Ostthüringen -

Vollversammlung Fachkräftesuche und Stärkung des Meisterbriefes

Der Mangel an geeignetem Fachkräftenachwuchs sowie die Stärkung des Meisterbriefes sind die Schwerpunktthemen des kommenden Jahres. Das wurde auf der Vollversammlung der Handwerkskammer für Ostthüringen deutlich.

In seinem Bericht vor den Vollversammlungsmitgliedern ging der Präsident der Handwerkskammer für Ostthüringen, Klaus Nützel, zunächst auf die positive konjunkturelle Entwicklung ein. „Der Konjunkturmotor im Ostthüringer Handwerk läuft weiter hochtourig.“

Mit Bestwerten seit der Wiedervereinigung bei der Geschäftslage, prall gefüllten Auftragsbüchern und einer weiteren Verbesserung bei der Umsatzentwicklung wartet das Handwerk auf. Damit verbunden ist aber auch die dringende Suche nach geeigneten Fachkräften. Diese sind jedoch kaum noch oder sehr schwer zu finden.

Azubi-Zahlen steigen im dritten Jahr in Folge

Erfreulich ist zwar, dass die Zahl der neu abgeschlossenen Lehrverträge das dritte Jahr in Folge leicht steigt und es im Ostthüringer Handwerk in diesem Jahr 752 neu abgeschlossene Lehrverträge gab. „Dennoch reichen diese Lehrlingszahlen bei weitem nicht aus, um die Herausforderungen der Zukunft im Ostthüringer Handwerk zu meistern. Immerhin werden Jahr für Jahr rund 1.000 neue Azubis benötigt“, so Klaus Nützel.

Viele Aktionen seien durch die Handwerker gemeinsam mit der Handwerkskammer angeschoben worden. Bildungsmessen, Werbemaßnahmen über die Imagekampagne des Handwerks, Kooperationen mit Tages- und Wochenzeitungen und vieles mehr.

Gemeinsam für Berufsnachwuchs werben

Insbesondere das Ausbildungsevent in der Bildungsstätte in Gera-Aga im September hat gezeigt, wie wichtig und wertvoll es ist, dass Handwerkskammer, Kreishandwerkerschaften, Innungen und Handwerksunternehmen hier an einem Strang ziehen. Rund 700 interessierte Besucher konnten so zum 2. Mal mehr als 25 unterschiedliche Handwerksberufe live erleben und sich selbst einmal ausprobieren. Solche Aktionen müssen weiter verstärkt werden.

Gleichzeitig sei aber auch die Thüringer Landespolitik gefordert. Denn eine Ursache für die immer noch große Anzahl fehlender Lehrlinge in der dualen Ausbildung ist die Tatsache, dass mehr und mehr junge Menschen an die Universitäten und Fachhochschulen drängen. Deshalb die Forderung der Vollversammlung an die Landesregierung, die duale Ausbildung im Freistaat mehr in den Fokus ihrer Bemühungen zu rücken und stärker zu bewerben. Dazu gehört aber auch, dass die Jugendlichen nach dem Wegfall und der Zentralisierung vieler Berufsschulstandorte bei den teils weiten Wegen zur Ausbildungsstätte und zu den Berufsschulen entlastet werden.

Azubi-Ticket ist endlich Wirklichkeit

So ist es nach langem Ringen mit der Landesregierung gelungen, dass seit 1. Oktober ein subventioniertes und damit kostengünstiges Azubi-Ticket eingeführt wurde. Fast alle Landkreise in Ostthüringen beteiligen sich an diesem Azubi-Ticket, um die Lehrlinge zu entlasten. Lediglich der Landkreis Greiz ist beim Azubi-Ticket noch nicht dabei.

„Wir bedauern, dass damit das Azubi-Ticket in Ostthüringen nicht flächendeckend zum Einsatz kommen kann und werden uns weiter starkmachen, damit auch den Lehrlingen in diesem Landkreis diese Möglichkeit des vergünstigten Nutzens von Verkehrsmitteln zur Ausbildung zugutekommt. Hier ist nun der Landkreis Greiz in der Bringepflicht“, macht Klaus Nützel unter Zustimmung der Vollversammlungsmitglieder deutlich. Einhergehend mit der Gewinnung des Fachkräftenachwuchses im Handwerk ist aber auch die Meisterpflicht und der Erhalt der handwerklichen Strukturen ein Schwerpunktthema im kommenden Jahr.

Stabiles Handwerk nur mit Meisterbrief

Trotz insgesamt stabiler Zahlen an Mitgliedsbetrieben im Ostthüringer Handwerk ist die Zahl meisterpflichtiger Handwerksunternehmen weiter rückläufig. „Sie sind jedoch der Eckpfeiler einer stabilen Wirtschaftslage und Garant für eine hohe Ausbildungsqualität“, verdeutlicht der Kammerpräsident. Deshalb fordert die Vollversammlung eindringlich, die Meisterpflicht in allen Handwerksberufen wieder einzuführen. Die Landesregierung kann hier ihren Einfluss auf Bundesebene geltend machen und dieses Ziel ­gemeinsam mit dem Handwerk verfolgen.

Zudem ist es wichtig, gerade mit Blick auf die hohe Zahl an Unternehmen, die in den nächsten Jahren einen Nachfolger suchen, die Meisterfortbildung als höchste Qualifikation im Handwerk weiter zu intensivieren und zu unterstützen. So wurde in diesem Jahr zum 2. Mal an die besten Jungmeisterinnen und Jungmeister des zurückliegenden Jahres aus ganz Thüringen die Meisterprämie von jeweils 1.000 Euro vergeben. Aus Ostthüringen konnten davon elf Jungmeisterinnen und Jungmeister profitieren.

Meisterprämie für alle Absolventen gefordert

„Dies ist ein Schritt in die richtige Richtung. Dennoch dürfen wir nicht an dieser Stelle verharren“, erklärt Klaus Nützel. Vielmehr müsse es das Ziel sein, alle erfolgreichen Jungmeisterinnen und Jungmeister zu würdigen und mit einer Prämie für alle erfolgreichen Absolventen dafür zu sorgen, größere Anreize für eine Meisterfortbildung zu setzen. Viele Bundesländer, wie beispielsweise Bayern, Sachsen, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern, machen vor, wie dies funktionieren kann. In diesen Bundesländern wird eine Meisterprämie an alle Jungmeisterinnen und Jungmeister von 1.000 bis 4.000 Euro gezahlt.

Gründer im Handwerk stärker fördern

Mit Blick auf die Unternehmensnachfolge und die Gründung neuer Handwerksunternehmen haben zudem einige Bundesländern wie Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt einen weiteren Ansatz: die Meistergründungsprämie.Diese richtet sich an Handwerker, die nach ihrem Meister einen eigenen Betrieb gründen oder übernehmen. Die Förderung bewegt sich hier zwischen 10.000 und 15.000 Euro.

„Das wäre ein wirkliches Signal zur Stärkung des Handwerks in Thüringen. Die Landesregierung darf hier nicht nur die Leistungsfähigkeit des Handwerks loben, sondern muss Eigeninitiative zeigen und den lobenden Worten auch Taten folgen lassen“, werben der Kammerpräsident und die Vollversammlung für die Ausweitung der Förderung von ­Meisterabsolventen.

Insbesondere mit Blick auf die Herausforderungen im Jahr 2019 gilt es für das Ostthüringer Handwerk, so manche Hürde zu meistern. Vor allem die anstehenden Landtagswahlen sind eine gute Möglichkeit, dass das Ostthüringer Handwerk seine Forderungen gegenüber den Parteien ganz deutlich macht, um die Politik der kommenden Jahre im Interesse des Handwerks mitgestalten zu können.

Das zeigte auch die angeregte Diskussion zur Vollversammlung zu verschiedenen Themen. Einmal mehr wurde deutlich, wie intensiv sich die Vollversammlungsmitglieder in den Prozess der Fachkräftegewinnung, der weiteren Stärkung des Ostthüringer Handwerks und der stetigen Verbesserung der Arbeit in der Handwerkskammer für Ostthüringen im Interesse aller Mitgliedsbetriebe einbringen.

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