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Blockchain und Bitcoin "Es braucht Leuchttürme, die bis ins Handwerk strahlen"

Patrick Hansen, Bereichsleiter Blockchain beim Digitalverband Bitkom, spricht über technische Hürden beim Einsatz von Blockchain im Handwerk und die Chancen von Digitalwährungen wie Bitcoin. Zudem ein Gastkommentar von Christoph Krause, Leiter des Kompetenzzentrums Digitales Handwerk für Prozessdigitalisierung.

Herr Hansen, Sie haben die ­Nutzung von Blockchain in der Wirtschaft untersucht. Was ist der aktuelle Stand?

Distributed-Ledger-Technologien wie Blockchain werden in einzelnen Unternehmen bereits genutzt, aber gesamtwirtschaftlich betrachtet stehen wir noch ganz am Anfang dieser technologischen Entwicklung. Unsere Studie zeigt, dass die Unternehmensgröße ein wichtiger Faktor ist. Bei den kleineren Betrieben ab 50 Mitarbeitern nutzen erst zwei Prozent die Blockchain. Bei den Unternehmen ab 500 Beschäftigten sind es hingegen schon 17 Prozent und weitere 27 Prozent in dieser Gruppe planen den Einsatz.

Worauf führen Sie das zurück?

Die Blockchain ist ein sehr komplexes Themenfeld in dem sich die Unternehmen zunächst einmal Expertise aufbauen müssen. Das kostet Zeit, Geld und bringt am Anfang noch keine Rendite ein. Gerade im Handwerk und Mittelstand sind die Innovationsbudgets jedoch begrenzt und der Unternehmer muss sich zwischen verschiedenen Technologien entscheiden. Den Vorzug bekommen dann häufig Techniken, bei denen der Nutzen schnell ersichtlich ist, wie etwa eine Cloud-Lösung. Bei der Blockchain sind konkrete Anwendungsbeispiele bisher wenig bekannt. Es braucht daher Vorzeigeprojekte bzw. Leuchttürme in der Wirtschaft, die bis ins Handwerk strahlen.

Was spricht aus Sicht der Nutzer für die Blockchain?

Effizienzsteigerung ist für 87 Prozent der Blockchain-Anwender, -Planer und -Diskutierer das wichtigste Argument für die Technologie. 41 Prozent sehen in der Blockchain zudem eine Vertrauensinstanz in der Zusammenarbeit mit anderen Organisationen. Die befragten Unternehmen erhoffen sich vor allem, neue Geschäftsmodelle, Produkte und Dienstleistungen auf Blockchain-Basis entwickeln zu können.

Kritisiert wird an der Blockchain der Ressourcenhunger. Ist das berechtigt?

Der Irrtum ist, dass viele Blockchain mit Bitcoin, dem Urvater der Technik, gleichsetzen. Doch in den Unternehmen werden kaum für jedermann zugängliche, dezentralen Lösungen eingesetzt. In der Regel steht eine Unternehmens-Blockchain nur einer begrenzten Anzahl von Teilnehmern zur Verfügung und es werden dort nur Daten ausgelagert, die für ein bestimmtes Projekt relevant sind. Insofern halten sich Speicher- und Energiebedarf solcher Systeme im Vergleich zu der Blockchain für ­Bitcoin in Grenzen.

Apropos Bitcoin – haben solche Digitalwährungen eine Zukunft?

Absolut. Sie sind gerade dabei sich in der Wirtschaft durchzusetzen. Bitcoin wird als digitaler Wertspeicher genutzt, vergleichbar mit Gold. Es gibt immer mehr institutionelle Anleger, die in Kryptowährungen investieren. Darunter börsennotierte Unternehmen, die Bitcoin als Reservewährung nutzen. Auch weltweite Zahlungsanbieter wie Paypal integrieren jetzt Bitcoin. Zudem bewegt sich viel bei der Regulierung von Kryptowährungen und sie werden in klassisches Bankenrecht integriert.

Könnte Bitcoin den Euro als ­Zahlungsmittel ablösen?

Die Europäische Union denkt aktueller über die Einführung eines digitalen Euros nach, um den Bürgern weiterhin Zugang zur Zentralbankwährung anzubieten, wenn die Bedeutung von Bargeld abnimmt. Daneben werden eine Reihe von Digitalwährungen koexistieren. Es ist davon auszugehen, dass manche Unternehmen ihren Kunden künftig eigene Digitalwährungen anbieten und deren Nutzung zum Beispiel mit Rabattprogrammen belohnen.

Gastkommentar - Ohne Kooperation keine Zukunft

Die Wertschöpfungsketten des Handwerks ändern sich rasant durch die digitale Transformation. Das bisher dreistufige System aus Handwerk, Handel und Industrie gerät unter Druck. Alle Beteiligten suchen nach Chancen in datenbasierten Geschäftsmodellen Gewinne für die Zukunft zu sichern. Die steigende Komplexität von Systemen zwingt uns zu digitalen Helfern, die es uns ermöglichen, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Nehmen wir allein das Mängelmanagement des gerade fertiggestellten Flughafens in Berlin. Wir ahnen, dass die Masse an Daten und Informationen eine enorme Herausforderung für alle am Bauwerk beteiligten Menschen ist. Hier müssen uns neue Methoden der künstlichen Intelligenz mit ihren beweglichen Algorithmen und dezentrale Datenbanksysteme, wie zum Beispiel die Methode Blockchain, helfen Ordnung, Struktur und Sicherheit zu schaffen. Und hier kommt die Herausforderung für das Handwerk voll zum Tragen. Daten machen an Gewerkegrenzen keinen Halt. Der Produktdatensatz eines Dachziegels verbindet Industrie, Handel, Handwerk und Kunde gleichermaßen. Die Klimaanlage sendet Daten in die Cloud auf deren Grundlage Service 4.0 beim Handwerk ausgelöst wird.

Christoph Krause

Der Wandel findet genau jetzt statt. Die Dinge und Prozesse werden intelligent. Will das Handwerk seinen goldenen Boden verteidigen, muss gehandelt werden! Eine Plattform für Daten aus dem Internet der Dinge kann nicht jeder kleine Betrieb aufbauen. Zu groß sind die nötigen Investitionen. Wir müssen die Qualitäten der Zusammenarbeit in Innungen, Kreishandwerkerschaften, Kammern und Verbänden völlig neu denken.

Nur gemeinsam, gewerkeübergreifend, kollaborativ und vor allem technologisch können wir Plattformen bauen, die eine Chance haben das Handwerk an der Wertschöpfung zu beteiligen. Hier ist Eile geboten! Wir müssen lernen, wie wir die alten Werte des Handwerks auf die digitale Zeitenwende übertragen und endlich mehr vom Denken zum Machen kommen. Gerade das alte Modell der Genossenschaft ist ein spannendes rechtliches Werkzeug, um viele Unternehmen aus Handwerk und Mittelstand an Datensystemen partizipieren zu lassen. Das Kompetenzzentrum Digitales Handwerk hat hierfür ein Spielfeld für die Macher der ersten Stunde eingerichtet. Erste Praxisprojekte zeigen das es gemeinsam zu schaffen ist. Auf geht’s.

Christoph Krause, Leiter des Kompetenzzentrums Digitales Handwerk für Prozessdigitalisierung.

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