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Berlinale-Film startet am 25. Oktober 2018 im Kino "Feierabendbier": Kfz-Mechatroniker als Kinoheld

Am 25. Oktober startet die kurzweilige Komödie "Feierabendbier" bundesweit in den Kinos. Sie erzählt die Geschichte eines Barkeepers, dem sein heiß geliebter Mercedes gestohlen wird und der ihn mit der Hilfe seines besten Kumpels – einem Kfz-Mechatroniker aus München – wiederbekommen möchte.

So ein Mercedes SEC ist schon ein verdammt heißer Schlitten. Keiner wusste das besser als der verurteilte Bankräuber und Kult-Knacki Kalle Grabowski (Ralf Richter), der 1998 allein schon beim Gedanken an den beliebten Youngtimer im legendären Prolog zu Peter Thorwarths Ruhrpott-Komödie "Bang Boom Bang" heftig ins Schwärmen geriet: "Ist der geil!?"

Daran hat sich zwanzig Jahre später nichts geändert – kein Wunder also, dass auch Barkeeper Magnus (Tilmann Strauss) aus Ben Brummers Kinofilm "Feierabendbier" alles andere als begeistert ist, als der aufbrausende Bene (James Newton) eines Tages in seine Kneipe stürmt und ihm sein Gefährt mit dem Stern auf der Kühlerhaube abkaufen möchte. Keine Chance! Der Mercedes ist unverkäuflich. Als das Auto am nächsten Tag aber nicht mehr an Ort und Stelle steht, scheint der Fall klar: Bene hat es Magnus geklaut, und der Bestohlene setzt alles daran, um seinen heiß geliebten Wagen zurückzubekommen.

Auto geklaut?: Der Handwerker hilft

Wie gut, dass Magnus sich bei der Suche nach dem mutmaßlichen Autodieb auf seinen besten Kumpel Dimi (Johann Jürgens) verlassen kann: Der kehrt nicht nur regelmäßig zum titelgebenden Feierabendbier in der spärlich besuchten Kneipe ein, sondern ist auch gelernter Kfz-Mechatroniker und hat in den vergangenen Jahren häufiger unter Magnus‘ Fahrzeug gelegen als unter seiner aktuellen Flamme Tini (Sophia Schober), die ihn wohl genauso schnell wieder verlassen wird wie ihre Vorgängerinnen an seiner Seite. Dimi ist nun mal kein Typ für lange Beziehungen und schleppt Magnus zur Ablenkung lieber in den Swingerclub: Der Zufall will es, dass auch der gesuchte Bene dort auftaucht und sich die beiden an seine Fährte heften können.

Das offizielle Plakat:

Was zunächst nach dem häufig vorherrschenden Handwerker-Stereotyp vom trinkfesten Proleten klingen mag, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als kurzweiliges Spiel mit den Klischees: Regisseur und Drehbuchautor Ben Brummer, dessen Langfilmdebüt bei der Berlinale 2018 in der Sektion "Perspektive Deutsches Kino" gezeigt wurde, hat seine Figuren mit einem deutlichen Augenzwinkern angelegt und bis ins Karikatureske überzeichnet.

Während Handwerker Dimi nicht auf den Kopf gefallen ist und nebenbei noch Philosophie studiert, korrigiert die freizügige Blondine Tini schon mal spontan die mangelhafte Grammatik des schwulen Autohausleiters Patrick (Jonathan Berlin), der zugleich Dimis Chef ist und seine Launen mit Vorliebe an seinem wichtigsten Werkstatt-Mitarbeiter auslässt.

Scheußliche Pullover und staubtrockener Dialogwitz

Patricks langersehnter Traum von einer Mittelmeer-Insel allein für Homosexuelle wirkt allerdings genauso aufgesetzt wie das hysterische Dauerpoltern von Autonarr Bene – als Figur deutlich gelungener ist da schon Hobby-Astrologe Manfred („Bullyparade“-Star Christian Tramitz). Der heimliche Publikumsliebling mit dem prominentesten Gesicht im Cast scheint an Magnus‘ Tresen ein zweites Zuhause gefunden zu haben, wird bei ungünstigen Konstellationen im Weltall schon mal ausfallend ( „Saturn ist ein Arschlochplanet!“) und trägt mit bemerkenswerter Selbstverständlichkeit die scheußlichsten Pullover, die man sich vorstellen kann: Von kitschigen Katzenbabies in Pastellfarben über braune Bären bis hin zu verpixelten Videospiel-Icons wird hier motivisch alles geboten.

"Feierabendbier" liefert damit unter dem Strich zwar sympathische Figuren und ein paar gelungene Gags, wirkt aber stellenweise etwas bemüht und ist mit fast zwei Stunden Spielzeit auch eine Ecke zu lang geraten: Die deutsche "Ey Mann, wo is‘ mein Auto?"-Variation ließe sich durchaus auf schlanke 90 Minuten eindampfen, wird durch die Hintergründe von Magnus‘ Vaterschaft und eine Liaison mit der aus New York zurückgekehrten Künstlerin Vivian (Julia Dietze) aber erheblich aufgebläht. Gerade bei diesem Handlungsschlenker entwickelt die Geschichte angesichts der überzeichneten Figuren kaum Tiefgang, und die gelegentlichen Längen kann der staubtrockene Dialogwitz nicht immer auffangen. Sehenswert ist die sympathische Kneipenkomödie dennoch.

Weitere Infos zum Film gibt es hier.>>>

Handwerk im Film "Feierabendbier"

Ein Film über Hipstertum und geile Oldtimer, gut gemixte Drinks und moderne Liebe.

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