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Mitarbeiterbindung Wie Chefs mit einer Extraversicherung punkten können

Eine betriebliche Krankenversicherung ist bisher wenig verbreitet, doch sie bietet einen schnell erlebbaren Mehrwert. Zwei Zusatzversicherungen sind bei Mitarbeitern besonders beliebt.

Angesichts des Fachkräftemangels müssen Handwerksbetriebe ihre Mitarbeiter binden. Dabei helfen zwei Instrumente, welche die DHZ in zwei Teilen vorstellt – die betriebliche Krankenversicherung (bKV) und die betriebliche Altersvorsorge (bAV), Teil 1: die bKV.

"Wir wollten unsere Mitarbeiter für ihre langjährige Treue und die guten Leistungen belohnen", sagt Markus Klein. Deshalb hat der Inhaber des Gelsenkirchener Bad- und Heizungsbetriebs Klein im November 2018 für seine 53 Mitarbeiter eine betriebliche Krankenversicherung (bKV) abgeschlossen. Der Tarif ermöglicht ihnen im Falle eines Krankenhausaufenhaltes Extraleistungen wie zum Beispiel die Behandlung durch den Chefarzt. Das Unternehmen nutzt den zusätzlichen Gesundheitsschutz für seine überwiegend gesetzlich versicherten Mitarbeiter laut Klein auch als "Marketinginstrument in Stellenanzeigen" – und hat damit "einen Wettbewerbsvorteil" in seiner Branche.

Der Betrieb ist kein Einzelfall. Dem Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) in Köln zufolge waren Ende 2018 rund 760.000 Arbeitnehmer aus etwa 7.700 Unternehmen per bKV versichert. Zum Vergleich: Ende 2015 hatten 3.848 Firmen ihren circa 575.000 Mitarbeitern diese Zusatzleistung angeboten. Die Statistik unterscheidet nicht zwischen Handwerk, Industrie, Handel und Dienstleistung. 19 private Krankenversicherer offerieren das Instrument.

Vorteile für Arbeitnehmer

Was ist eine bKV? Es handelt sich um eine meist "komplett vom Arbeitgeber finanzierte, private Krankenzusatzversicherung für Mitarbeiter, die die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung ergänzt", erläutert Jan Esser, Vorstand bei der Allianz Privaten Krankenversicherung in München.

Je nach vereinbartem Tarif macht die bKV einen gesetzlich Versicherten zum Privatpatienten – ob im Krankenhaus oder auf dem Zahnarztstuhl, in puncto Vorsorge oder bei der Auswahl der Brille. Anders als in der privaten Krankenversicherung sonst üblich, nehmen die Versicherer die Mitarbeiter bei einer Finanzierung durch den Chef ohne Gesundheitsprüfung auf. Sie sichern Vorerkrankungen mit ab und es gibt keine Wartezeiten – der Schutz gilt ab dem ersten Tag. Obendrein erlaubt die bKV eine Absicherung von Familienangehörigen zu günstigeren Konditionen.

Tipps für den bKV-Abschluss

Wie kann ein Handwerksbetrieb vorgehen, der das Instrument bKV einführen will? Am Anfang steht die Recherche. Jan Esser, Vorstand bei der Allianz Privaten Krankenversicherung, empfiehlt Arbeitgebern, "immer darauf zu schauen, was aus Arbeitnehmersicht am interessantesten ist". Dies seien vor allem die Bausteine Zahnersatz und Sehhilfen. Zusätzlich wählen viele Betriebe – auch im eigenen Interesse – einen Vorsorgetarif, um die Gesundheitsvorsorge ihrer Mitarbeiter zu verbessern und damit Fehlzeiten vorzubeugen. Hat der Arbeitgeber eine bKV vereinbart, sollte er "nicht nur abschließen, sondern auch in der Firma darüber reden“, rät Esser. Denn nur so kann das Instrument die Mitarbeiter ans Unternehmen binden.

Die bKV sei "noch relativ wenig verbreitet, aber gerade in den letzten Jahren immer stärker ins Bewusstsein der Arbeitgeber gerückt" und sie sei "sehr attraktiv für Arbeitnehmer", so Esser. Eine repräsentative Be­fragung von 600 Arbeitgebern und 2.600 Arbeitnehmern durch die Gesellschaft für Konsumforschung im Allianz-Auftrag habe 2015 ergeben, dass Beschäftigte die bKV als drittwichtigste Personalzusatzleistung nach betrieblicher Altersvorsorge (bAV) und vermögenswirksamen Leistungen einstufen.

Vorteile für Arbeitgeber

Im Regelfall finanziert der Arbeitgeber einen bis zwei bKV-Tarife für die Mitarbeiter als Sozialleistung, beobachtet Rainer Ebenkamp, Leiter Vertriebsunterstützung beim Versicherer Gothaer in Köln. Überdies könne er für sich und seine Angehörigen weitere Tarifmodule zu günstigeren Konditionen auf eigene Kosten absichern. Insbesondere Handwerksbetriebe profitieren laut Ebenkamp von der bKV. Schließlich hätten Unternehmen "vor allem im Handwerk immer mehr Probleme, offene Stellen zu besetzen".

Es gelte also, sich bei der Bewerbersuche einen Vorteil zu verschaffen und gute Mitarbeiter an den Betrieb zu binden. Zudem könnten die Firmen mit dem Angebot von Gesundheitsabsicherungen die Fehlzeiten in ihrer Belegschaft reduzieren. Denn "als Privatpatienten bekommen sie schneller OP-Termine in Krankenhäusern", sagt Ebenkamp, und die in den Tarifen enthaltenen Vorsorgeuntersuchungen "motivieren die Mitarbeiter, diese tatsächlich wahrzunehmen". Als weiteren Vorteil für Arbeitgeber bezeichnet der Experte das "relativ geringe Investment". So zahlt der Betrieb für jeden Beschäftigten einen altersunabhängigen Einheitsbeitrag.

Die Angebote der Versicherer unterscheiden sich voneinander. Bei der bKV der Allianz zum Beispiel stehen fünf- bis neunköpfigen Firmen ausgewählte Tarife zur Verfügung und Unternehmen ab zehn Beschäftigten können alle elf Tarifbausteine individuell kombinieren. Und was ist, wenn der Mitarbeiter in Rente geht? Er kann den privaten Versicherungsschutz auf eigene Kosten weiterführen.

Unterschiede zur bAV

Im Vergleich zur bAV fristet die bKV Matthias Spielmann zufolge als personalpolitisches Instrument ein "Schattendasein" – trotz ihrer wachsenden Beliebtheit. Der bKV-Experte bei der Nürnberger Versicherung in Nürnberg sieht jedoch das Gute darin: "Eine bKV bietet dem Handwerksbetrieb einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil." Ein weiterer Pluspunkt der bKV sei der "sofort erlebbare Mehrwert für den Mitarbeiter", sagt Spielmann.

Steuern: Sach- oder Barlohn

Dem PKV-Verband zufolge galt die Gewährung von Kranken- und Pflegeversicherung durch die Firma bis 2013 als Sachlohn mit 44-Euro-Freigrenze, wenn dem Mitarbeiter gemäß Arbeitsvertrag nur der Versicherungsschutz und nicht die Auszahlung der entsprechenden Prämie zustand. Ein Schreiben des Bundesfinanzministeriums vom 10. Oktober 2013 hatte die Rechtslage gekippt: Nun war die vom Betrieb gewährte Kranken- und Pflegeversicherung als Barlohn zu werten und voll zu versteuern. Doch zwei Urteile des Bundesfinanzhofs (Aktenzeichen (Az.) VI R 13/16 vom 7. Juni 2018 und Az. VI R 16/17 vom 4. Juli 2018) bestätigen die ursprüngliche Auffassung. Jens Wegner vom PKV-Verband: "Das Jahressteuergesetz wird klären, ob die bKV-Beiträge künftig als Sach- oder Barlohn gelten."

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