Frankfurt-Rhein-Main -

Fan mit Sammelleidenschaft

Die Ausbildung zum Handschuhmacher gibt es nicht mehr. Axel Dielmann ehrt die Branche, indem er Handschuhe sammelt

Der Handschuhmacher. Er stellte über Jahrhunderte hinweg Statussymbole aus Leder oder Stoff her. Vom Samthandschuh bis hin zum robusten Arbeitshandschuh - der Handschuhmacher kannte die Bedürfnisse seiner Kundschaft. Doch jetzt ist Schluss. Seit dem 14. Februar ist es amtlich: „Die Anerkennung des Ausbildungsberufes des Handschuhmachers und der Handschuhmacherin wird aufgehoben.“
So stand es im Bundesgesetzblatt, zu wenige Lehrlinge gab es in den vergangenen Jahrzehnten; der Berufsstand
ist fast ausgestorben. Doch in einigen Umzugskisten in Frankfurt-Sachsenhausen lagern hunderte Erinnerungen an den einstigen Ausbildungsberuf, der im 19.Jahrhundert seine größte Verbreitung im deutschsprachigen Raum hatte.

Axel Dielmann ist kein Handschuhmacher, aber er ist ein Fan des Handwerks. Der Großvater Schlosser, der Onkel Elektriker. Die ehemalige Gattin Schneidermeisterin. „Ich weiß, was das teilweise für ein Knochenjob ist“, sagt er. Dielmann hat ein ganz anderes Handwerk erlernt. Nach dem Physikstudium kam die Liebe zur Literatur - und so wurde er schließlich Chef zweier Verlage in Frankfurt, die zeitgenössische Literatur, aber auch wissenschaftliche Aufsätze und Arbeiten veröffentlichen.

Doch das Handwerk, das blieb Teil von Dielmanns Leben. Der Großvater half Anfang der 80er Jahre mit, die Zeitungshalter aus Holz, später aus Aluminium für seine Literaturzeitung herzustellen. Und eines Tages, es ist schon ein paar Jahre her, fand Axel Dielmann auf der Straße alte, ausgemergelte Gartenhandschuhe. Es war die Stunde null: Eine Sammelleidenschaft begann. „Ich stellte fest, dass in den Straßengräben viele Handschuhe zu finden sind, die achtlos weggeworfen oder entsorgt wurden. Sie sehen alle anders aus, erzählen verschiedene Geschichten“, sagt Dielmann. Diese Geschichten, sie will er erzählen.

Kleine, große, dreckige, saubere: Rund 550 Einzelstücke oder Handschuhpaare sind auf diese Weise mittlerweile zusammengekommen, darunter einige „bemitleidenswerte Exemplare“, wie Dielmann voller Ironie sagt. Auch Plastikhandschuhe sind dabei, die mit der ursprünglichen historisch-höfischen Bedeutung des Kleidungsstücks rein gar nichts mehr zu tun haben. Sie sind einfach Ölhandschuhe oder medizinische Handschuhe. „Mein Umfeld hat sich seinerzeit, glaube ich, sehr über mich und meine Leidenschaft gewundert. Ich habe teilweise auch auf Reisen im Ausland angehalten, um die Handschuhe auf der Straße einzusammeln.“ Eine verrückte Zeit sei das gewesen. Im Jahr 2004 waren die Handschuhe schon in einer Ausstellung im Frankfurter Dominikanerkloster in Frankfurt zu sehen. Während der Schau gab es wissenschaftliche Vorträge und ein Begleitprogramm, darunter etwa auch zur Bedeutung der Hand im Islam oder zur Symbolik der Hand.

Partner für Ausstellung gesucht

„Handschuhe sind faszinierend. Sie sind das Kleidungsstück, das den Körper am besten abbildet“, sagt er. Und: „Sie sind auch ein Symbol, etwa, was das Thema Virtualität angeht oder wenn man an das Politische denkt - etwa an den Begriff der öffentlichen Hand.“ Deswegen heißt die Handschuhsammlung heute auch so: „Die öffentliche Hand“. Kommen noch weitere Exemplare dazu? „Nein, ich habe aufgehört zu sammeln. Irgendwann muss Schluss sein“, sagt Dielmann lächelnd. Zeigen würde er die Ausstellung aber doch einmal wieder gerne. Dazu sucht er Partner aus dem Handwerk. Auch bei einem weiteren Projekt würde er sich über Unterstützung freuen: „Ich habe schon seit Jahren die Idee, dass man mal ein Buch über das Handwerk herausgibt. Eine Anthologie von Texten, die sich mit dem Handwerk beschäftigen. Da gibt es wirklich wunderschöne Sachen.“

Hinweis: Wer mit Axel Dielmann Kontakt aufnehmen möchte, kann sich im Netz unter www.dielmann-verlag.de an ihn wenden

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