzt werden und bestehende Übermengen abgebaut werden. Der Fleischatlas spricht von zwei Großvieheinheiten pro Hektar. Das sind zwei Rinder, zehn Schweine oder 666,6 Masthähnchen. Als Negativ-Beispiele nennt der Report die niedersächsischen Gemeinden Cloppenburg und Vechta. Hier ist die Menge fünfmal so hoch wie empfohlen. Wird die Tiermenge pro Hektar reduziert hat das einen positiven Effekt auf die Schadstoffe im Boden. Es wird weniger Gülle produziert.

Insekten als alternatives Nahrungsmittel

Neben Abgaben auf Stickstoffüberschüsse nennen BUND und Heinrich-Böll-Stiftung auch alternative Lebensmittel: Insekten. Sie brauchen weniger Platz und Wasser als Rinder, Schweine oder Hühner, liefern aber alle Nährstoffe die der Mensch braucht. In der Insektenzucht werden, laut Fleischatlas, hundertmal weniger Emissionen freigesetzt wie bei der Rinderzucht. Aber auch der essbare Anteil liegt mit 80 Prozent deutlich höher als beim Rind (40 Prozent).

Egal wie ein Umdenken aussehen mag, es müsse schnell passieren. Der BUND-Vorsitzende, Hubert Weiger, mahnt, dass eine neue Bundesregierung noch in diesem Jahr Maßnahmen beschließen und umsetzen muss. dk

Alle Grafiken des Fleischatlas 2018 finden Sie auf der Homepage der Heinrich-Böll-Stiftung.

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