Politik + Wirtschaft -

Nachhaltiges "Wiederhochfahren" nach Ostern Experten empfehlen: Das ist bei einer Lockerung der Corona-Regeln zu berücksichtigen

In der kommenden Woche will die Politik über gelockerte Corona-Maßnahmen ab dem 20. April 2020 diskutieren. Experten der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina geben bereits jetzt Empfehlungen, was dabei beachtet werden muss.

Experten der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina halten eine Lockerung der Maßnahmen im Kampf gegen die Corona-Pandemie nach den Osterferien für möglich. Die aktuellen Einschränkungen des öffentlichen Lebens sind vorerst bis zum 19. April befristet. Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte in einer Pressekonferenz am 9. April 2020, dass es nach Ostern keine weiteren Beschränkungen geben soll, ein zu frühes "Wiederhochfahren" jedoch vermieden werden muss. Gemeinsam mit den Ministerpräsidenten der Länder will Merkel in der kommenden Woche darüber beraten, wie es weitergehen soll.

Bis dahin soll die Akademie weitere Vorschläge erarbeitet haben, wie "nachhaltiges 'Wiederhochfahren' des öffentlichen Lebens und der Wirtschaft" möglich sei. Dabei würden auch ethische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Aspekte berücksichtigt, bestätigte eine Sprecherin der Leopoldina der Deutschen Presse-Agentur.

Was bei der Lockerung der Corona-Regeln beachtet werden sollte

Bereits jetzt appellierten die Experten der Leopoldina, dass neben den bestehenden Abstands- und Hygieneempfehlungen sieben Punkte berücksichtigt werden sollen, damit Regeln gelockert werden können:

1. Mund-Nasen-Schutz

Eine schrittweise Lockerung der Maßnahmen soll damit einhergehen, dass flächendeckend Mund-Nasen-Schutz getragen wird. Dieser reduziere die Übertragung von Viren. Eingeschränkt diene er auch dem Eigenschutz. "Der Mangel sollte bereits jetzt durch selbst hergestellten Mund-Nasen-Schutz, Schals und Tücher überbrückt werden", heißt es. Diese sollten Mund, Nase, Kinn und die Seitenränder möglichst vollständig abdecken.

2. Technische Lösungen

Die Experten sprechen sich dafür aus, digitale Werkzeuge zu nutzen, in denen Personen "freiwillig und unter Einhaltung von Datenschutz sowie Persönlichkeitsrechten" Daten über mögliche Infektionswege zur Verfügung stellen. Dies sei unentbehrlich, damit potenziell gefährdete Personen informiert und "zielgenaue" Maßnahmen getroffen werden könnten.

3. Testkapazitäten

Darüber hinaus sollten die Kapazitäten für Corona-Tests weiter erhöht werden und während einer Übergangszeit auch Einrichtungen der Tiermedizin genutzt werden. "Damit können Ausbreitungsherde besser eingegrenzt und Quarantänemaßnahmen passgenau verhängt werden", heißt es.

4. Repräsentative Tests

Es sei zudem wichtig, die Bevölkerung repräsentativ zu testen. So könne ein Überblick hinsichtlich akuter Infektionen gewonnen werden. Zudem solle auf Immunität getestet werden. Dies seien Voraussetzungen für eine realistische Einschätzung der Situation.

5. Risikofaktoren

Bei Neuerkrankten müsse umfassend erfasst werden, welche Risikofaktoren wie Alter, Rauchen oder Vorerkrankungen vorliegen. Dafür brauche es ein einheitliches elektronisches Verfahren. "Da die Risikofaktoren die Schwere des Krankheitsverlaufs maßgeblich beeinflussen, ist diese Information im Hinblick auf die Abschätzung einer möglichen Überlastung des öffentlichen Gesundheitssystems wichtig", teilten die Experten mit.

6. Struktur in Kliniken schaffen

Zwar sei es zwischenzeitlich notwendig gewesen, die Kliniken in Deutschland deutlich umzustrukturieren, das müsse aber regelmäßig überprüft und angepasst werden. Andere akut oder dauerhaft Erkrankte dürften nicht aus der Versorgung fallen. Wichtige Diagnosen müssten frühzeitig erfolgen, langfristig angelegte Therapien nicht unterbrochen werden. Videosprechstunden und andere digitale Angebote könnten eine zunehmende Rolle spielen.

7. Kommunikation

Die Bevölkerung zeigt laut den Wissenschaftlern eine hohe Bereitschaft, die Maßnahmen umzusetzen. Das könne aber noch gestärkt werden, indem regelmäßig und transparent kommuniziert werde. Dabei gehe es beispielsweise darum, nachvollziehbare Zielgrößen wie die Zahl von schwer Erkrankten im Verhältnis zur Versorgungskapazität mitzuteilen. Auch die Info, dass Infizierte zweieinhalb Tage vor den ersten Symptomen andere Menschen anstecken könnten, sei sehr wichtig.

Umfrage zeigt: Mehrheit gegen Lockerung der Corona-Maßnahmen ab 20. April 

Wie eine aktuelle repräsentative Civey-Umfrage für das Magazin "Business Insider", ergab, hält die Mehrheit von rund 56 Prozent der Bürger eine Lockerung der einschneidenden Beschränkungen im Alltagsleben wegen des Coronavirus ab 20. April 2020 für zu früh. Danach halten knapp 30 Prozent Lockerungen vom 20. April an für angemessen, lediglich 9,4 Prozent für zu spät.

Wie die Civey-Umfrage zeigte, sollten aus Sicht der Befragten zuerst Geschäfte sowie Schulen und Kitas wieder geöffnet werden, gefolgt von Friseursalons, Spielplätzen, Restaurants und Cafes, Kirchen, Museen und Fitnessstudios. dpa

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2020 - Alle Rechte vorbehalten