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Bestatter gegen Metallverwertung durch Krematorien Feuerbestattung: Geschäfte mit Zahngold verpönt

Der Bundesverband Deutscher Bestatter (BDB) wendet sich in aller Deutlichkeit gegen die Metallverwertung aus der Asche Verstorbener. Immer noch gebe es Krematorien, die Edelmetalle ungefragt entnehmen und die Erlöse für kommerzielle Zwecke verwenden.

Urne
Der Bundesverband Deutscher Bestatter verweist bei der Metallentnahme aus der Asche Verstorbener auf rechtliche Vorgaben. Immer noch gibt es Krematorien, die dagegen verstoßen. -

Das Problem sei nicht neu, sagt Oliver Wirthmann, Geschäftsführer des Kuratoriums Deutsche Bestattungskultur beim BDB. Mit der zunehmenden Anzahl an Feuerbestattungen in den vergagenen Jahren sei auch die Zahl der Fälle der Metallentnahmen angestiegen und medial immer wieder aufgegriffen worden. Den Anteil der Feuerbestattungen schätzt der Verband – eine genaue Zählung gibt es nicht – auf inzwischen 54 Prozent im Jahr 2012. Die Zahl der Sterbefälle lag bei 855.000.

Thema ist ein "Dauerbrenner"

Auch der Bestatter-Verband habe zu der fragwürdigen Praxis der Entnahme von Metallen aus der Asche Verstorbener immer wieder seine Meinung gesagt. Seit Jahren gebe es vom Verband auch ethische Richtlinien für die Anwendung. Doch das Thema habe sich als ein "Dauerbrenner" in der öffentlichen Diskussion erwiesen. Denn immer noch gebe es Krematorien, die Edelmetalle ungefragt selektierten und die Erlöse für verschiedene kommerzielle Zwecke verwendeten.

Daraus entstehe der Eindruck, Krematoriumsbetreiber oder sonstige Beteiligte wollten sich bereichern. Für die Arbeitsgemeinschaft der Krematorien und den BDB ein Grund, zu diesem Thema nochmal deutlich Stellung beziehen.

Krematorien wollten durch Erlöse Gebühren senken

Oliver Wirthmann betont, dass die Krematorien die Metalle nicht verkauft hätten, um sich zu bereichern. Hintergrund sei eine etwas arglose Haltung der meist kommunalen Betriebe gewesen, nach der man die Erlöse aus dem Metallverkauf ja beispielsweise zum Zweck der Gebührensenkung auf Friedhöfen habe nehmen können. Doch Metalle rauszufiltern sei einfach ethisch nicht vertretbar, erläutert Wirthmann. Die Persönlichkeit eines Menschen sei auch nach seinem Tod zu schützen. Eine Entahme gelte als Störung der Totenruhe.

Krematorien waren vielfach so vorgegangen, ihren Kunden pauschale Regelungen vorzulegen. Andere wiederum hatten diese Praxis in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) hinterlegt. Doch beide Vorgehensweisen wurden in Urteilen verschiedener Gerichte als unzulässig bezeichnet. "Dem Krematorium muss eine ausdrückliche Zustimmung des Kunden vorliegen", sagt Wirthmann. Anderenfalls mache sich das Unternehmen der Störung der Totenruhe oder der Unterschlagung – bei kommunalen Krematorien (öffentlich-rechtlichen Körperschaften) heißt es Verwahrungsbruch – schuldig.

Bester Weg: Verbleib in der Asche

Der Verband rät seinen Betrieben, die Trauernden umfassend und verständlich darüber zu informieren, wo die Edelmetalle nach der Kremation verbleiben. Der praktikabelste und beste Weg sei ein Verbleib in der Asche. fm

Rechtliche Vorgaben

  • Grundsätzlich ist alles, was nach dem Kremationsprozess eines Verstorbenen verbleibt, Asche, die nach den Bestattungsgesetzen der Bundesländer insgesamt und ungeteilt beizusetzen ist. (medizinische Metalle; Sargbeigaben, wie Schmuckstücke etc.).
  • Passt das Metall aufgrund seiner Größe (z.B. ein künstliches Hüftgelenk) nicht in die Aschekapsel, muss es gesondert beigesetzt werden).
  • Hinterbliebene haben ein vorrangiges Aneignungsrecht an den bei der Kremation verbleibenden Metallen. Dieses muss ausdrücklich ausgeübt werden, wenn die Herausgabe verlangt wird. Das Aussortieren und die Zusammenstellung können Krematorien in Rechnung stellen.
  • Will ein Krematoriumsbetreiber die Metalle verwerten, hat er ein nachrangiges Aneignungsrecht, das nur mit ausdrücklicher Zustimmung der Hinterbliebenen ausgeübt werden kann. Mit der Zustimmung kann ein Verwendungszweck verbunden werden (z.B. gemeinnützige Zwecke).
  • Die ethischen Regeln der Internationalen Kremationsvereinigung ICF, denen sich der BDB und die Arbeitsgemeinschaft der Krematorien in Deutschland angeschlossen haben, sehen vor, dass der Erlös aus einer Verwertung nur zu gemeinnützigen Zwecken verwendet werden darf. Eine kommerzielle Nutzung, etwa zur Senkung der Betriebskosten des Krematoriums oder eines Friedhofs, scheide damit aus.
Quelle: Bundesverband Deutscher Bestatter
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