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TV-Jahresrückblick Fiese Tests und beliebte Bäcker: So kam das Handwerk 2019 im TV weg

Gemeine Fallen bei Handwerkertests, steile Thesen in Talkshows, aber auch aussagekräftige Reportagen – und immer wieder die Mobilität und der Fachkräftemangel. Das TV-Jahr 2019 beleuchtete das Handwerk aus vielen verschiedenen Blickwinkeln – und in sehr unterschiedlicher Qualität. Ein Rückblick in Kategorien.

Es liegt ja auf der Hand, dass das Handwerk mit seinen unterschiedlichen Facetten, seiner Bedeutung für die deutsche Wirtschaft und die Kultur des Landes auch im Fernsehen recht gut repräsentiert ist. Jedenfalls strahlen die TV-Sender - allen voran die öffentlich-rechtlichen - im Wochentakt Sendungen rund um Handwerk aus. Das reicht dann von der herzerwärmenden Reportage über alte Gewerke und deren letzte Meister bis hin zu hart geführten Talkshows über brandaktuelle Themen – ein Potpourri des deutschen Wirtschaftslebens eben. Hier kommen die Höhepunkte des Handwerks-TV-Jahres 2019.

Die Top-Gewerke des Fernsehjahres 2019

Kein Zweifel, das Lebensmittelhandwerk - und hier vor allem die Bäcker - haben es den TV-Journalisten angetan. Ob es da um Unverträglichkeiten im Brot geht oder gleich das ganz große Rad zum Zustand der Branche insgesamt gedreht wird – von den Männern und Frauen, die jede Nacht unser Brot backen, scheint bis heute eine große Faszination auszugehen.

Gemeinsam mit den Metzgern, denen ebenfalls viel Sendezeit gewidmet wird, dienten sie auch im zu Ende gehenden Jahr oft als Beleg für die These, dass sich auch kleine Handwerksbetriebe gegen die große Konkurrenz - etwa aus dem Supermarkt - durchsetzen können, wenn sie konsequent auf Qualität anstatt Quantität setzen.

Was dafür seltener zur Sprache kam: Wie es sich auswirken würde, wenn noch mehr kleine Bäcker und Metzger konsequent hochpreisig, etwa in Bio-Qualität, herstellen würden, und was dann die Kunden auf breiter Front dazu sagen würden.

Die TV-Reinfälle des Jahres

Wer sie regelmäßig sieht, weiß: Handwerkertests laufen im Grunde immer nach demselben Schema ab. Es braucht einen möglichst harm- und ahnungslos wirkenden Lockvogel, dem vermeintlich ein Malheur passiert ist, das schleunigst zu beheben ist, einen deshalb eilig herbeigerufenen Handwerker – und einen Experten, der die Arbeit des Helfers in der Not einordnet und bewertet und manchmal sogar der gesteigerten Gemeinheit halber mit dem Lockvogel noch per Funk verbunden ist.

In derartigen Settings ergeben sich hin und wieder halbwegs erkenntnisreiche Beiträge, meist aber recht plumpes, billiges Handwerker-Bashing, bei dem die speziellen Umstände in vielen Gewerken - vom Mangel an gutem Personal über die Termindichte und den täglichen Stress bis hin zu Kunden, die wegen jeder Kleinigkeit gleich den Notdienst rufen - oft zu wenig Berücksichtigung finden.

Auch wird dabei zu oft von einzelnen Handwerkern auf eine ganze Branche geschlossen, obwohl doch nur ein minimaler Ausschnitt gezeigt wird. Das bittere Fazit: Gerade die sich für ihre Qualität rühmenden öffentlich-rechtlichen Sender wurden ihrem Anspruch allzu häufig nicht gerecht, wenn sie versuchten, Formate zu kopieren, die Privatsender einfach besser beherrschen – und dazu gehören nun mal die Tests aller Art.

Die großen TV-Themen des Jahres

Er kommt so sicher wie das Amen in der Kirche zur Sprache, wenn es um die Zukunft des Handwerks geht: der Fachkräftemangel. Auch 2019 beschäftigten sich zahlreiche TV-Sendungen mit der Thematik. Meist aus zwar durchaus richtigen, aber doch auch sehr ähnlichen Blickwinkeln ins Visier genommen, gibt es hin und wieder aber doch innovative Herangehensweisen an das Thema, ja, manchmal wird ein flächendeckender Mangel sogar in Zweifel gezogen – was der Wahrheitsfindung durchaus dienlich sein kann.

Beim Dauerbrenner Mobilität verschob sich der Fokus von 2018 auf 2019 weg von der reinen Diesel- und Fahrverbotsthematik tendenziell hin zur Elektromobilität – und hier kamen immer öfter auch Stimmen zu Wort, die sich kritisch mit den vermeintlichen Vorteile der Stromer auseinandersetzten.

Die Europawahl und daran thematisch angeschlossen der Brexit, der im Januar 2020 nun vielleicht wirklich kommt, sorgten ebenfalls für viele Debatten. Klar, dass es gerade diese breiten gesellschaftlichen Themen waren, die in den großen Talkshows in ARD und ZDF zur Sprache kamen.

Die Fernsehauftritte des Jahres

Apropos Talkshows: Zu den besten Sendezeiten sind sie für manchen noch immer eine Art Hochamt der politischen Berichterstattung. Ob bei Will, Illner oder Plasberg - meist reden sich hochrangige Politiker die Köpfe heiß und dreschen ihre vielfach abgenutzten Phrasen. Umso besser, wenn  auch mal Menschen aus der täglichen ökonomischen Praxis im Lande eingeladen werden – und das sind hin und wieder auch mal Handwerker.

Ob bei den Auswirkungen des Brexits, bei der Debatte um bezahlbare Mobilität oder in einer Diskussion um die mittlerweile beschlossene Grundrente: immer wieder waren es Handwerker, die ein wenig mehr Realismus in die Debatten brachten. Das hätte auf das Jahr gesehen sogar gerne noch etwas mehr sein dürfen – denn insgesamt war das Handwerk sowohl auf Funktionärs- als auch auf Praktiker-Ebene nicht so gut in den großen Talkshows vertreten, wie es seiner gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wichtigkeit entspräche.

Die TV-Highlights des Jahres

Die besten Sendungen aus Handwerkssicht waren indes geprägt von vermeintlich kleineren Themen, die nicht in den Nachrichten rauf und runter liefen, deshalb aber keinen Deut unwichtiger wären. Die immer wieder aufkommende Debatte um die Kosten der Meisterausbildung etwa wurde in einer ausgewogenen, strukturierten und komplex aufgebauten Reportage umfassend beleuchtet.

Und der Umgang von Sparkassen und Genossenschaftsbanken mit ihren Geschäftskunden, wenn es um die Zinsen auf Dispositionskredite geht, war der ARD eine längere Sendung wert, die die vorhandenen Missstände konkret belegt aufzeigte – sachlich und ohne moralischen Zeigefinger.

Das Fazit

Es war so ziemlich alles dabei im Handwerker-TV-Jahr 2019, von tiefgehenden Reportagen bin hin zu flachen Handwerkertests. Und wenn man einen vorsichtigen Blick in die politische und wirtschaftliche Zukunft wagt, dann dürften die Themen auch 2020 kaum ausgehen.

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