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Studie zur Personalsituation Fachkräftemangel: Unternehmen müssen Aufträge ablehnen

Die Lage vieler Betriebe spitzt sich zu: Laut einer aktuellen Studie haben in diesem Jahr deutlich mehr Unternehmen Probleme, offene Stellen zu besetzen als noch 2014. Besonders angespannt ist die Lage im Handwerk - auch im internationalen Vergleich.

Unternehmen haben es immer schwerer, Stellen neu zu besetzen. Laut der Studie "Fachkräftemangel 2015" der Manpowergroup, einem Dienstleister für Unternehmen, spürt in Deutschland eine von zehn Firmen den Fachkräftemangel heute stärker als im vergangenen Jahr. Dass die Betriebe den Fachkräftemangel immer deutlicher zu spüren bekommen, ist nicht ganz neu. Doch mehr als 40 Prozent sind wegen des Personalmangels nach eigener Aussage inzwischen weniger wettbewerbsfähig und innovativ. Knapp 60 Prozent der Betriebe gaben sogar an, dass sie Aufträge nicht mehr annehmen können, weil ihnen die dafür erforderlichen Spezialisten fehlen.

Arbeitsmarkt braucht neue Ideen

Die Anzahl der Unternehmen die Probleme mit der Besetzung offener Stellen haben, ist laut Studie in diesem Jahr so hoch, wie seit 2006 nicht mehr. "Der Arbeitsmarkt hält mit dem wirtschaftlichen Aufschwung im Land nicht mehr Schritt", sagt Herwarth Brune, Vorsitzender der Geschäftsführung der ManpowerGroup. Erforderlich seien neue Ideen für den Arbeitsmarkt. Eine Möglichkeit sei die Einstellung von Flüchtlingen.

Studie ManpowerGroup Fachkräftemangel

Dafür plädiert das Handwerk schon seit längerem, ist es doch von den Engpässen besonders betroffen. Das zeigt nun auch diese Studie – sowohl in Deutschland als auch weltweit. An zweiter Stelle der Engpassbereiche stehen Manager und Executives. "Eine ganze Generation der Babyboomer steht vor dem Ruhestand. Diese Lücke müssen Arbeitgeber füllen, beispielsweise durch gezielte Nachwuchsprogramme", führt Brune aus.

Die zehn Bereiche mit den größten Engpässen

  1. Handwerker/Facharbeiter
  2. Manager und Executives
  3. Techniker
  4. IT-Fachkräfte
  5. Ingenieure
  6. Finanz- und Rechnungswesen
  7. Vertriebsmitarbeiter
  8. Vertriebsleiter
  9. Fahrer
  10. Ärzte und medizinische Berufe

In Deutschland ist die Fachkräftelücke für Unternehmen laut der Befragung am deutlichsten zu spüren. In Irland haben demnach nur elf Prozent der Firmen Probleme, offene Stellen zu besetzen. Auch in Großbritannien und den Niederlanden (beide 14 Prozent) finden die meisten Arbeitgeber ebenfalls genügend Personal.

Für die Studie hat die ManpowerGroup im ersten Quartal 2015 weltweit rund 41.700 Personalverantwortliche in 42 Ländern befragt, ob sie Schwierigkeiten haben, Stellen zu besetzen und welche Berufsgruppen am schwierigsten zu finden sind. dhz

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