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Kfz-Werkstatt in Themar Familienangelegenheit: Drei Generationen und ein Traum

Es war ein langer Weg, bis sich Franz Oppolzer, 74 Jahre, den Traum von der eigenen Kfz-Werkstatt erfüllen konnte. Erst mit 48 Jahren hielt er seinen Meisterbrief in den Händen. Heute steht bereits die dritte Generation in den Startlöchern.

Den Wunsch, sich selbstständig zu machen, hatte Franz Oppolzer schon 1975. Doch immer wieder wurde er in der damaligen DDR ausgebremst. "Da gab es an einem Tag zwei Briefe, einen mit der Gewerbegenehmigung und einen mit der Ablehnung aus brandschutztechnischen Gründen", erinnert sich der Themaer. Immer wieder folgten neue Auflagen. Um seine Familie mit zwei Kindern zu ernähren, nahm der Kfz-Meister andere Tätigkeiten an und arbeitete zum Beispiel für den Kundendienst von Simson. Aber den Traum von der Selbstständigkeit träumte er weiter.

Meisterbrief mit 48 Jahren

18 Jahre später, im Jahr 1993, wurde dann die freie Kfz-Werkstatt Oppolzer endlich in Themar eröffnet. Zuvor musste Franz Oppolzer seine Abschlüsse und Qualifikationen erneuern und besuchte einen der ersten Meisterlehrgänge im BTZ Rohr- Kloster. "Da war ich schon 48 Jahre alt, als ich meinen Meisterbrief in den Händen halten konnte. Meine Mitschüler waren alle viel jünger und dachten, ich bin der Lehrer", erzählt er stolz, es geschafft zu haben.

Die Geschäfte führt inzwischen sein Sohn Jens Oppolzer, 47 Jahre, der zunächst als Meister für Karosserie- und Fahrzeugbau in die Werkstatt einstieg und vor 20 Jahren sein Gewerbe anmeldete. Franz’ Tochter Doreen Oppolzer ist Steuerfachwirtin, arbeitet in Schleusingen und kümmert sich um die Finanzen.

Die Ausrichtung des Familienbetriebs, der derzeit einen Lehrling ausbildet, stimmt. "Wir sind eine freie Werkstatt und haben uns nie an nur einen Pkw-Typen oder ein Autohaus gebunden. In einer ländlichen Ge­gend ist das wichtig, für alle Hersteller arbeiten zu können. Wir machen alles, was kreucht und fleucht", beschreiben die Oppolzer ihr Konzept und reparieren auch Rasenmäher, Fahrräder und Mopeds sowieso.

Enkel übernimmt die Werkstatt

"Die waren immer schon meine Leidenschaft", erklärt der dritte im Bunde, Kfz-Geselle Max Oppolzer, 20 Jahre, der Sohn von Jens und der Enkel von Franz und der jüngste im Team. "Schon in der Schule bin ich in den Pausen schnell nach Hause gegangen, um weiter an meinen Mopeds zu schrauben." Max wird die Werkstatt mal übernehmen. Er hat seine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker im Januar abgeschlossen und den Gesellenbrief in der Tasche.

Im BTZ Rohr-Kloster will er seinen Meister machen und kann sich vorstellen, später wie sein Opa, der bis heute ehrenamtlich im Kfz-Gesellenprüfungsausschuss arbeitet, auch ins Ehrenamt einzusteigen. Der Junior träumt bereits davon, die Werkstatt weiter auszubauen. Vorstellbar wäre es. Denn Träume wahr werden zu lassen, das ist eine Spezialität der drei Oppolzer-Männer.

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