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Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb Firmenwagenbesteuerung: Steuerliche Ungleichbehandlung besiegelt

Eigentlich gelten für Arbeitnehmer und Unternehmer bei der Nutzung eines Firmenwagens dieselben Steuer-Spielregeln. Der Bundesfinanzhof hat die steuerliche Gleichbehandlung bei Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb nun jedoch gekippt.

Grundsätze zur steuerlichen Behandlung von Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb

Nutzt ein Unternehmer seinen betrieblichen Firmenwagen für Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb und führt kein Fahrtenbuch, wird nach der sog. 0,03 Prozent-Regelung ermittelt, in welcher Höhe sich diese Fahrtkosten auf den Gewinn ausgewirkt haben. Im zweiten Schritt wird dann die abziehbare Entfernungspauschale ermittelt. In Schritt 3 werden die Beträge aus Schritt 1 und Schritt 2 gegenübergestellt und es kommt in der Regel zu einer Gewinnerhöhung.

Beispiel: Ein Unternehmer nutzt einen betrieblichen Firmenwagen (Bruttolistenpreis 60.000 Euro) zu Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb. Die kürzeste Entfernung zwischen Wohnung und Betrieb beträgt 25 Kilometer. Der Pkw wird nur an 100 Tagen im Jahr für diese Fahrten genutzt. An den anderen Tagen nutzt der Unternehmer seinen Privat-Pkw.

Schritt 1 Ermittlung der Kosten für Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb, die sich als Betriebsausgaben ausgewirkt haben 5.400 Euro (60.000 Euro x 0,03 Prozent x 25 km x 12 Monate)
Schritt 2 Abziehbare Entfernungspauschale für die Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb 750 Euro (25 km x 100 Tage x 0,30 Euro/km)
Schritt 3 Nicht abziehbare Betriebsausgaben, weil die tatsächlich gewinnmindernd erfassten Betriebsausgaben über der Entfernungspauschale liegen 4.650 Euro
Fazit: Der Unternehmer muss also seinen Gewinn um 4.650 Euro erhöhen.

Praxis-Tipp: Der Bundesfinanzhof hat aktuell klargestellt, dass Unternehmer keine andere Möglichkeit haben, die nichtabziehbaren Betriebsausgaben zu ermitteln. Die Anwendung der 0,002 Prozent-Regelung für Arbeitnehmer, die ihren Firmenwagen an weniger als 15 Tagen im Monat zu Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb nutzen, ist für Unternehmer nicht zulässig (BFH, Urteil vom 12. Juni 2018, Az. VIII R 14/15).

Vorteilhaftere Regelung für Arbeitnehmer

Arbeitnehmer, die einen betrieblichen Firmenwagen nutzen dürfen und diesen an weniger als 15 Tagen im Monat für Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb nutzen, können ihren geldwerten Vorteil nach der günstigen 0,002 Prozent-Regelung ermitteln.

Beispiel: Ein Arbeitnehmer nutzt einen betrieblichen Firmenwagen (Bruttolistenpreis 60.000 Euro) für Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb. Die kürzeste Entfernung zwischen Wohnung und Betrieb beträgt 25 Kilometer. Der Pkw wird nur an 100 Tagen im Jahr für diese Fahrten genutzt. An den anderen Tagen nutzt der Arbeitnehmer seinen Privat-Pkw für Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb.

Schritt 1 Ermittlung der Kosten für Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb 3.000 Euro (60.000 Euro x 0,002 Prozent x 25 km x 100 Fahrten)
Schritt 2 Abziehbare Entfernungspauschale für die Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb 750 Euro (25 km x 100 Tage x 0,30 Euro/km)
Schritt 3 Zu versteuernder geldwerter Vorteil für die Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb  2.250 Euro
Fazit: Der Arbeitnehmer muss also 2.250 Euro als Arbeitslohn für diese Fahrten versteuern. Einem Unternehmer bleibt diese günstige Berechnung aufgrund des BFH-Urteils verwehrt.

Fazit: Fühlen Sie sich als Unternehmer steuerlich ungerecht behandelt, haben Sie die Möglichkeit, ein Fahrtenbuch zu führen und den Korrekturbetrag nach den tatsächlichen Fahrtkosten zu ermitteln. Das ist insbesondere bei Firmenwagen steuerlich vorteilhaft, die einen hohen Listenpreis haben, aber bereits vollständig abgeschrieben sind und damit sehr geringe Kosten verursachen.

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