Erfurt -

Preisverleihung Europäischer Hörakustiker des Jahres 2018 kommt aus Erfurt

Dem Hörakustiker Benjamin Schadow, Inhaber von Hörstil in Erfurt, wurde als Anerkennung für seine Arbeit eine der begehrtesten Auszeichnungen der Branche verliehen: Er wurde Anfang Oktober zum deutschen Hörakustiker des Jahres 2018 ernannt.

Die Preisverleihung fand am 17. Oktober in Hannover beim jährlichen „Evening of Excellence“ der EUHA (Europäische Union der Hörakustiker e. V.) bereits zum elften Mal statt.Während dieser Veranstaltung traten die Gewinner jedes Landes gegeneinander an. Auch hier konnte sich Schadow durchsetzen und wurde zum europäischen Gesamtgewinner ernannt.

15 bis 20 Kunden sollen ihre Bewertung für den Hörakustiker abgegeben haben. Diese wurden dann mit einem Bewertungskatalog verglichen. „Ich bin überglücklich und sprachlos. Dass so viele meiner Kunden sich daran beteiligt haben, war sehr wohltuend“, so der 31-Jährige. Unter ihnen war die Patientin Karla Rudloff, die Schadow für seinen innovativen Einsatz der neuesten Technologien gelobt hat. Er habe eine maßgeschneiderte Lösung für die Gehörschädigung gefunden, die ihr viele Jahre lang Probleme bereitet hatte.

Bei ihrer bewegenden Nominierung erklärte die 62-Jährige, wie sie als Kind aufgrund einer chronischen Mittelohrentzündung eine Schwerhörigkeit auf beiden Seiten erlitt. Im Laufe der Zeit musste sie feststellen, dass Standard-Hörgeräte diesen Zustand nur noch verschlimmerten. Infolgedessen fiel es ihr schwer zu verstehen, was bei Telefonanrufen und Unterhaltungen gesagt wurde. „Noch nie zuvor hat mir ein Hörakustiker so zugehört und ist auf meine Probleme so professionell und zugleich vertrauenerweckend eingegangen“, so die Patientin.

Neue Wege gehen

Bei Rudloff musste Schadow etwas Neues ausprobieren, da ihre entzündlichen Ohren viele Probleme bereiten. Dafür fertigte Schadow ein spezielles Passstück an, das keinen Kontakt zur Gehörwand hatte. Dazu hat er viele Varianten am PC designt und mithilfe eines 3-D-Druckers gedruckt.

Da es noch ein gewisses Restdefizit gab, hat sich der Hörakustikermeister die Zeit genommen, um den Arbeitsplatz seiner Kundin zu besichtigen. Dabei hat er mit dem Arbeitgeber und dem Integrationsfachdienst zusammengearbeitet. Dank der angepassten Ohrpassstücke und einer Reihe von Hilfsgeräten an ihrem Arbeitsplatz fällt es ihr deutlich leichter, Telefonanrufe zu tätigen und bei Konferenzen das Gesagte besser zu verstehen. „Am Ende haben wir uns doch für ein BAHA-Implantat („Bone Anchored Hearing Aid“, Anm. Redaktion) entschieden, da das Hörgerät nicht die perfekte Lösung war“, erklärt Schadow weiter.

Qualität zahlt sich aus

Um der Patientin mehr Aktivitäten in der Freizeit zu ermöglichen, hat Schadow auch dafür eine Lösung gefunden. So kann sie zum Beispiel am Yogaunterricht teilnehmen und sich dabei ganz auf ihre Übungen konzentrieren, da die Lehrerin in ein Clipmikrofon spricht. Dadurch kann das gesprochene Wort direkt ins Ohr von Rudloff übertragen werden. Aber auch Fernsehen und Musikhören und die Teilnahme an Gesprächen fallen ihr jetzt leichter.

Bei Hörstil setzt man seit der Gründung 2010 ganz bewusst auf die Qualität bei der Betreuung. „Wir haben lieber weniger Kunden, denen wir dann genug Zeit entgegenbringen können. Inzwischen haben wir den Ruf, herausfordernde Fälle anzunehmen, für die andere Hörakustiker keine Zeit haben“, so Schadow. Dabei hätte er mehrere Fälle, die ähnlich viel Aufwand bedürfen wie bei Rudloff.

Stefan Zimmer, Preisrichter und Generalsekretär der EHIMA (European Hearing Instrument Manufacturers Association), bestätigt das Konzept von Hörstil: „Es war wirklich schwer, einen Gewinner aus so vielen bewegenden Nominierungen auszuwählen, aber die Preisrichter sind sich alle einig, dass Benjamin die Auszeichnung am meisten verdient hat. Die Betreuung seiner Patienten geht weit über das Sprechzimmer hinaus.“

Dabei kam der gebürtige Elgersburger eher durch einen Zufall zu seinem Gewerk. Im Rahmen eines Schulpraktikums im Bereich Optik hatte er die Möglichkeit, Einblicke bei einem Hörakustiker zu bekommen. „Das hat damals mein Interesse geweckt. Deswegen bin ich nach dem Abitur zu einer großen Optiker-Gruppe gegangen“, erinnert er sich.

Später wurde er Filialleiter in Erfurt. Allerdings hätte er bei der Filialisierung seine Leidenschaft nicht mehr so einsetzen können wie er es gerne wollte. Deswegen entschied er sich mit seiner Ehefrau zur Selbstständigkeit, wobei ihm seine bereits bestehenden Kontakte aus Ärzten und Netzwerkpartnern zugutekam.

Neue Projekte laufen bereits

Der Gewinner des diesjährigen Preises ruht sich nicht aus. Das neuste Produkt ist gerade fertig geworden: Priority. Dabei soll der Patient ein neues Hörsystem finden und perfekt versorgt werden – innerhalb eines Tages. Was also normalerweise zwei bis drei Monate dauert, möchte Schadow innerhalb kürzester Zeit schaffen. „Zeit ist für moderne Menschen das höchste Gut.

Wir sind Spezialisten für exklusive Hörsysteme und bieten einen bisher einzigartigen 24-Stunden-Service an“, so der Audiotherapeut. Es würden viele Online-Systeme existieren, die qualitativ nicht gut seien. Schadow möchte dazu beitragen, dass die Leute sich für Ihre Schwerhörigkeit oder Taubheit nicht schämen, sondern dass ein Hörgerät zum Statussymbol wie die Brille wird.

Neben Schadow und seiner Ehefrau arbeiten inzwischen drei weitere Mitarbeiter bei Hörstil, darunter ein Studierender der privaten Hochschule IUBH. Der zukünftige Gesundheitsökonom soll als Fachfremder neue Impulse liefern. Und so wird der Betrieb wohl auch in Zukunft eine Vorreiterrolle einnehmen.

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