Mittelfranken -

Einblick in den Berufsalltag FCN meets Handwerk

Was machen eigentlich Handwerker? Genauer: ein Elektroniker und ein Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik? Das entdeckten drei Nachwuchsspieler des 1. FC Nürnberg in der Reihe „FCN meets Handwerk“. Diesmal besuchten die Fußball-Azubis einen Handwerkslehrling in seinem Betrieb. Und umgekehrt.

„Das ist ein Übungsbrett, ich baue hier eine Wechselschaltung für ein Treppenhaus“, erklärt Arash Osmany, Elektroniker-Azubi bei der ESW Gebäudetechnik GmbH in Nürnberg. Er steht an einer großen Platte, zieht jede Menge Kabel durch Löcher, schraubt Kästchen fest. Hier am Standort der ESW Gebäudetechnik in der Turnerheimstraße macht sich der junge Mann, der im zweiten Lehrjahr ist, fit für die Gesellenprüfung. Und lässt auch gleich seine Besucher ran.

Lichtschalter selbst montiert

Arash Osmany und Elektronikerin Lisa G. haben heute die drei U19-Fußballer Felix Voigt, Fabio Groß und Nathanas Zebrauskas zu Gast. Mit dabei sind auch Thorsten Lunz, der für die soziale und pädagogische Betreuung des Clubnachwuchses zuständig ist, und ein Kameramann von Club-TV. „Habt ihr schon einmal irgendwas mit Kabeln gemacht?“, fragt Thorsten Lunz. Seine Jungs schütteln die Köpfe. „Das sieht ganz schön anspruchsvoll aus“, gibt Felix Voigt zu. Lässt sich aber nicht abschrecken, sondern montiert gleich selber einen Lichtschalter.

Dann dürfen er und seine Clubkollegen mit Arash Osmany und Lisa G. mit auf eine echte Baustelle. Ziel ist eine Wohnung in der Nürnberger Westendstraße, die dem Evangelischen Siedlungswerk (ESW) gehört und die gerade renoviert wird. Jede Menge Steckdosen braucht es dort, Lichtschalter, eine Gegensprechanlage. Kollege Josef Heinz ist schon vor Ort. Auch er erklärt den Sportlern gerne, was er da tut. Also arbeiten jeweils ein Handwerker und ein Fußballer miteinander. Sie zwicken Kabel ab, befestigen Klemmen, erfahren alles Mögliche über Phasen, Spannungsprüfung und FI-Schalter (Fehlerstrom-Schutzschalter).

Elektro und Sanitär

Die Fußballer sind ganz angetan von dem, was sie hier sehen. „Das ist mal was anderes“, findet Fabio Groß. „Die größte Herausforderung ist die Mathematik.“ Fachfrau Lisa G. hält ein Lob bereit: „Die Jungs stellen sich gut an.“

Weil die ESW noch mehr Handwerk zu bieten hat, besucht die Gruppe anschließend Otto Weber auf einer Baustelle in Stein. Der Meister ist bei der ESW für die Ausbildung der Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik zuständig und ist gerade über der Endmontage eines nagelneuen Badezimmers. Die Badewanne ist schon drin, die Toilette steht noch verpackt im Eck. Fehlt noch das Waschbecken. Da dürfen wiederum die jungen Männer Hand anlegen. Sie tragen Dichtungspaste auf, befestigen Armaturen und montieren am Ende sogar das ganze Becken an der Wand. „Jetzt könnt ihr gleich Hausmeister in eurer WG sein“, sagt Betreuer Thorsten Lunz lachend.

Manche sind Fuß-, manche Handwerker

Na, ob das so hinhaut? Davon konnten sich Arash Osmany und Lisa G. beim Gegenbesuch selbst überzeugen. Aber eigentlich interessierte sie vor allem eines: Wie lebt und arbeitet es sich eigentlich als angehender Fußballprofi? Vor dem FCN-Museum begrüßten Thorsten Lunz, Felix und Fabio den Handwerksbesuch. Als Erstes ging es in die Club Lounge, wo einige andere Spieler, um die Zeit zwischen Mannschaftsfototermin und Abendtraining zu überbrücken, auf der Couch vor dem Fernseher abhingen.

FCN meets Handwerk

Eine kleine Küche, mehrere Tische, den TV-Bereich und einen Kicker gibt es hier. Durch die Büros gelangt man zu den Zimmern der Spieler. Der Club-Nachwuchs, dessen Heimat zu weit weg ist, um jeden Tag einmal – und Dienstag und Donnerstag zweimal – zum Training zu pendeln, wohnt im Internat. Wie Felix und Fabio. Felix ist seit einem Jahr hier, Fabio ist vom städtischen Internat, wo er mit 14 Jahren einzog, gerade ins Club-eigene Domizil gewechselt.

„Am Anfang war es schon schwer, so ganz ohne Eltern“, gibt Fabio zu. „Es ist viel Selbstständigkeit gefragt“, sagt auch Thorsten Lunz. Denn die Jungs besuchen natürlich auch die Schule. Wer Glück hat, geht in die Berthold-Brecht-Schule, die spezielle Klassen für Leistungssportler anbietet, denn zweimal pro Woche müssen Fabio und Felix beispielsweise zum Frühtraining – und versäumen dann natürlich Stunden. Über Nachholtermine und Nachhilfe müssen sie das Versäumte wieder aufholen.

Fußball bestimmt das Leben

Anders als bei einem Handwerksazubi wird bei den beiden 17-Jährigen der Tag komplett durch „ihren Job“, den Fußball, bestimmt. 6.30 Uhr: Aufstehen. Nur an den Wochenenden, an denen kein Vormittagstraining oder Spiel stattfindet, können sie ausschlafen. Bis 13 Uhr Schule. Hausaufgaben, Lernen. Ab 16 oder 18 Uhr wieder Training. Zwischendrin: Fitnessraum und Laufen. Ferien? Eineinhalb Wochen zu Weihnachten, fünf Tage an Ostern und vier an Pfingsten. Fabio hat gerade seine Mittlere Reife gemacht. Ferien hat er trotzdem nicht, schließlich geht das Training weiter.

In zwei Monaten möchte er ein spezielles Fernstudium für Profisportler beginnen. Vielleicht zum Sportkaufmann, genau weiß er es noch nicht. Er wohnt auch seit Kurzem nicht mehr im Internat, sondern in einer WG. „Das ist spitze, man hat mehr Freiheiten, muss aber auch selber einkaufen und putzen“, sagt er. Im Internat gelten da schon strengere Regeln: Wer kommt und geht, muss sich aus- und eintragen. Um 22 Uhr ist Zapfenstreich. Wer zu spät kommt, wird angerufen. „Dann gibt’s schon ein bisschen Ärger“, gibt Felix grinsend zu.

Thorsten Lunz aber relativiert: „Das ist, glaube ich, noch nie vorgekommen. Die Nachwuchsspieler haben unglaublich viel Disziplin.“ Ein bisschen macht das ihrem pädagogischen Betreuer auch Sorgen: Aus jedem Jahrgang schaffen es nur ein oder zwei seiner Schützlinge zu den Profis. Weil der Fußball für die Jungs aber ein Fulltime-Job ist, können sie keine Ausbildung machen und haben dann auch keinen Beruf, falls es mit der Bundesliga nichts wird. „Das ist ein Problem“, seufzt er. Lisa G. und Arash Osmany sind jedenfalls froh, als es bei 36 Grad auf den in der prallen Sonne daliegenden Rasenplatz geht, dass sie sich fürs Handwerk entschieden haben. „Ich laufe nicht gerne“, gibt Arash lachend zu. Und auch Lisa betont: „Ich bin Hand-, nicht Fußwerker.“

Was die Jungs auf den Baustellen und die Handwerker beim Club-Besuch so alles ausprobiert und erlebt haben, ist in einem Film unter fcn.de/club-tv zu sehen

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