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TV-Kritik: ZDF: Maybrit Illner zu Corona Finanzminister Olaf Scholz verspricht Milliarden für die Wirtschaft

Das Coronavirus - es gibt derzeit beinahe kein anderes Thema in Deutschland, und so talkte natürlich auch Maybrit Illner im ZDF am Donnerstagabend über die Auswirkungen der Pandemie, mit einem Schwerpunkt auf den wirtschaftlichen Folgen der Krise - und einem Versprechen des Bundesfinanzministers für die deutschen Unternehmen.

Keine Zuschauer, riesige Bilder von Viren und einem Globus mit Mundschutz im Studio-Hintergrund. Bei Maybrit Illner wurde schon am Setting deutlich, dass es sich um eine ganz besondere Talkshow handelte. Und in der Tat sprachen dort fünf Experten aus ganz verschiedenen Bereichen nur Minuten, nachdem Kanzlerin Angela Merkel zusammen mit den Ministerpräsidenten der Länder neue Maßnahmen gegen die weitere Ausbreitung des Virus bekanntgegeben hatte. Darauf wurde im Verlauf der Runde kaum konkret eingegangen, doch einige Aussagen waren durchaus bemerkenswert.

Hildegard Müller vom Automobilverband VDA stellte die Sicht der Wirtschaft dar. Sie mahnte bei den Antworten, die jetzt auf die Situation gegeben werden müssten, Konsequenz, aber auch Verhältnismäßigkeit an. Die internationale Ausrichtung ihrer Branche sei eines der Probleme. Damit hatte sie den Ton aus Sicht der Wirtschaft gesetzt, denn auch im Inland, in Branchen, die nicht viel exportieren, geht die Angst vor einer flächendeckenden Rezession mit all ihren negativen Begleiterscheinungen um. Schon jetzt fallen Messen aus, werden Lieferungen gestoppt - und vom Bäcker bis zum Metallhandwerk wirken sich schon jetzt die Folgen der Corona-Krise aus.

Wirtschaft fordert staatliche HIlfe

Müller sprach von Pandemieplänen, die nun von allen Unternehmen aufgestellt würden, und von den Möglich- und Unmöglichkeiten des Home Office - die Automobilindustrie hat hier ähnlich wie das Handwerk auch viele Arbeitsbereiche, in denen sich die Arbeit von Zuhause aus eher schwierig gestalten könne. Doch sie sprach neben der notwendigen Flexibilität auch von "massiven Bremsspuren", die die Krise in der Wirtschaft hinterlassen werde, nicht nur bei den Unternehmensumsätzen, sondern auch bei den Arbeitsplätzen. Liquidität, Kurzarbeitergeld - all das seien wichtige Punkte für große Unternehmen, aber auch für kleinere Mittelständler - aber auch die Frage, wie die Wirtschaft nach der Krise wieder anspringe. Unterschiedliche Aussagen von unterschiedlichen staatlichen Stellen im Rahmen des deutschen Föderalismus seien im Übrigen nicht förderlich bei der ökonomischen Bewältigung der Krise. Das war Klartext vonseiten der Wirtschaft.

Im weiteren Verlauf blieb die Debatte nicht immer bei der Ökonomie, sondern ging verständlicherweise auch in andere Bereiche. Die ebenfalls anwesende Philosophin Svenja Flaßpöhler beispielsweise hatte zum ökonomischen Bereich nicht viel zu sagen, sondern redete teils auf sehr dünnem Eis über den Klimawandel im Vergleich zur aktuellen Krise, über die Art, wie Menschen auf Krisen generell reagieren - das war der abstrakteste Part der Sendung, und der aus Sicht der Wirtschaft uninteressanteste.

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Höhepunkt noch nicht erreicht

Viel konkreter wurde hingegen Christian Drosten, Virologe von der Berliner Charité, der in ruhigen Worten den Stand der Ausbreitung des Coronavirus beschrieb und dabei an Glaubwürdigkeit gewann, weil er einerseits sich seine eigenen Aussagen von vor zwei Wochen mit Blick auf die Veränderungen, die der Wissenschaft inhärent seien, korrigierte, und andererseits offensiv und sichtlich enerviert vielen Medien vorwarf, seine Aussagen würden ständig verkürzt dargestellt, was er aber nun einfach aushalten wolle. Drosten stellte klar, dass der Höhepunkt der Verbreitung des Virus noch nicht erreicht sei – und dass aufgrund von seriösen wissenschaftlichen Vergleichen mit anderen Viren eher davon auszugehen sei, dass sich das Virus im Sommer nicht von selbst zurückziehe. Bei der Entscheidung, wie man sein Leben in den kommenden Wochen gestalten solle, sei vor allem die "Notwendigkeit" ein wichtiges Kriterium.

Für notwendig erachtete es dann auch Bundesfinanzminister und Vizekanzler Olaf Scholz, angesichts der dynamischen und wirtschaftlich bedenklichen Entwicklung den deutschen Unternehmen ein Versprechen zu geben. Einerseits würden die akuten Ausfälle der Unternehmen mit Milliarden übernommen, und andererseits würden diese natürlich nicht so Steuern zahlen müssen, als ob sie noch Gewinne machen würden. "Wir haben milliardenschwere Reserven, mit denen wir in der Lage sind, in solch einer Situation dafür zu sorgen, dass die Liquiditätsversorgung der Wirtschaft unverändert stattfindet", sagte Scholz. Ein weitreichendes Versprechen, wenn es denn auch eingelöst wird. Wenn die Dinge sich lange weiter entwickelten, seien sogar Beteiligungen des Bundes an Unternehmen möglich. Die Vorschläge von Ökonomen zur Unterstützung der Unternehmen seien recht deckungsgleich mit dem, was er, Scholz, und sein Kollegen Peter Altmaier am Freitag gemeinsam an Maßnahmen vorstellen würden.

ARD-Börsenexpertin Valerie Haller betonte schließlich, dass die Corona-Krise in ihren wirtschaftlichen Auswirkungen nicht mit der "hausgemachten" Finanzkrise vergleichbar sei und es deshalb nicht zu solch schweren Verwerfungen auch bei den Banken kommen würde. Es sei mit einer Rezession zu rechnen, aber nicht mit einer großen Pleitewelle. Und auch wenn es zu einer Kreditklemme aufgrund der schlechten Verfassung der Geldhäuser kommen sollte, stünde wohl der Bund bereit - zumindest nach der zentralen Aussage des Finanzministers: "Wir haben genug Geld, wir können allen helfen, und wir werden das auch." Ob das nur eine Beruhigungspille war oder der Realität entspricht, dürften wohl die kommenden Wochen und Monate zeigen - wie in vielen anderen Bereichen auch.

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