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Soziale Netzwerke Facebook-Chronik im Visier des Bundesdatenschutzes

Das soziale Netzwerk Facebook sorgt mit einer neuen Funktion erneut für Aufregung. In der sogenannten „Chronik“ sieht der Bundesdatenschutz eine Gefahr für die kulturellen Errungenschaften des Menschen und mahnt Internetnutzer zur Vorsicht.

Facebook-Chronik im Visier des Bundesdatenschutzes
In diesem Monat will Facebook auch in Deutschland die Funktion Chronik verpflichtend auf den Mitgliederseiten der Nutzer implementieren. -

Mit Hinblick auf den jüngsten Einfall von Facebook, warnte der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar die Internetgemeinde erneut, nicht zu viele Daten im sozialen Netzwerk preiszugeben. "Man soll von der Wiege bis zur Bahre und darüber hinaus im Netz präsent sein", erklärte Schaar am Dienstagabend im Fernsehsender Phoenix zu der neuen Funktion "Chronik", die Facebook seinen Mitgliedern derzeit flächendeckend aufzwingen will. Damit könne die kulturelle Errungenschaft des Vergebens und Vergessens verschwinden, so der Datenschutz-Mann weiter.

Schaar erinnerte zudem daran, dass Facebook bis heute keine Daten löscht: "Es macht sie nur unsichtbar." Das Netzwerk habe zwar angekündigt, dies zu ändern, aber nach wie vor nicht gehandelt. Der Bundesbeauftragte bedauerte zudem, dass sich der US-Konzern der Diskussion entziehe und deshalb unter anderem nicht an Talkshows teilnehme.

Biographische Höhepunkte auf Facebook

In diesem Monat will Facebook auch in Deutschland die Funktion Chronik verpflichtend auf den Mitgliederseiten der Nutzer implementieren. Die Chronik sieht vor, dass künftig alle Inhalte eines Profils entlang einer Zeitleiste dargestellt werden. So kann der Nutzer zum Beispiel ohne große Suche direkt zu Beiträgen aus dem Jahr 2010 gelangen.

Doch damit nicht genug: Facebook appelliert an die Nutzer, biografische Höhepunkte aus der Vergangenheit nachzuliefern – zum Beispiel Fotos von der Einschulung, dem ersten Kindergeburtstag, der Abifeier oder der letzten Urlaubsreise. Außerdem soll die Chronik Auskunft darüber geben, wie der Nutzer seine Freizeit gestaltet – etwa wann er eine Zeitung liest oder Musik hört. Zur Zeiterfassung können Nutzer zum Beispiel Dienste der britischen Tageszeitung The Guardian und dem Musik-Streamingportal Spotify aufrufen.

sg/dapd

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