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500 Jahre Reinheitsgebot Extra reines Öko-Bier

Schinkels Brauhaus braute Hessens erstes Öko-Bier: Braumeister Rainer Schinkel setzt sich für kleine Brauereien ein. Nicht nur, weil sie für besondere Qualität stehen.

Öko, wozu das denn? Denkt man ans Reinheitsgebot, fragt man sich unwillkürlich, warum es so etwas wie Bio-Bier überhaupt geben muss. Rainer Schinkel hakt naturgemäß gleich mal ein, wenn man diese Frage stellt. Der Braumeister aus Witzenhausen führt die kürzlich geführte Diskussion um das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat an. Düngemittel und Pestizide nimmt man natürlich auch über Hopfen und Gerste zu sich. Das wandert auch ins Bier.

In Witzenhausen lag das Öko-Bier nahe

Rainer Schinkel bietet in seinem Brauhaus seit dem Jahr 2000 das erste hessische Bier, wo der Biertrinker auch diese Inhalte nicht mehr mittrinkt. Ein Bier, das gewissermaßen noch etwas reiner ist. In Witzenhausen lag diese Produktentwicklung nahe. Dort befindet sich der Fachbereich "Ökologischer Landbau" der Universität Kassel und so kam irgendwann von einigen Studenten die Anregung einer Sortimentserweiterung. Heute kann Schinkel mit diesem Etikett werben.

Die Brauerei selbst ist kaum älter als das Bio-Bier. Erst 1997 eröffnete Schinkel in der Bäckerei seiner Eltern die Brauerei mit der Idee, Backen und Brauen zu verbinden, auch um den Fremdenverkehr in dem kleinen Städtchen zu beleben. Doch der Vater starb bald und so blieb es beim Brauen. Trotzdem Schinkels Brauhaus seitdem stetig gewachsen ist, blieb die Brauerei eine Kleinbrauerei.

Mittelstand im Braugewerbe schrumpft

Zu Zeiten ihrer Gründung war sie damit Vorreiter einer Entwicklung, die bis heute neben dem Wachstum der Brauindustrie vor allem mehr Kleinbrauereien hervorgebracht hat. Laut Schinkel gibt es inzwischen rund 1.000 Brauereien dieser Größenordnung. Den Mittelstand, also regionale Biere mit einem Ausstoß von mehr als 2.000 Hektolitern pro Jahr, gebe es dagegen immer weniger.

Rainer Schinkel will mit seiner Brauerei – jährlich verkauft er rund 1.200 Hektoliter – auch gar nicht weiter wachsen. Mit dem Betrieb einer Gaststätte und einem kleinen Handel strebt er einen maximalen Ausstoß von 1.500 Hektolitern an. Nebenbei gibt er Bierseminare, baut in China kleine Brauereien mit auf, berät in Kasachstan eine Berufsschule und hat eine Firma für Brauereimaschinen gegründet. Immer mit einem Hintergedanken: Mit den Kleinstbrauereien, so sagt er, bleiben die vielen Bierspezialitäten erhalten.

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