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Banken: Privates und Geschäftskonto stets trennen Finanz-Check: Zwei Konten sorgen für Durchblick

Beim Weg in die Selbstständigkeit sollte Privates und Geschäftliches getrennt werden. Dazu gehören auch die Bankkonten.

Die Meisterschule ist vorbei und mancher Absolvent überlegt den Weg in die Selbstständigkeit. Spätestens dann ist für die eigenen Finanzen ein Zwei-Konten-Modell ratsam. Hohe Kontoführungsgebühren können jedoch abschrecken, ein Geschäftskonto zu eröffnen. Doch Vorsicht: Damit geraten private und geschäftliche Finanzen durcheinander. Ärger und ungewollter Einblick (durch das Finanzamt) ins Private können Folgen sein.

"Wer sich als Handwerker selbständig macht, sollte Privat- und Geschäftskonten von Beginn an trennen", sagt Tilman Renz, Partner der Stuttgarter Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Binder, Hillebrecht & Partner (BHP). Renz hat Erfahrungen im Umgang mit Handwerksbetrieben und weiß, dass sich vor allem Existenzgründer mit der Kontotrennung schwertun.

Ein Konto bedeutet mehr Aufwand für die Buchhaltung

Auf den ersten Blick scheint ein Zweikontenmodell eher nachteilig zu sein: Zum einen sind Geschäftskonten in der Regel nicht gebührenfrei. Zum anderen ist es unüberschaubar alle Einnahmen und Ausgaben – egal ob privat oder geschäftlich – auf einem Kontoauszug zu sehen. Schlussendlich, sind bei Privatkonten im Fall einer Bankpleite die Einlagen besser gesichert – zumindest theoretisch.

"Dem gegenüber steht jedoch eine Reihe von Nachteilen", findet Renz. Vielleicht mag es für manchen Friseur oder Schreiner einfacher sein, alle Buchungen über ein Konto zu scheren. Für seinen Buchhalter bedeutet das jedoch mehr Aufwand. Alle Buchungsposten, die nicht den Betrieb betreffen, müssen beim Erfassen der Daten abgestrichen werden. "Übersichtlichkeit sieht anders aus", sagt Renz und verweist obendrein auf den dann zu bezahlenden Mehraufwand beim Berater. Wer umgekehrt seine geschäftlichen Buchungen bargeldlos abwickelt, hat mit dem geschäftlichen Kontoauszug der Bank, das Fundament der Buchhaltung.

Prüfer von Privatem fernhalten

Es hilft nicht nur der Übersicht, zwischen Beruf und Privatem zu trennen. Denn durch die Kontotrennung wird deutlicher, ob ein finanzieller Engpass auf einer Baustelle, im Salon oder auf zu hohe persönliche Ausgaben zurückzuführen ist. Vorübergehender Geldrausch, verführen so nicht zum Konsum. Es empfiehlt sich sogar, sich selbst in Firma und Privatperson zu teilen, sich monatlich die gleiche Summe wie ein Gehalt aufs Privatkonto zu überweisen und höhere Überschüsse weitgehendsten zu sparen anstatt zu verprassen.

Ebenso sollte an den Fall einer Betriebsprüfung gedacht werden. Besitzen Praxisinhaber nur ein Konto, so sieht der Finanzbeamte alle Buchungsposten. Auch die privaten, die niemanden etwas angehen. Selbst mit einem kleinen Gehalt, finden Beamte oft Interesse an Privatreisen oder Kreditkarten-Abrechnungen. Sie könnten misstrauisch reagieren, wenn es sich beim Reiseland um ein Steuerparadies, wie die Schweiz oder Luxemburg handelt.

Zinsen auf die Steuern anrechnen

Selbst wenn es sich nur um einen Besuch handelt, könnte dies die Stimmung bei der Betriebsprüfung kippen. Der Ehrgeiz der Finanzbehörden ist damit angestachelt. Renz rät daher, die Einblicke zu schließen und alle privaten Ausgaben über ein separates Konto zu verwalten. Vorgelegt werden muss das private Konto nicht.

Ein ebenso wichtiger Punkt, für die Trennung der Konten, ist die steuerliche Geltendmachung der Zinsen, die anfallen, wenn das Konto überzogen wird. "Zinsaufwand, der betrieblich veranlasst ist, kann grundsätzlich steuerlich geltend gemacht werden", sagt Renz. Rutscht das Konto allerdings wegen privater Ausgaben ins Minus, sind die fälligen Zinsen nicht abzugsfähig. "Eine Abgrenzung ist bei getrennten Konten besser durchführbar", sagt der Berater.

Vorteil vier kommt zum Tragen, wenn das Geschäft schlecht läuft und ein Gläubiger das Konto sperrt. Wer nur eines hat, kommt nicht mehr an sein Geld. Das Gleiche gilt zumindest vorläufig bei einer Pleite der Bank. Bis die Einlagensicherung der Banken oder die staatliche Garantie den Geldhahn wieder öffnet, kann es dauern. Zu empfehlen sind deshalb zwei Konten bei verschiedenen Banken.

Das richtige Konto finden

Am wenigsten kostet das Modell zweier gebührenfreier Konten. Das funktioniert jedoch nur, wenn beide Konten privat angelegt werden. Also bestenfalls dann, wenn die Liquiditätsflüsse des Geschäfts einen geringen Umfang haben und als laufender Kredit der Dispo für Privatpersonen reicht. Wenn Banken einen geschäftlichen Nutzen eines Kontos feststellen, reagieren sie unterschiedlich: Bieten sie selbst Geschäftskonten, wollen sie diese verkaufen. Tun sie das nicht, wie in der Regel die filiallosen Direktbanken, dann überlegen sie, ob sie einen Kunden aufgrund seiner geschäftlichen Buchungen vergraulen oder darüber hinwegsehen.

Ein Kunde sollte trotz dessen von vornherein getrennte Konten anstreben, wenn er bei derselben Bank private und geschäftliche Leistungen wie einen Existenzgründer-Kredit oder Beratungen als Selbständiger beanspruchen möchte. Das Optimum ist nicht leicht zu finden: Die eine Bank kombiniert niedrigere Grundgebühren mit höheren Kosten für einzelnen Buchungen, die andere macht es umgekehrt.

Mindestens drei Angebote einholen

Für Gründer eines Handwerkbetriebes empfiehlt sich vorerst das Modell der Privatkonten, solange die Buchungen noch überschaubar sind. Auch die Zinsen für Guthaben und Kredite unterscheiden sich von Bank zu Bank. Beim Suchen sollten mindestens drei Anfragen gestellt werden: Bei örtlichen Sparkassen, Volks- oder Raiffeisenbanken sowie überregionalen Banken.

Zusätzlich ist zu erwähnen, dass egal ob Maler, Schreiner oder Schlosser die Gebühren eines Geschäftskontos absetzen können. Bei einem gemischten Konto hingegen ist abzuwägen, ob privates oder geschäftliches überwiegt. "Im schlimmsten Fall, können die Gebühren bei überwiegend privater Nutzung nicht abgesetzt werden", so Renz.

Checkliste

1. Finanzposten sind übersichtlich
2. Private und geschäftliche Ausgaben sind klar getrennt
3. Weniger Folgekosten etwa durch Berater
4. Kostenüberblick behalten bei finanziellen Engpässen
5. Dient zum Schutz der Privatsphäre gegenüber Finanzbeamten
6. Zinsen können steuerlich geltend gemacht werden
7. Bei einer Kontosperre durch Gläubiger, bleiben private Gelder erhalten
8. Kontoführungsgebühren lassen sich bei Geschäftskonten absetzen

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