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Berufliche Selbstständigkeit Existenzgründung trotz Corona: 5 Steuertipps

Planen Sie trotz der Corona-Krise den Schritt in die berufliche Selbstständigkeit und melden in absehbarer Zeit Ihren eigenen Handwerksbetrieb an? Dann sollten Sie ein paar steuerliche Besonderheiten und Möglichkeiten kennen. Hier die fünf besten Steuertipps rund um das Thema Existenzgründung.

Steuertipp 1: Vorweggenommene Betriebsausgaben nicht vergessen

Sollte die Gründung erst im Januar 2021 erfolgen, werden Ihnen im Jahr 2020 aber sicherlich bereits erste Kosten entstehen. Zeichnen Sie jeden Cent dieser Ausgaben auf, heben Sie Kassenzettel und Nachweise aus. Denn bei diesen Kosten im Zusammenhang mit der geplanten Existenzgründung sind steuerlich so genannte vorweggenommene Betriebsausgaben. Das bedeutet: Sie präsentieren dem Finanzamt diese vorweggenommenen Betriebsausgaben in der Steuererklärung in Anlage G und das Finanzamt verrechnet diese Verluste 2020 steuersparend mit anderen Einkünften.

Typische vorweggenommene Betriebsausgaben sind beispielsweise Kosten für Telefonate, Fahrtkosten, Werkzeuge oder Ausgaben für eine Steuer- und Rechtsberatung sowie Kosten für den Kauf von Fachliteratur zur Gründung.

Praxis-Tipp: Gerade bei vorweggenommenen Betriebsausgaben sollte ausnahmsweise für jeden Beleg extra notiert werden, warum diese Ausgaben im Zusammenhang mit der geplanten Gründung stehen. Denn scheitert die Gründung im nächsten Jahr – aus welchen Gründen auch immer – bleibt es beim Abzug der steuersparenden vorweggenommenen Betriebsausgaben.

Steuertipp 2: Gründerfragebogen des Finanzamts ausfüllen

Das Finanzamt hat Gründern in der Vergangenheit einen Gründerfragebogen zugeschickt. Seit 2020 sind Existenzgründer gesetzlich dazu verpflichtet, den „Fragebogen zur steuerlichen Erfassung“ unaufgefordert in elektronischer Form ans Finanzamt zu übermitteln, sobald die Existenzgründung erfolgt.

Praxis-Tipp: Lassen Sie sich als Unternehmer bei ELSTER registrieren, finden Sie dort auf den Fragebogen, den Sie nach dem Ausfüllen per Knopfdruck ans Finanzamt übermitteln können.

Steuertipp 3: Kleinunternehmer – Bürokratie nein danke

In dem Fragebogen zur steuerlichen Erfassung müssen Sie sich entscheiden, ob das Finanzamt Sie umsatzsteuerlich als Kleinunternehmer erfassen soll. Der Vorteil als Kleinunternehmer: Sie müssen in Rechnungen an Ihre Kunden keine Umsatzsteuer ausweisen, können sich im Gegenzug jedoch die Umsatzsteuer aus Eingangsrechnungen nicht als Vorsteuer erstatten lassen.

Praxis-Tipp: Bei Existenzgründern ist die Kleinunternehmerregelung möglich, wenn der Umsatz im Erstjahr nicht über 22.000 Euro liegt. Besonderheit: Das Finanzamt rechnet den kalkulierten Umsatz im Erstjahr auf 12 Monate hoch. Konkret: Die Gründung erfolgt im Oktober 2021. Sie kalkulieren von Oktober bis Dezember einen Umsatz von 15.000 Euro. Die Kleinunternehmerregelung scheidet in diesem Jahr aus, weil der hochgerechnete Umsatz 60.000 Euro beträgt (15.000 Euro : 3 Monate x 12 Monate).

Steuertipp 4: Bei Gewinnschätzung pessimistisch bleiben

Eine Frage im Gründerfragebogen betrifft die Frage nach dem voraussichtlichen Gewinn im Erstjahr. Hier heißt es, pessimistisch zu bleiben. Denn präsentieren Sie dem Finanzamt Ihren Wunschgewinn, hat das Folgen. Denn das Finanzamt wird Ihnen je nach Höhe des Gewinns einen Bescheid zur Zahlung von Einkommensteuervorauszahlungen zuschicken.

Praxis-Tipp: Am besten schätzen Sie beim Gewinn für das Erstjahr eine „schwarze Null“. Sollte sich im Laufe des Jahres herausstellen, dass tatsächlich ein Gewinn übrig bleibt, können Sie ja immer noch beim Finanzamt für das vierte Quartal die Festsetzung von Vorauszahlungen beantragen.

Steuertipp 5: Finanzielle Rücklagen bilden

Bilden Sie unbedingt finanzielle Rücklagen für Steuerzahlungen. Denn oftmals scheitert die Existenzgründung im ersten oder zweiten Jahr, weil die Gründer sich nur auf ihre Fähigkeiten konzentrieren und das Thema Steuern beiseiteschieben. Kommt es dann zu Steuernachzahlungen, fehlen oftmals die finanziellen Mittel und Banken verweigern Kredite.

Praxis-Tipp: Hier empfiehlt sich das Gespräch mit einem Steuerberater. Er kann Gründern mitteilen, wie viel Sie am besten monatlich für etwaige Steuerzahlungen auf die Seite legen sollten.

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