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Saison für Spitze, Strass und Glitzer Faschingskostüme: Schneidermeisterin sorgt für den richtigen Glanz

Es blitzt, funkelt und glänzt in den Räumen der Schneiderei Hintereder in Simbach am Inn. Pompöse Ballkleider, edle Sakkos und knallfarbene Showtanzkostüme lagern hier zur Überarbeitung, bevor sie zum Faschingsfinale noch einmal ordentlich strapaziert werden. Die Schneidermeisterin Marianne Hintereder sorgt dafür, dass die Kostüme den anspruchsvollen Test im Scheinwerferlicht bestehen.

Seit über 30 Jahren hat sie sich der närrischen Zeit verschrieben. 1989 fing alles recht harmlos an, mit der Ausstattung einer Kindergarde. Seither wurde es jährlich mehr. Immer mehr neue Vereine wollten die Kostüme von ihr entwerfen und anfertigen lassen. Alleine für die aktuelle Saison stattete sie acht regionale Faschingsgruppen mit insgesamt 247 Kostümen aus. Alle nach Maß. "Konfektionsgrößen gibt es bei mir nicht, bei mir wird alles genau vermessen und zugeschnitten", sagt die Schneidermeisterin. Anders könne sie sich das nicht vorstellen. Welchen Aufwand das bedeutet, ahnt man schnell.

247 Einzelstücke für die Faschingsbühne

"Die ersten Beratungsgespräche für die Kostüme beginnen im Juni", erklärt Hintereder. Dann verraten die Tanztrainer, welches Motto und welche ungefähren Vorstellungen sie haben. Anschließend geht es los – mit den Skizzen, dem Aussuchen der Stoffe und dem Anfertigen eines Prototyps aus hautfarbenem Stoff. Daran zeichnet die Schneiderin Linien auf, testet zusammen mit den Trainern verschiedene Muster, Farben und Formen und entwickelt so das endgültige Design für den Modellschnitt. Erst dann beginnen die Anproben mit den einzelnen Tänzern. Hintereder fährt dafür eigens zu den Tanzproben, um die Teilnehmer einzeln zu vermessen. Sie lege Wert darauf, dass das hundertprozentig passt, betont sie.

Den größten Aufwand bei der Faschingsschneiderei stellen ohne Frage die Kostüme der Prinzenpaare dar. Die könne man durchaus mit Brautmode vergleichen, nur eben in anderen Farben, erklärt Hintereder. Die Kleider sind geprägt von Tüll, Spitze, Strass und Glitzerstoffen. Exakt passend zu den eleganten Anzügen der zugehörigen Prinzen, versteht sich. Ein besonderes Highlight in diesem Jahr: Die Schneidermeisterin durfte ein Prinzenpaar ausstatten, das zum Empfang bei Kanzlerin Merkel geladen war. Im Vergleich zu den pompösen, langen Kleidern der Prinzessinnen kommen die Showtanzkostüme der Gardegruppen eher knapp und fetzig daher. Immerwährende Trends sind asymmetrische Muster, Pailletten, Glitter und Fransen. "Mir ist der Bühneneffekt sehr wichtig", sagt Hintereder. "Das Kostüm muss Lichteffekte erzeugen, sonst wirkt es wie tot."

Dass der Fasching einmal so viel Raum in ihrem Berufsalltag einnimmt, ahnte sie im Jahr 1986, als sie sich selbstständig machte, noch nicht. Damals nähte sie noch Muster für Messen, unter anderem für Escada. Drei Jahre später machte sie ihre Meisterprüfung, stellte ihre ersten Mitarbeiter ein und sattelte auf Maßschneiderei um. "Das war schon immer das, was mir am wichtigsten war", denkt sie zurück. Seither entwarf und fertigte sie neben Faschingskostümen unzählige Einzelstücke: Braut- und Abendmoden, Festtagskleider, Fahnenweihausstattungen, Trachten, Hosenanzüge, Herrenanzüge, aber auch Alltagskleidung.

Während vielerorts Schneidereien schließen, ist Marianne Hinter­eder zusammen mit ihren fünf Mitarbeiterinnen und drei Auszubildenden voll ausgelastet. Erst vor wenigen Wochen ist sie mit ihrem Betrieb in neue Räumlichkeiten umgezogen. Um mehr Platz zu haben für die vielen Aufträge. Für ihren Beruf brennt sie nach über 30 Jahren immer noch: "Weil man Menschen glücklich macht. Ich könnte mir nichts Schöneres vor­stellen."

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