Europa -

30 Jahre FEM "Die Förderpolitik der EU muss überdacht werden"

Die Vereinigung Frauen europäischer Mittel- und Kleinbetriebe - kurz FEM - feiert ihr 30-jähriges Jubiläum. Präsidentin Adelheid Moretti spricht im DHZ-Interview über Unternehmerfrauen in Brüssel.

DHZ: FEM Europe, die Vereinigung Frauen europäischer Mittel- und Kleinbetriebe, feiert ihr 30-jähriges Bestehen. Wie fällt Ihr Fazit aus?
Adelheid Moretti:
Seit die Vereinigung vor 30 Jahren von deutschen Unternehmerinnen gegründet wurde, haben sich die Ziele natürlich verändert. Neben Frauen, die gemeinsam mit ihrem Mann ein Unternehmen führen, sind sehr viele Frauen inzwischen selbst Unternehmerinnen. Nach wie vor wollen wir uns untereinander austauschen und voneinander lernen. Wir wollen aber auch zeigen, was wir leisten, Verantwortung übernehmen und mitgestalten. Wir haben entsprechende Forderungen und deshalb müssen wir als Unternehmerfrauen in Brüssel präsent sein.

DHZ: Wie wichtig ist es für FEM, in Brüssel präsent zu sein?
Moretti: Das ist sehr wichtig. Es gibt viele Regelungen und Vorschriften aus Brüssel, die eigentlich gut gemeint sind. Die Frage ist immer, wie sie bei kleinen und kleinsten Unternehmen ankommen? Wir beobachten, dass Regelungen in der Praxis oft anders umgesetzt werden, als sie ursprünglich gedacht waren. Sei es, weil sie zu kompliziert sind oder weil es zu viele Schlupflöcher gibt. Dass es Probleme bei der Umsetzung gibt, muss man den Entscheidungsträgern immer wieder rückmelden.

DHZ: Wofür setzt sich FEM noch ein?
Moretti: Das Thema Ausbildung liegt uns sehr am Herzen. In Deutschland und Österreich, wo ich herkomme, ist das duale Ausbildungssystem ja sehr erfolgreich. Deshalb hat FEM in den vergangenen Jahren ein Projekt durchgeführt, bei dem wir Unternehmerinnen in anderen europäischen Ländern das System mit all seinen Möglichkeiten vorgestellt haben. So konnten wir sie neugierig machen und motivieren, sich in ihren Heimatländern für die Einführung der dualen Ausbildung einzusetzen.

DHZ: Wo sehen Sie noch Probleme?
Moretti: Die Förderpolitik der EU muss überdacht werden. Man muss genau hinschauen, ob das Geld wirklich zielgerichtet und nachhaltig eingesetzt wird und ob das Projekt förderwürdig ist. In Slowenien etwa wurde ein Projekt durchgeführt, um Frauen bei der Existenzgründung zu unterstützen. Was die Frauen da herstellten, war aber eher heimwerken oder basteln. Das ist kein Unternehmertum und das kann nicht im Sinne der Union sein, solche Start-ups zu fördern.

DHZ: Was erwarten Sie, wenn mit Ursula von der Leyen jetzt erstmals eine Frau an der Spitze der EU-Kommission steht?
Moretti: Zunächst einmal ist es positiv, dass Ursula von der Leyen bei der Besetzung der Kommissionsposten eine gewisse Parität geschaffen hat, indem sie fast gleich viele Frauen wie Männer berufen hat. Ich erwarte, dass die neue Kommissionspräsidentin nicht nur die Frauen, sondern auch Europa als Gemeinschaft stärkt. Darüber hinaus muss dem Fachkräftemangel entgegengewirkt werden. Da müssen von Seiten der Kommission deutliche Impulse kommen.

DHZ: Was wünschen Sie den europäischen Unternehmerinnen für die nächsten 30 Jahre?
Moretti:
Wir wünschen uns faire Rahmenbedingungen für alle europäischen Unternehmerinnen und Unternehmer. Ich wünsche mir, dass wir in dieser Form weiterarbeiten können und vor allem wünsche ich mir, dass junge Unternehmerinnen mit uns gemeinsam den Gedanken Europa weitertragen und ausbauen.

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2019 - Alle Rechte vorbehalten