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Kfz-Tuning als Geschäftsmodell Fällt auf: Sportwagen mit Spezial-Lack

Jörg Fiege ist Kfz-Mechanikermeister und glühender Mustang-Fan. Im Internet endeckt er leuchtenden Lack und ist gleich begeistert. Er entwirft einen Prototyp, der weltweit für Aufsehen sorgt.

Am Anfang standen das Faible von Jens Fiege für schnelle Autos und ein Ford Mustang, Baujahr 67, von Jörg Fiege. Heute sind die beiden Brüder Besitzer eines Ford Mustangs, der als weltweit erstes und einziges Auto mit einem leuchtenden Lack ausgestattet ist, dessen Leuchtstärke über ein Mikrofon gesteuert wird. Das Besondere: Es wurden weder Leuchtdioden eingesetzt, noch Kabel verlegt, sondern der Lack selbst leitet den Strom, wie auf einer Platine einer elektrischen Schaltung. Kein Wunder also, dass der Mustang für Aufmerksamkeit rund um den Globus sorgt.

Ausgangspunkt des weltweiten Interesses ist Hofgeismar im Landkreis Kassel. Dort betreiben der Kfz-Mechanikermeister und sein Bruder das Autohaus Fiege, das die Marken Ford und Suzuki vertreibt. Dort verfolgt der glühende Mustang-Fan, der seinen Oldtimer in ungezählten Stunden mit viel Liebe selbst restauriert hat, seine Leidenschaft durchaus als Geschäftsmodell.

Ein Lack mit Potenzial

Denn hinter seinem Enthusiasmus steht die Idee, sich mit dem Thema Tuning zu spezialisieren und sich so ein Alleinstellungsmerkmal zu schaffen, um als Autohaus bestehen zu können. “Wir haben uns auf das Tuning spezialisiert, weil wir als Autohaus sonst in zehn Jahren vom Markt verschwunden sind“, erklärt der umtriebige Kfz-Unter­nehmer.

Auf den leuchtenden Lack stieß Fiege im Internet und war gleich begeistert: “Das Tolle an der Farbe ist, dass sie Potenzial hat.“ Umgesetzt hat er seinen Prototypen mit einem Lackierer in Hamburg. Sage und schreibe 40 Schichten Lack mussten auf die Karosserie aufgetragen werden, was etwa 500 Arbeitsstunden in Anspruch nahm und rund 50.000 Euro kostete. Gesteuert wird der leuchtende Lack über ein Mikrofon, dass Fiege stilecht in einem Ford Mustang in Spielzeuggröße verbaute.

Der ganze Stress hat sich gelohnt

Geregelt wird die Leuchtkraft entweder über die Musik oder das Gaspedal. Fiege entschied sich für das Gaspedal, mit dem sich bei 630 PS nicht nur ein guter Sound, sondern auch der entsprechende Geräuschpegel erzeugt lässt. Denn der Mustang ist selbstverständlich auch sonst mit dem Feinsten ausgestattet, was das Tuning für den deutschen Straßenverkehr bietet. Und so stecken insgesamt 700 Arbeitsstunden in dem Schmuckstück auf vier Rädern. Den ganzen Umbau begleitete Klaus Stadler, Gründer des Mustang Owners Club, mit dem Fiege eine Partnerschaft verbindet. Gemeinsam planten sie auch den Auftritt auf der Essen Motor Show, der weltweit größten und wichtigsten Fachmesse für Tuning. Absoluter Höhepunkt war die Einladung zur Pressepräsentation. Damit wurde der Mustang zu einem von neun Fahrzeugen, mit dem die Messe auf Plakaten und Pressefotos warb. Ein Video ist bis heute auf YouTube zu sehen.

Mustang mit Leuchtlack

Fällt auf: Sportwagen mit Spezial-Lack

Bis es aber so weit war, lag vor dem Hofgeismarer mehr Arbeit als gedacht. “Stressgefühle sind Peanuts gegen das, was wir mit dem Auto hatten“, sagt Fiege und erzählt von all den technischen Schwierigkeiten, die es sowohl beim Lackieren als auch beim Tunen gab. “Wozu einen die Leidenschaft treibt!“, sagt der Kfz-Mechanikermeister über die hektischen Wochen vor der Messepräsentation, die ihn nach eigenen Angaben haben überproportional altern lassen. “Es war ein echter Kampf.“ Sein Fazit fällt dennoch positiv aus: “Mega anstrengend, aber richtig, richtig, richtig cool. Die starke Resonanz erfüllt einen mit Stolz.“

Heute kommen die Kunden aus ganz Deutschland nach Hofgeismar. In der Regel sind es Mustang-Fans, die Spaß an ihrem Auto haben und sich fragen, was sie noch einbauen können. Bei Fiege fühlen sie sich gut aufgehoben, denn bei aller Leidenschaft geht es dem Tuning-Fachmann auch um die Sicherheit der Autos, was seine Kunden zu schätzen wissen. Für sie bietet er auch unterschiedliche Events an, zu denen beispielsweise ein Fahrtraining gehört, bei dem die Mustang-Fans das Driften, also das Lenken mit dem Gaspedal, lernen.

Das Interesse ist groß

Darüber hinaus bekommt Fiege Anfragen von großen Autozeitschriften, die den Mustang Probe­fahren wollen, sobald er mit seinem leuchtenden Lack eine Straßenzulassung hat. Auch die Industrie hat Interesse angemeldet und möchte Fahrzeuge für Imagekampagnen und Marketingzwecke umgerüstet haben. Sogar der Kontakt zu einem Fraunhofer-Institut ist entstanden.

“Wir sind richtig bekannt geworden“, resümiert Fiege. Über seinen Oldtimer, mit dem alles begann, sagt er: “Die erste Liebe vergisst man nicht.“ Deshalb steht der als Blickfang mitten in der Verkaufsausstellung und darf nur im Sommer und bei schönem Wetter raus.

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