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Reisekostenrecht und Entfernungspauschale Fahrtkosten für Leiharbeiter: Das gilt steuerlich

Nach dem Reisekostenrecht 2014 kann ein Leiharbeiter in der Einrichtung des Entleihers eine erste Tätigkeitsstätte haben. Der Werbungskostenabzug beschränkt sich dabei auf die Entfernungspauschale von 0,30 Euro je Entfernungskilometer (= einfache Strecke) zwischen Wohnung und der Einrichtung des Entleihers, in der er eingesetzt ist. Ein Musterprozess beim Bundesfinanzhof könnte jedoch für eine Trendwende sorgen und zu höheren steuersparenden Werbungskosten für den Leiharbeiter führen.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Beruflich unterwegs

Für die Fahrtkosten von Leiharbeitern gibt es seit 2014 eine neue Regelung. Die Einrichtung des Kunden des Arbeitgebers wird danach zur ersten Tätigkeitsstätte, wenn der Leiharbeiter mehr als 48 Monate dorthin ausgeliehen wird oder für die gesamte Dauer des Leiharbeitsverhältnisses.

Folge: Für die Fahrten zum Kunden des Arbeitgebers käme dann nur die Entfernungspauschale mit 30 Cent je Kilometer für die einfache Strecke als Werbungskosten in Betracht. Verpflegungspauschalen wären gar nicht abziehbar.

Finanzgericht und Bundesfinanzhof urteilen zum Thema

Steht im Arbeitsvertrag des Leiharbeiters, dass er „bis auf Weiteres“ in der Einrichtung des Entleihers tätig werden muss, ist das für die Finanzämter ein eindeutiges Indiz dafür, dass der Leiharbeiter in der Einrichtung des Entleihers eine erste Tätigkeitsstätte hat (BMF, Schreiben v. 24.10.2014, Az. IV C 5 – S 2353/14/10002; Tz. 13).

Die Richter des Finanzgerichts Niedersachsen sehen das ganz anders. Der Passus „bis auf Weiteres“ sagt gar nichts darüber aus, wie lange der Leiharbeiter ausgeliehen werden soll. Deshalb hat er an der Einrichtung des Entleihers keine erste Tätigkeitsstätte.

Folge: Der Leiharbeiter darf folgende Werbungskosten gelten machen (FG Niedersachsen, Urteil v. 30.11.2016, Az. 9 K 130/16):

  • Fahrtkosten: Für die Fahrten zur Einrichtung des Kunden seines Arbeitgebers (Entleiher) dürfen bei Nutzung eines Pkws 30 Cent für jeden gefahrenen Kilometer geltend oder die tatsächlichen Fahrtkosten geltend gemacht werden. Der Arbeitgeber kann dem Leiharbeiter die Fahrtkosten anlässlich dieser Fahrten im Rahmen einer beruflichen Auswärtstätigkeit auch steuerfrei erstatten.
  • Verpflegung: In den ersten drei Monaten im Rahmen des Verleihgeschäfts darf der Leiharbeiter 12 Euro Verpflegungspauschalen bei einer Abwesenheit von zu Hause von mehr als 8 Stunden als Werbungskosten berücksichtigen.

Steuertipp: Nun hat der Bundesfinanzhof in einem Revisionsverfahren das letzte Wort. Leiharbeiter sollten gegen ihren Steuerbescheid Einspruch einlegen, wenn das Finanzamt für die Fahrten in die Einrichtung des Entleihers nur die Entfernungspauschale als Werbungskosten zum Abzug zulässt. Mit Hinweis auf diesen Musterprozess sollte zudem ein Antrag auf Ruhen des Verfahrens gestellt werden, solange noch kein Urteil durch den Bundesfinanzhof gefällt wurde. dhz

Dieser Beitrag wurde am 29. Januar 2017 aktualisiert.

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