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Filmkritik zu "Waterproof" Fähig, furchtlos, female: Drei Handwerkerinnen in der Wüste

Passend zum Weltfrauentag am 8. März startet heute der Film "Waterproof" in den Kinos. Darin sorgen drei engagierte Anlagenmechanikerinnen dafür, dass in der Wüste Jordaniens das Wasser wieder läuft. Lesen Sie hier, ob sich der Kinobesuch lohnt.

Schon der Trailer zu Daniela Königs dokumentarisch angehauchtem Langfilmdebüt "Waterproof" macht deutlich, dass es die junge Regisseurin mit den Berufsbezeichnungen nicht allzu genau nimmt: In ihrem knapp 90-minütigen Film, der ab dem 5. März im Kino und im Rahmen einer Tournee mit Regiegesprächen auf der Leinwand zu sehen ist, werden die drei Hauptfiguren konsequent als "Klempnerinnen" betitelt. Klempner – in einigen Regionen Deutschlands auch Flaschner, Spengler oder Blechner genannt – arbeiten allerdings weniger mit der Rohrzange an sanitären Anlagen, als vielmehr an Blechen in der Werkstatt und auf Dächern. Auch der Pressetext zum Film weiß es nicht besser als der Volksmund – dabei geht es in "Waterproof" um jordanische Handwerkerinnen, die sich hierzulande Anlagenmechanikerinnen für Sanitär, Heizungs- und Klimatechnik nennen würden.

Und die nehmen ihr Glück in einem der trockensten Länder der Erde selbst in die Hand: Weil die gut 30 Kilometer westlich der Hauptstadt Amman gelegene 100.000-Einwohner-Stadt Al-Salt unter chronischer Wasserknappheit leidet und viele Haushalte aufgrund der mangelhaften Leitungssysteme von der Versorgung abgeschnitten sind, floriert für Sanitärbetriebe das Geschäft. Auch der Mann der dreifachen Mutter Khawla Al-Sheikh leitet ein erfolgreiches SHK-Unternehmen – und anders als viele andere Männer in Jordanien erlaubt er seiner Gattin auch, in seinem Betrieb mitzuarbeiten und denselben Beruf wie er zu erlernen. Das ist der emanzipierten Khawla, die ihre wasserstoffblonden Haare als einzige Frau im Film nicht unter einem Kopftuch verbirgt, allerdings nicht genug.

Sie hat eine NGO gegründet und bildet andere Frauen zu Anlagenmechanikerinnen aus: Gemeinsam reparieren sie Rohrbrüche, reinigen Wassertanks und zeigen Hausfrauen den verantwortungsvollen Umgang mit Wasser. Zu ihrem Team zählen auch Rehab, die sich als Reinigungskraft in einem Fitnessstudio ein paar Dinar dazuverdient, und die aufgeweckte Aysha, die ihren Traum vom eigenen SHK-Betrieb im Laufe des Films in die Tat umsetzt: Als Khawla durch eine Anklage in Bedrängnis gerät und ihr Ehrenamt an Aysha übergibt, macht diese Nägel mit Köpfen und treibt ihre eigene Existenzgründung voran. Doch in ihren Zielen sind die zwei Freundinnen auch nach der beruflichen Trennung vereint: Sie wollen Frauen die finanzielle Unabhängigkeit und den Einstieg ins männerdominierte Berufsleben ermöglichen.

Interessante Einblicke im Mockumentary-Format

Dabei machen sich die Anlagenmechanikerinnen, die gleich zu Beginn des Films vor traumhafter Kulisse über den Dächern der Stadt einen defekten Wassertank reparieren, eine Marktlücke zunutze: In Jordanien, so lehrt uns der stilistisch zwischen Porträt, Dokumentation und Mockumentary angesiedelte Film, dürfen Hausfrauen nämlich keinen Handwerker empfangen, wenn ihr Ehemann nicht dabei ist – wohl aber Handwerker innen. Während der normalen Arbeitszeiten, in denen die meisten Männer außer Haus ihrem Beruf nachgehen, sind Khawla, Aysha und Rehab damit gewissermaßen konkurrenzlos – die Nachfrage ist riesig und ihre Auftragsbücher sind angesichts der vielen defekten Sanitäranlagen prall gefüllt.

Filmplakat Waterproof

In den allermeisten Filmszenen, die einem mehr oder weniger festen Drehbuch folgen und nicht "live" gefilmt sind, wirkt der Mockumentary-Ansatz fast dokumentarisch – dass das Geschehen überhaupt gescriptet und künstlich arrangiert ist, lässt sich erst bei genauerem Hinsehen an den Schnitten oder an der Positionierung der Kamera ausmachen, die eben vorher schon weiß, was gleich passieren wird. Die Protagonistinnen Khawla und Aysha brauchen derweil vor der Kamera nicht viel mehr zu tun, als einfach sie selber zu sein: zwei ebenso emanzipierte wie sympathische Powerfrauen, die sich die die berufliche Teilhabe auf die Fahnen geschrieben haben und dafür kämpfen, sie auch weiteren Frauen zu ermöglichen.

Und die Männer? Die finden’s gut!

Mit nennenswerten Repressalien durch das sprichwörtliche "starke Geschlecht" scheinen die talentierten Handwerkerinnen, die Wasserhähne und Tanks mit gekonnten Handgriffen wieder funktionstüchtig machen, dabei nicht zu kämpfen zu haben: Als Aysha in der zweiten Filmhälfte die Werbetrommel für ihren eigenen SHK-Betrieb rührt und verdutzten Männern reihenweise ihre Visitenkarten in die Hand drückt, wird sie dafür nicht etwa belächelt oder mit strafenden Blicken getadelt, sondern erntet Staunen und anerkennende Worte. Das mutet gerade angesichts der wenigen Rechte von Frauen in Jordanien, die beispielsweise für sexuelle Beziehungen vor der Ehe inhaftiert werden dürfen und oft in einer Art Vormundschaft durch ihre Männer leben, durchaus überraschend – um nicht zu sagen: einseitig bis unglaubwürdig – an.

Gerade hier wäre es interessanter gewesen, den Finger in die Wunde zu legen und ein differenzierteres Bild vom Alltag jordanischer Frauen zu zeichnen – stattdessen zeigt der dialoglastige Film lieber ausufernde Gespräche über kunstvoll gestickte Firmenlogos auf neuen grünen Arbeitskitteln, die Aysha wichtiger zu sein scheinen als ein durchdachter Businessplan oder eine erfolgreiche Kundenstrategie. So verliert sich "Waterproof" bisweilen in Frauenklischees, statt authentisch herauszuarbeiten, vor welchen Hürden eine fast vierzigjährige Frau steht, die sich in einem männerdominierten arabischen Land als Handwerkerin selbstständig machen möchte. Immerhin: Der Stolz der Anlagenmechanikerinnen auf ihr eigenes Handwerk und ihre berufliche Selbstständigkeit ist für den Zuschauer förmlich greifbar – frei nach dem aktuellen Motto der Imagekampagne wissen auch Aysha & Co. ganz genau, was sie tun.

Gelacht werden darf auch

Dass sich unterm Strich ein etwas seichter Gesamteindruck ergibt, resultiert auch aus der Tatsache, dass die humorvoll angehauchten Sequenzen ähnlich viel Raum bekommen wie die schwierigeren Themen: Wenn die Kamera Aysha bei ihren ersten missglückten Anfahrversuchen im Auto oder beim Rauchen einer Wasserpfeife mit Gurkenmaske zeigt, sind das zweifellos amüsante Bilder – deutlich reizvoller ist aber der subtil schwelende Konflikt zwischen Aysha und Khawla, die sich vor Gericht dem Vorwurf des Machtmissbrauchs erwehren muss und ihre Auszubildenden um Unterstützung bittet. Im Gerichtsgebäude hat das Ganze dann schließlich doch etwas Dokumentarisches: Als es zum Showdown im Gerichtssaal kommt, muss die Kamera draußen bleiben – und das Publikum erfährt erst im Abspann, ob die Sache für die Handwerkerin gut ausgegangen ist.

IDFA 2019 | Trailer | Waterproof

Die unabhängige Khawla leitet in Jordanien eine Gruppe von Klempnerinnen. Die freudige und offene Stimmung zwischen den Frauen droht zu kippen als sich Khawla Korruptionsvorwürfen stellen muss.

Weitere Informationen zum Film

Kinostart: 5. März 2020

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