Digitalisierung -

Wirtschaftslage im Mittelstand Fachkräftemangel und Digitalisierung setzen Mittelstand unter Druck

Die mittelständische Wirtschaft läuft auf Hochtouren. Allerdings fehlt es an Fachkräften. Nicht nur hier muss die Politik gegensteuern, fordert der Mittelstand.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Digitalisierung

Die gute konjunkturelle Lage lässt den Mittelstand an seine Grenzen kommen. "Es könnten viel mehr Aufträge abgearbeitet werden, wenn wir mehr Fachkräfte hätten", sagte Handwerkspräsident Hans-Peter Wollseifer im Namen von zehn in der AG Mittelstand zusammengefassten Verbänden. Schon jetzt fehlten in Deutschland rund eine Million Fachkräfte. "Dies wird in Zukunft für die Wirtschaft ein großes Problem werden", fügte er hinzu. Gemeinsam mit der Politik müsse man dafür sorgen, dass es eine Bildungsumkehr gebe und sich wieder mehr Jugendliche für eine duale Ausbildung entschieden.

Mehr Geld für berufliche Bildung

Wenn heute insgesamt 43.500 Ausbildungsplätze im Mittelstand nicht besetzt werden könnten, dann seien dies die fehlenden Fachkräfte von morgen, kritisierte er den Negativrekord an offenen Lehrstellen. "Auch mit Geldströmen, lassen sich Bildungsströme steuern", sagte er mit Blick auf die anstehende Bundestagswahl. Berufsschulen und Bildungszentren müssten für die Digitalisierung ebenso fit gemacht werden wie Hochschulen.

Flüchtlinge werden Fachkräfteproblem nicht lösen

Flüchtlinge werden nach Ansicht Wollseifers den Engpass am Arbeitsmarkt nicht beheben können. "Das wird unser Fachkräfteproblem nicht lösen", sagte er. Der Mittelstand habe zwar schon viele junge Flüchtlinge in Ausbildung und noch mehr in Praktika, Einstiegsqualifizierungen und Helfertätigkeiten gebracht, die Integration brauche aber seine Zeit. Nötig seien auch eine gezielte Zuwanderung und ein transparentes Zuwanderungsgesetz.

Mittelstand sieht Nachholbedarf bei digitaler Infrastruktur

Neben dem Fachkräftemangel setzt die Digitalisierung so manches Unternehmen unter Druck. "Gerade für kleine und mittelständische Unternehmen ist die zunehmende Komplexität und Geschwindigkeit der Prozesse eine große Herausforderung", sagte Josef Sanktjohanser, Präsident des Handelsverbands Deutschland (HDE). Der aktuelle Wandel sei nur in einem Schulterschluss von Politik, Verwaltung, Unternehmen und Verbänden zu schaffen. Dabei gehe es vor allem um eine flächendeckende, leistungsstarke digitale Infrastruktur mit Breitbandnetzen. "Im internationalen Vergleich hat Deutschland hier erheblichen Aufholbedarf."

Wichtig: Schnelles Internet auch jenseits der Ballungsräume

Mit Vorrang müssen nach Ansicht Sanktjohansers insbesondere Klein- und Mittelstädte und der ländliche Raum an das schnelle Internet angeschlossen werden. Hier gebe es oft noch keine zufriedenstellende Anbindung. Die von der Bundesregierung für 2018 in Aussicht gestellte Breitbandversorgung mit 50 Megabit pro Sekunde könne nur ein Etappenziel sein. Entscheidend sei jetzt, dass der Glasfaserausbau beschleunigt und die Voraussetzungen für funkbasierte Netze der nächsten Generation geschaffen würden. Daneben müsse der Gesetzgeber für faire Wettbewerbsbedingungen zwischen in- und ausländischen sowie digitalen und analogen Wettbewerbern sorgen. Mit Blick auf den Datenschutz forderte Sanktjohanser praxistaugliche Vorgaben und keine weitere Bürokratie.

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