Mobilität -

Mit Bus, Bahn und Faltrad ins Büro Faltradtest: Unterwegs mit dem Node D8 von Tern

Das Fahrrad ist eines der liebsten Fortbewegungsmittel der Deutschen. Doch laut statistischem Bundesamt nutzen es nur rund 20 Prozent, um damit zu ihrer Arbeitsstätte zu pendeln. Denn in der Hauptverkehrszeit finden die Drahtesel in Bussen und Bahnen nur schwer Platz. Eine etwas exotisch anmutende Fahrradgattung könnte hier Abhilfe schaffen. Unser Autor testete einen Monat ein Faltrad des Herstellers Tern und kombinierte es mit dem Nahverkehr. Ein Erlebnisbericht.

Da steht es nun also vor mir: giftgrün, ausgestattet mit 24-Zoll-Laufrädern und so ganz genau, weiß ich noch nicht was mich erwartet. Einen Monat lang wird das schicke Faltrad Node D8 aus dem Hause Tern mein treuer Begleiter auf dem Weg ins Büro sein.

Sie fragen sich jetzt sicherlich, wieso der Autor dieses Artikels ausgerechnet in Stuttgart mit einem Faltrad unterwegs sein will. Schließlich gilt die schwäbische Metropole nun nicht gerade als fahrradfreundliche Stadt. Trotz grünem Oberbürgermeister gibt es wenig durchgängige Fahrradwege und Radfahrer haben es grundsätzlich nicht leicht in der automobildominierten Landeshauptstadt Baden-Württembergs. Auch die Topographie mit ihren vielen Hügeln und Anstiegen sind nicht gerade herausstechende Argumente, um auf den Drahtesel umzusteigen. Aber ein Faltrad hat nun einen unbestreitbaren Vorteil, dass ein klassisches Fahrrad nicht besitzt: Wie schon sein Name verrät, lässt es sich innerhalb kürzester Zeit zu einem kleinen handlichen Gepäckstück zusammenfalten und so bequem auch im öffentlichen Nahverkehr mitführen – ohne zeitliche Beschränkungen oder dafür ein extra Ticket kaufen zu müssen.

Lösung des "Letzten-Kilometer-Problems"

So will ich binnen eines Monats im Live-Betrieb testen, wie sich S-Bahn, U-Bahn und Faltrad zu einer intelligenten Mobilitätskette in Stuttgart kombinieren lassen. Denn nicht nur in Stuttgart, sondern in jeder Stadt mit öffentlichem Nahverkehr gibt es zahlreiche Arbeitsplätze, die zwar fast per Bus und Bahn erreicht werden können, aber im Anschluss noch einen Fußmarsch nach sich ziehen. Um dem zu entgehen, setzen viele Pendler statt auf öffentlichen Nahverkehr dann lieber auf das Auto. Die Lücke zwischen Haltestelle und Arbeitsplatz könnte ein Fahrrad schließen und somit Abhilfe für das sogenannte "Letzte-Kilometer-Problem" sein. Ob dies funktioniert? Ich werde es in den nächsten Wochen erfahren.

Mein neuer Freund ist ausgestattet mit einer 8-Gang-Kettenschaltung, Schutzblechen und Gepäckträger sowie Big Apple Balloon-Pannenschutzreifen. Und auch an die Farbe habe ich mich schnell gewöhnt. Das Äußere macht Lust auf die ersten Fahrten ins Büro. Doch bevor ich mich in den Großstadtdschungel wage, teste ich das Rad erstmal in einer idyllischen Vorstadt im Stuttgarter Speckgürtel. Die Fahreigenschaften überzeugen, man hat in keinem Moment das Gefühl auf einem "Klapprad" zu sitzen, wie die Räder früher wohl zu Recht genannt wurden. Neben der Stabilität überzeugt vor allem der verstellbare Vorbau. Auch das Falten macht keine größeren Schwierigkeiten. Nach einigen Anlaufversuchen ist die von den Taiwanesen eigens entwickelte "N-Fold-Technik" auch von einem technisch eher unbegabten Menschen leicht zu bedienen. Ob ich allerdings die angegebene Faltzeit von 10 Sekunden jemals erreichen werde, steht auf einem anderen Blatt. Dennoch: Einfach und leicht.

Gespannt mache ich mich am ersten Tag meines Faltradtests auf den Weg. Der tägliche Spaziergang zum Vorortbahnhof wird durch einen ersten frühmorgendlichen Ritt abgelöst. Und ich fühle mich ziemlich sportlich dabei die anderen Fußgänger zu überholen und mir den Fahrtwind um die Ohren wehen zu lassen. Am Bahnsteig selbst ernte ich dann zunächst missmutige Blicke. Klar, auch ich war bisher einer derjenigen, die die Fahrradfahrer verflucht haben, die versucht haben in einer ohnehin schon überfüllten Bahn auch noch einen Stellplatz für ihr Gefährt zu finden. Es gibt zwar die separaten Fahrradabteile, allerdings sind sie in der Stoßzeit des Stuttgarter Pendlerverkehrs hoffnungslos überfüllt. Doch der Missmut weicht eher einem überrascht neugierigen Blick als ich – schon fast profimäßig – das Node mit einigen Handgriffen in ein Gepäckstück verwandle, das kleiner ist als so mancher Koffer der Geschäftsreisenden. Schwungvoll sichere ich mir einen der letzten freien Plätze im Bahnabteil und stelle meinen Begleiter neben mir ab.

Infobox zum Faltrad Node D8 von Tern

Preis: 949 €
Gewicht: 13,3 kg
Gänge: 8
Laufradgröße: 24‘‘ Laufräder
Faltmaß: 39x86x84 cm
Schaltung: 8-Gang Kettenschaltung, Shimano Claris Schaltwerk
Ideale Fahrergröße: 148 -195 cm

Man sollte das Rad immer im Griff haben

Zufrieden beginne ich mich zurückzulehnen als beim Abfahren der S-Bahn ein kleines Missgeschick passiert: Das zusammengefaltete Paket fällt um und liegt auf der Seite. Die erste Lektion, die ich an diesem Morgen gelernt habe: Zusammengefaltet büßt das Node einiges von seiner Stabilität ein, es sollte immer gut angelehnt sein oder aber festgehalten werden. Abgesehen davon verläuft die erste Fahrt aber problemlos. Am Stuttgarter Hauptbahnhof wechsle ich normalerweise von der S-Bahn auf die U-Bahn, doch das wird im nächsten Monat nicht der Fall sein. Ab hier werde ich den letzten Kilometer nun mit dem Fahrrad zurücklegen. Das Rad trage ich in seinem gefalteten Zustand in Richtung Ausgang. Das Gewicht macht sich hier nach kurzer Zeit bemerkbar. Aber logisch, es ist ein normales Fahrrad, da kann am Gewicht nicht viel eingespart werden auch wenn das kleine Paket zunächst verlockend leicht aussieht.

Vom Hauptbahnhof geht’s im Getümmel dann Richtung Büro – und ich muss sagen: es macht richtig Spaß. Vorbei zwischen den hetzenden Passanten, das Wetter spielt mit und ich brauche letztlich nicht länger als mit der U-Bahn. Und auch am Arbeitsplatz angekommen zeigt sich ein Vorteil des Faltrads: Auch hier nimmt es bedeutend weniger Platz in Anspruch als ein herkömmliches Fahrrad. Statt einen der Abstellplätze zu blockieren verstaue ich das Gefährt direkt unter meinem Schreibtisch – nicht ohne zuvor einige verwirrte Blicke meiner Kollegen zu erhalten. Ähnlich wie der erste Morgen verläuft auch die erste Rückfahrt nach Hause: einen guten Platz im Fahrradabteil gesichert, dieses Mal von Anfang an drauf geachtet, das Faltrad im Griff zu haben, am Zielbahnhof ausgestiegen, Rad ausgeklappt und nach Hause geradelt. Das war einfach. Und so viel sei vorweggenommen: auch an den folgenden Tagen wurde es nicht wesentlich komplizierter. Ganz im Gegenteil.

Mit dem Faltrad an seiner Seite wird man eher zum Gesprächsthema. In der ersten Woche werde ich von einem kleinen Kind so angesehen als sei ich der Weihnachtsmann persönlich. Bis der Junge sich dann doch traut seine Mutter zu fragen, ob der Mann dort sein Fahrrad kaputt gemacht hat. Überhaupt ist das Node ein wahrer Dosenöffner für Gespräche. Ist die handelsübliche Pendelbahnfahrt von gegenseitiger Ignoranz geprägt vergeht nahezu kein Tag an dem ich nicht mindestens einmal auf das Rad angesprochen werde und brav Auskunft gebe. Von technischen Feinheiten bis zu den Erfahrungen mit dem Rad und der beliebtesten Fragen: "Wie viel wiegt das denn?" ist alles dabei. Im ganzen Monat werde ich nicht einmal negativ auf das Rad angesprochen, eher fühle ich mich wie ein bunter Hund und komme mit manchem Fahrradprofipendler ins Fachsimpeln über die Vor- und Nachteile.

Das Faltrad als vollwertiges Fuhrparkmitglied

Auch nach Feierabend und an den Wochenenden gestaltet sich das Tern immer mehr zum vollwertigen Fuhrparkmitglied. Beim Einkaufen eine Kleinigkeit vergessen? Kurz aufs Fahrrad geschwungen und zum nächsten Supermarkt gefahren. Man sollte sich mal wieder eine Runde sportlich bewegen? Och, so eine Runde mit dem Faltrad um den Ort ist ja auch irgendwie Sport. Bei der Post ist ein Paket abgegeben worden? Ab auf meinen giftgrünen Freund und hingedüst. Was sich für einen normalen Radfahrer wie Alltag anhört war für mich in diesem Monat eine ganz neue Erkenntnis. Statt wie bisher für kurze Wege das Auto zu nutzen, ersetzte das Faltrad immer häufiger das motorisierte Vehikel. Und auch mit dem Auto selbst lässt sich das Faltrad praktisch kombinieren: Ein paar kurze Handgriffe und es passt in fast jeden Kofferraum. Vom Parkplatz aus kann man sich dann wieder aufs Fahrrad schwingen, um zum Arbeitsplatz in einer autofreien Zone zu kommen oder vielleicht nach Feierabend eine Runde um einen nahegelegenen See zu drehen. Der Fantasie sind hierbei keinen Grenzen gesetzt.

Mein treuer Begleiter und ich haben uns zum Ende des Tests sogar schon so aneinander gewöhnt, dass ich meine Ausstiegshaltestelle immer weiter nach vorne gelegt habe, um mehr Strecke mit dem Fahrrad zurückzulegen. Das Rad hat es mir mit voller Funktionsfähigkeit gedankt: Trotz zahlreicher überwundener Bordsteine und einigen rasanten Abfahrten gab es keine Probleme mit Kette, Reifen oder Bremsen. Alles hat zur vollsten Zufriedenheit seinen Dienst verrichtet. Für mich persönlich war es eine Erfahrung, die mit viel Spaß verbunden war – und vor allem der Erkenntnis, wie man mit einem solchen Faltrad in positive Gespräche mit anderen Menschen kommen kann. Sicher eignet sich ein Faltrad nicht für jeden Nutzer, aber gerade in urbanen Regionen kann ein Faltrad seinen Teil dazu beitragen, um das "Letzte-Kilometer-Problem" zu lösen und ein Teil des für die Zukunft unabdingbaren Mobilitätsmixes zu sein.

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