Meisterstücke -

Exporterfolg für Bauten aus Sandwichpaneelen Fensterbau: Einfach nur geklemmt

Hier wird nicht genietet oder geschraubt: Fensterbauer Werner Fech hat eine Klemmverbindung für Türen, Tore und Fenster in Sandwichpaneelen erfunden. Sein Weg zum Exporterfolg.

Richard Deffner
Metallbaukonstrukteur Richard Deffner fräst eine Leiste zurecht. Jedes Fenster bei Fech ist eine Maßanfertigung. -

Fensterbauer Werner Fech deutet stolz auf seine Trophäe und sagt: "Das war ein Riesenerfolg, als wir den Exportpreis Bayern bekommen haben." Für den kleinen durchsichtigen Pokal ließ er seine Mitarbeiter eine speziell designte Halterung anfertigen.

So kommt sie am Eingang seines Verkaufsraumes zur Geltung. Denn eines hat der Tüftler in seiner Karriere gelernt: Was zählt für den Erfolg, ist das Design.

Dabei fing er zu bescheiden an: Als sich der 26-Jährige 1989 selbstständig machte, nutzte er als Werkstatt Räume des väterlichen Bauernhofs und ein Büro im eigenen Haus. Doch die "Garagen-Werkstatt" und der "Ein-Mann-Betrieb" begrenzten seinen unternehmerischen Erfolg: Nur Bekannte erteilten ihm Aufträge. Neukunden verlangten nach einer Fensterausstellung. "Ich musste mich besser darstellen, um glaubwürdig zu sein", sagt der Fensterbauer aus Bayerisch-Schwaben.

Also entschied sich der rührige Jungunternehmer, zu investieren: In Buttenwiesen bei Donauwörth baute er seinen Betrieb mitsamt sechseckigem Ausstellungsraum. "Nach der Eröffnung haben die Kunden ganz anders reagiert. Es ging steil nach oben", sagt Fech. Denn 1995 sei ein Showroom für Fenster noch etwas Besonderes gewesen.

Neben dem Verkaufsraum baute er seine Werkstatt: eine Halle in Sandwichbauweise. Als Fech die Rolltore, Türen und Fenster einfügte, ärgerte er sich maßlos: "So ein Gemurkse! Wir haben normale Fenster und Türen eingebaut. Dazu muss man Blechteile an die Sandwichpaneelen nieten und schrauben. Das wird nicht richtig dicht und sieht hässlich aus."

Designprinzip Kabelbinder

Der Unmut ließ ihn zwei Jahre lang nicht mehr los. Fech begann an einem neuen Konstruktionsprinzip für Fenster in Sandwichpaneelen zu tüfteln. Sein Design basiert auf einer einfachen Idee: "Kennen Sie Kabelbinder? Die stecken sie einfach zusammen und bringen sie nicht wieder auf. So funktioniert auch mein Klemmsystem."...

Ohne Nieten oder Schrauben lässt sich ein komplett geschweißter Außenrahmen über eine Klemmverbindung mit dem Fensterrahmen zusammenfügen. Der Mechanismus sitzt direkt auf den Sandwichpaneelen und muss nicht mehr extra eingefasst werden.

Unternehmensgebäude Geiger
© Fech

Damit das Einrasten funktioniert, ist jedes Fenster des schwäbischen Betriebs eine individuelle Maßanfertigung. Die Monteure schneiden dann ein Loch in die Sandwichpaneele und klemmen die einzelnen Fensterteile ineinander.

Bevor Fech seine Technik den Kunden anbot, wollte er sie zum Patent anmelden. Mit maßstabsgetreuen technischen Zeichnungen und Gutachten musste Fech nachweisen, dass sein Design einzigartig ist. Es dauerte anderthalb Jahre, bis die Patenturkunde vorlag. "Ich war stolz, hatte 8.000 Mark ausgegeben, aber noch keinen Kunden", erzählt Fech. Bei Gesprächen mit potenziellen Kunden wurde ihm schnell klar, dass ihm ein Patent beim Vertrieb erst einmal wenig nutzt: Gefragt waren Prüfzeugnisse.

Also fuhr er mit seinem Fenster zum Institut für Fenstertechnik nach Rosenheim und dann zur Technischen Universität Darmstadt, um die Zertifikate zu erlangen. Im Jahr 2001 war es schließlich so weit. Seine erste Montage mit dem selbst entwickelten Konstruktionsprinzip: Fech baute die Fenster in die Messehallen Augsburg ein.

Schon zwei Jahre später bekam er den ersten Auftrag aus dem Ausland: Er lieferte nach Österreich, dann in die Schweiz und nach Holland.

Das europaweite Interesse an seiner Konstruktion für Fenster in Hallen aus Sandwichpaneelen machte ein europäisches Patent nötig. Nur so kann sich Fech vor Nachbauten seiner Konstruktion schützen. Dieses Zertifikat kostet gut 20.000 Euro.

Werner Fech
© Geimer

Heute sind seine Fenster Exportschlager. Fech liefert auch nach Russland, Kanada und auf die Antillen. Damit steigt aber auch das Risiko vor Nachahmern, denn ein globales Patent gibt es nicht. Wenn chinesische Hersteller sein Fenster nachbauen, hat er Pech.

Es sind bereits Fensterbauer aus China in seinen Betrieb gekommen. "Als sie plötzlich mit ihren Kameras hier standen, habe ich einfach gesagt, dass Fotos verboten sind", sagt Fech.

Aber bisher zieht die ausländische Nachfrage weiter an. "Mein Exportrezept ist das Design", ist Fech überzeugt. Wegen dem in einem Stück geschweißten Rahmen habe er wenig Reklamationen. "Die Konstruktion muss so einfach sein, dass jeder sagt: Darauf hätte ich auch kommen müssen", sagt der Fensterbauer. Seine Erfahrung in der Montage gibt er auch an seine Vertriebspartner im europäischen Ausland weiter. In der Schweiz, Tschechien und den Niederlanden hat er bereits Niederlassungen. In diesem Jahr will er gemeinsam mit der Handwerkskammer Schwaben einen Partner in Schweden finden.

Plus-Energie-Halle geplant

Der Exporterfolg kommt auch in der Produktion in Buttenwiesen an: Fech will seinen 25-Mitarbeiter-Betrieb bald auf 30 erweitern. In diesem Jahr soll eine zweite Werkhalle auf gut 1.000 m² entstehen. Natürlich in Sandwichbauweise und in besonderem Design: Mit 140 mm dicken Wandpaneelen, 54-mm-Fensterglas, Fußbodenheizung und Solaranlagen auf dem Dach soll das Gebäude über das Jahr hinweg selbst mehr Energie erzeugen, als es verbraucht. "So etwas gibt es sonst in Deutschland noch nicht", ist sich Fech sicher.

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