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Massive Störungen im Telekomnetz Bundesamt geht von Hackerangriff aus

Die Netzstörung der Telekom dauert nun schon seit Sonntag an und immer noch sind Kunden ohne Festnetz und Internet. Schuld soll ein weltweiter Hackerangriff sein. Was dahinter steckt.

Kunden der Deutschen Telekom haben seit Sonntagnachmittag mit einer massiven Störung ihrer Anschlüsse zu kämpfen. Etwa 900.000 Router waren und sind teilweise immer noch von den Problemen betroffen. Telefonie, Internet und der Online-Fernsehempfang waren stundenlang gestört. Die Ausfälle gehen nach Erkenntnissen der Telekom und des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik auf eine weltweite Attacke auf Router zurück.

Telekom rät, den Router kurz vom Netz zu trennen

Bereits am frühen Montagmorgen wurde eine neue Software in das Netz eingespeist, die den Fehler beheben soll, heißt es bei der Telekom. Betroffenen Kunden rät das Unternehmen, d en Router kurz vom Netz zu trennen (mindestens drei Sekunden) und dann wieder einzuschalten. Die Störung betreffe zwar das gesamte Bundesgebiet, aber nur zwei Modell aus der "Speedport"-Reihe, die vom Konzern vertrieben wird.

Nach Informationen der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" sollen das Ruhrgebiet, die Region rund um Frankfurt am Main sowie Hamburg und Berlin besonders stark von der Störung betroffen sein. Auch in der Region Hannover und Braunschweig tauche das Problem auf.

Kunden drücken ihren Ärger in sozialen Medien aus

In den sozialen Medien machen bereits viele User ihrem Ärger Luft. Auf der Facebook-Seite des Unternehmens "Telekom hilft" schreibt beispielsweise ein Nutzer am Sonntagabend: "Ich habe seit 16 Uhr weder Telefon noch Internet! Langsam reicht es!" Andere drohten mit einem Anbieterwechsel zur Konkurrenz oder forderten Gutschriften. Telekom entschuldigt sich auf seiner Website für die Unannehmlichkeiten.

Software des Hacker-Angriffs war schlecht programmiert

Am Dienstag meldete das Unternehmen, dass die Störung weitgehend behoben wurde. Inzwischen wurden laut Unternehmen einige Filtermechanismen im Netz implementiert, die eine neue Infektion verhindern sollen. Dabei ist die Hackerattacke auf die Telekom-Router vergleichsweise glimpflich verlaufen. "Die Schadsoftware war schlecht programmiert, sie hat nicht funktioniert und hat nicht das getan, was sie hätte tun sollen. Ansonsten wären die Folgen des Angriffs noch viel schlimmer gewesen", sagt ein Telekom-Sprecher. Das bedeutet: Auch wenn die "Speedport"-Router durch den Angriff abstürzten, hätte die Schadsoftware nicht installiert werden können. Nach dem aktuellen Kenntnisstand wurden keine Kundendaten entwendet.

Bundesministerium für Sicherheit fordert bessere Standards

Dabei war der Angriff auf die Telekom-Router laut Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnologie (BSI) Teil einer weltweiten Attacke auf sogenannte Fernwartungsschnittstellen. Arne Schönbohm, Präsident des BSI, nimmt die aktuelle Attacke zum Anlass, schärfere Sicherheitsstandards zu fordern: "Je vernetzter die Welt ist und je allgemeiner Massenprodukte wie Router weltweit baugleich im Netz eingesetzt werden, desto verwundbarer sind unsere Netz-Infrastrukturen", sagte er der "Welt". Schönbohm möchte deswegen für Geräte wie DSL-Router, die von asiatischen Herstellern wie Arcadyan oder Huawei massenhaft hergestellt werden, verstärkt Sicherheits-Gütesiegel einsetzen.

BND-Chef warnt vor russischen Aktivitäten

Bruno Kahl, Präsident des Bundesnachrichtendiensts, warnt im Zusammenhang mit der Attacke auf die Telekom vor einem russischen Hacker-Eingriff in den deutschen Wahlkampf. Es gebe "Erkenntnisse, dass Cyber-Angriffe stattfinden, die keinen anderen Sinn haben, als politische Verunsicherung hervorzurufen", sagt er der "Süddeutschen Zeitung". Kahl spricht von gezielten Störkampagnen und b ezieht sich dabei ausdrücklich auf russische Internet-Aktivitäten. Hier wird "eine Art von Druck auf den öffentlichen Diskurs und auf die Demokratie ausgeübt, der nicht hinnehmbar ist“, sagte Kahl. "Europa ist im Fokus dieser Störversuche, und Deutschland ganz besonders.“

Die bekanntesten Shitstorms

1) Was ist grundsätzlich zu tun, wenn das Internet zuhause mal nicht geht?

Der erste Schritt sollte in diesem Fall immer ein Blick auf den Router sein, sagt Thorsten Neuhetzki vom Onlineportal "Teltarif.de". Denn die Geräte haben in der Regel Kontrollleuchten, mit denen sich die Verbindung ins Netz überprüfen lässt. "Leuchtet da irgendwas nicht, was sonst leuchtet, gibt es vermutlich eine Störung", sagt der Experte. Ähnlich wie im aktuellen Fall sei ein Router-Neustart prinzipiell immer eine gute Idee, denn kaputt gehen kann dabei nichts. Auch wenn die Kontrolleuchten in Ordnung sind, ist ein Neustart empfehlenswert. Schließlich kann statt der Verbindung zwischen Router und Internet auch die zwischen Router und Endgerät gestört sein. Nutzer sollten daher zunächst prüfen, ob sie mit anderen Geräten noch ins Internet können - und im Zweifelsfall neben dem Router auch die betroffenen Notebooks, Tablets und Co. aus- und wieder einschalten. So haben alle beteiligten Geräte eine neue Chance, sich miteinander zu verbinden.

2) Was tun, wenn die Störung nicht in der Wohnung liegt?

Wer auf anderen Wegen noch im Netz surfen kann, zum Beispiel über das Mobilfunknetz per Smartphone, sollte nach Leidensgenossen suchen. "Bei größeren Sachen gibt es oft auf Facebook oder Twitter schon entsprechende Meldungen", sagt Neuhetzki. Ansonsten lohnt sich ein Anruf beim Kundenservice des Providers. Bei umfassenden Störungen weiß dieser meistens schon Bescheid, bei kleinen Problemen hilft er aber auch oft weiter. Die Mitarbeiter können zum Beispiel aus der Ferne prüfen, ob im Keller oder auf dem Weg zum Haus die Leitung gestört ist, sagt Neuhetzki.

3) Haben Kunden bei einer Störung Anspruch auf Entschädigung?

"Generell hat der Verbraucher einen Erstattungsanspruch für den ausfallbedingten Zeitraum", sagt Henrik Egli, Rechtsanwalt bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Nach den meisten Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) der Provider müssen Kunden kleinere Ausfälle aber hinnehmen. Erst wenn das Internet länger ausfällt, können Betroffene einen Teil ihrer monatlichen Gebühren zurückfordern. dpa

Tipp: Störung dokumentieren

Wer Geschäftsausfälle durch die Routerprobleme hat, sollte auch mögliche Schadensersatzansprüche prüfen lassen, so Egli. "Auf jeden Fall die Störungen dokumentieren und beim Anbieter melden. Alternativ zur Erstattung können dann Ersatzwege verlangt werden." Dazu zählt zum Beispiel ein Surfstick, mit dem Verbraucher bis zur Lösung des Problems ins Internet gehen können.

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