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Holzheizung zwischen Effizienz und Grenzwerten Feinstaub: Ofenbauer kritisieren Blauen Engel

Das Ofenbau-Handwerk bewertet den Blauen Engel für Kaminöfen als kontraproduktiv. Es wäre besser, die Wärmeausbeute einer Biomasse-Heizung zu berücksichtigen, als einseitig auf den Feinstaub-Ausstoß zu achten.

Was Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) vor knapp einem Jahr als echten Fortschritt lobte, stößt im Handwerk zu Beginn der neuen Heizsaison noch immer auf Kritik – der Blaue Engel für Kaminöfen.

"Gerade in Regionen, wo das Heizen mit Holz besonders beliebt ist, können die Behörden somit effektiver gegen die Feinstaubbelastung vorgehen, indem beispielsweise nur noch der Betrieb von Anlagen mit dem Umweltzeichen erlaubt wird", sagte die SPD-Ministerin zur Einführung des Blauen Engels für Scheitholzkaminöfen zum Jahresbeginn 2020. Aus Sicht der Kaminhersteller und Ofenbauer ist das starker Tobak. Liegt doch beim Blaue-Engel-Standard der Grenzwert für Feinstaub bei 15 Milligramm pro Kubikmeter Abluft. Dieser Wert liegt noch mal 25 Milligramm unter demjenigen, den die 1. Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (BImSchV) seit 2015 für den Neubau eines Scheitholzofens ohnehin vorschreibt.

Emissionen stark vom Betrieb abhängig

Der Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks hält diese Vorgaben nach Einschätzung seines Sprechers Alexis Gula ebenfalls für sehr sportlich. "Die Schornsteinfeger sind ja diejenigen, die die Einhaltung der Grenzwerte im Auftrag des Gesetzgebers kontrollieren", sagt Gula. "Wenn die gesetzlichen Vorgaben nicht eingehalten werden, dann müssen die betroffenen Feuerungsstellen entweder stillgelegt oder nachgerüstet werden." Allerdings hat der Verband den Eindruck, "dass die Politik mit den Kamin-Standards die unterschiedlichen Typen von Feuerstätten undifferenziert über einen Kamm schert" – abgesehen davon, dass die Höhe der Emissionen sehr stark von der Art und Weise des Betriebs abhänge.

Besonders der handwerkliche Grundofenbau hält die vermeintliche Feinstaub-Offensive des Bundesumweltministeriums für kontraproduktiv. "Wir bauen von Haus zu Haus individuelle Speicheröfen ein, die bei guter Bedienung ganz geringe Emissionen verursachen und im Vergleich zu industriell hergestellten Kaminöfen wesentlich energieeffizienter sind und am Ende auch weniger Biomasse beanspruchen", erklärt Thomas Zander, Vorsitzender des Verbandes 850 Grad Handwerklicher Grundofen. "Obwohl wir saubere Luft absolut befürworten und natürlich auch offen für Innovationen sind, ist eine nur auf die Feinstaub-Grenzwerte reduzierte Beurteilung eines Ofensystems zu kurz gedacht." Zwar betrifft der Blaue Engel bisher nur Kaminöfen, doch warnt Zander vor Anreizen, die aus seiner Sicht grundsätzlich in eine falsche Richtung weisen. "Holzfressende Kaminöfen werden auch durch einen Engel nicht energiesparender", kritisiert Zander und sieht im blauen Gütesiegel eine indirekte Wettbewerbsverzerrung.

Grundofen

Der Ofenbauer weist auf einen weiteren Aspekt hin: "Der Grundofen ist als effizienteste Biomasseheizung konzeptionell eine von Strom unabhängige Heizung. Dies wird mit einem verpflichtenden Einbau eines elektrostatischen Partikelabscheiders, den es übrigens noch gar nicht als Serienprodukt gibt, hinfällig." Das sieht Patrick Huth bei der Deutschen Umwelthilfe (DUH) gänzlich anders. Als Projektmanager Verkehr und Luftreinhaltung verantwortet er die Kampagne "Clean Heat", die in erster Linie die Luftreinhaltung im Blick hat. "Der Blaue-Engel-Standard für Kaminöfen ist ein gutes Instrument für saubere Luft in Wohngebieten", lobt er. Der DUH-Mitarbeiter hält die derzeit üblichen Öfen aus einem weiteren Grund für sehr problematisch: "Aktuelle Schätzungen kommen zum Schluss, dass Scheitholzöfen durch ihre Rußemissionen eine ähnlich schlechte Klimabilanz wie Gasheizungen aufweisen können." Huth sagt unmissverständlich: "Wenn die Abgaswerte nicht drastisch besser werden, dann ist die Zukunftsfähigkeit der Branche in Gefahr."

Weniger Feinstaub technisch möglich

Sieht er damit schon das Ende der häuslichen Feuerungsstätten eingeläutet? "Nein, die Feuerung aus fester Biomasse hat ihre Daseinsberechtigung, aber wir müssen die Feinstaubwerte deutlich senken, so wie das im Mobilitätsbereich schon mit Partikelfiltern gelungen ist." Dabei ist er von der technischen Machbarkeit einer Reduzierung von Feinstaub im Segment der stationären häuslichen Feuerungsstätten überzeugt.

Wenn nicht, dann bekäme die im Herbst 2019 durch das Klimapaket der Bundesregierung eingeläutete Wärmewende hierzulande wohl ein echtes Problem. Denn von den bescheidenen 14 Prozent Anteil an erneuerbaren Energien am aktuellen Gesamtwärmebedarf stammt bislang rund 70 Prozent aus Holz, das in den verschiedensten häuslichen Feuerungsstätten verheizt wird.

Raus aus der Schmuddelecke

Nach Angaben der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) gibt es in Deutschland über zehn Millionen Heizsysteme auf Basis fester Biomasse. "Die Vorwürfe gegenüber Öfen und Kaminen sind teilweise überhaupt nicht gerechtfertigt und werden total überzogen vorgetragen", meint Johannes R. Gerstner, Geschäftsführer der Europäischen Feuerstätten Arbeitsgemeinschaft, einem Industrieverband. "Plötzlich sind wir in der Schmuddelecke. Da müssen wir ganz schnell wieder raus, weil die Branche ansonsten langfristig Märkte verliert."

Indessen staunt Thomas Zander aus Sicht des Handwerks über die "einfältige Fokussierung des Gesetzgebers auf niedrige Grenzwerte, die energetisch-nachhaltige Aspekte außer Acht lässt." Dagegen ist für ihn die optimale Wärmeausbeute der Dreh- und Angelpunkt für eine sachgerechte Bewertung eines Heizsystems. Wenn dann noch das Holz aus der direkten Umgebung käme und nachhaltig gewonnen würde, dann sei der Grundspeicherofen vor allem an Standorten, die weit weg von den Strom- und Gasnetzen sind, eine autonome und sichere Wärmequelle. "Wir sind klimaneutral", unterstreicht er und versucht, den Schutz von Mensch und Umwelt nicht nur allein durch die Brille sehr spezifischer und abstrakter Grenzwerte zu betrachten, sondern aus ganzheitlicher Sicht.

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