Recht + Steuern -

Steuer-Miniserie Fahrtkostenzuschüsse: Spielregeln für Steuerfreiheit – Teil 1

Anfang des Jahres wurde eine neue Steuerbefreiungsvorschrift eingeführt, mit der Zuschüsse des Arbeitgebers für bestimmte Fahrten des Arbeitnehmers mit öffentlichen Verkehrsmitteln im Linienverkehr steuerfrei beim Arbeitnehmer ankommen sollen. Doch weil es häufig Fragen gab, verzichteten viele Arbeitgeber auf dieses Gehaltsextra. Die Fragen beantwortet das Bundesfinanzministerium nun einem aktuellen Schreiben.

Grundsätze zur Steuerbefreiung für Fahrtkostenzuschüsse

In dem Schreiben des Bundesfinanzministeriums (Az. IV C 5 – S 2342/19/10007:001) werden folgende Steuerspielregeln zur Steuerfreiheit von Fahrtkostenzuschüssen ausgegeben:

Die Steuerbefreiung nach § 3 Nr. 15 EStG gilt für Zuschüsse, die ein Arbeitgeber seinem Mitarbeiter für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte gewährt. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Arbeitgeber dem Mitarbeiter ein Ticket für die Bahn oder den Bus unentgeltlich oder verbilligt zur Verfügung stellt (= Sachlohn) oder ob der Arbeitnehmer das Fahrtticket selbst kauft und der Arbeitgeber ihm die Ausgaben erstattet (= Barlohn). Die Steuerbefreiung ist übrigens nicht ausgeschlossen, wenn die Fahrtberechtigung die Mitnahme anderer Personen oder die Übertragbarkeit auf andere Personen beinhaltet.

Beispiel: Der Arbeitgeber erhält von seinem Arbeitgeber ein Jobticket. An Werktagen ab 19 Uhr und am Wochenende darf der Arbeitnehmer einen weiteren Erwachsenen mitfahren lassen. Folge: Die Gewährung des Jobtickets ist nach § 3 Nr. 15 EStG lohnsteuerfrei.

Praxis-Tipp: Die Steuerfreiheit für solche Fahrtkostenzuschüsse setzt jedoch voraus, dass diese zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn erbracht werden.

Beispiel: ein Arbeitgeber möchte sich bei einem Mitarbeiter für dessen herausragende Mitarbeit bedenken und spendiert ihm statt einer freiwilligen Sonderzahlung ein Jobticket. Folge: Da die Gewährung des Jobtickets zusätzlich zum im Arbeitsvertrag vereinbarten Arbeitslohn gewährt wird, steht der Steuerfreiheit nichts im Weg.

Alternative: Arbeitgeber und Arbeitnehmer vereinbaren, dass von vereinbarten Arbeitslohn jeden Monat 70 Euro in ein Jobticket umgewandelt werden sollen. Folge: Hier scheidet die Steuerfreiheit aus, weil die Gewährung des Jobtickets nicht zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn erfolgt, sondern in Form einer Gehaltsumwandlung.

Steuerbefreiung für das Jobticket: Das gilt im Personenfernverkehr

Die Steuerbefreiung für die das Jobticket nach § 3 Nr. 15 EStG im Personennahverkehr ist beschränkt auf Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte. Die Steuerfreiheit winkt deshalb nur Arbeitnehmer in einem aktiven Beschäftigungsverhältnis sowie für die beim Entleiher eingesetzten Leiharbeitnehmer. Privatfahrten im Personenfernverkehr sind nicht begünstigt.

Zum Personenfernverkehr (= öffentliche Verkehrsmittel im Linienverkehr) gehören Fernzüge der Deutschen Bahn, Fernbusse auf festgesetzten Linien und vergleichbare schnellfahrende Züge.

Praxis-Tipp: Eine Abgrenzung zwischen Fernverkehr und Nahverkehr nach Kilometern oder der Dauer der Fahrten ist nicht vorzunehmen.

Beispiel: Ein Arbeitgeber gewährt einem Mitarbeiter einen Bahnticket, mit dem er von seinem Wohnort in Köln nach Frankfurt pendeln kann. Folge: Hier liegt nach den Grundsätzen des BMF-Schreibens vom 15.8.2019 ein steuerfreier Zuschuss nach § 3 Nr. 15 EStG vor.

Variante: Ein Arbeitnehmer fährt mit einem Schnellzug am Wochenende aus privaten Gründen nach Paris. Der Arbeitgeber erstattet ihm diese Fahrt.

Folge: Da es sich um einen Zuschuss für eine Privatfahrt im Personenfernverkehr handelt, greift die Steuerbefreiung nach § 3 Nr. 15 EStG nicht.

Leser-Service: Erfahren Sie in Teil 2 unserer Miniserie zum Fahrtkostenzuschuss nach § 3 Nr. 15 EStG, welche steuerlichen Besonderheiten für Zuschüsse im Personennahverkehr gelten und wie Sie lohnsteuerlich auf der sicheren Seite stehen, wenn Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte und berufliche Reisekosten zusammentreffen. dhz

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2019 - Alle Rechte vorbehalten