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Notfall während der Arbeitszeit Was beim Erste-Hilfe-Einsatz wichtig ist

Der Kollege liegt am Boden und atmet nicht mehr. Was nun? In Deutschland könnten jedes Jahr 10.000 Leben gerettet werden, wenn mehr Menschen den Mut zu Erster Hilfe fänden. Kommt es zum Erste-Hilfe-Einsatz, muss dieser im Betrieb genau dokumentiert werden.

Rund 250 Menschen jeden Tag erleiden in Deutschland einen Herz-Kreislauf-Stillstand. Wenn ihnen nicht sofort jemand zur Hilfe kommt, sinken ihre Überlebenschancen rapide, mit jeder Minute um zehn Prozent. Schon nach fünf Minuten sind die Überlebenschancen nur noch halb so hoch. Beginnt die Hilfe erst nach 15 Minuten, ist es in den meisten Fällen zu spät.

Der plötzliche Herztod ist mit schätzungsweise 80.000 bis 100.000 Fällen pro Jahr eine der häufigsten Todesursachen in Deutschland. Der Rettungsdienst braucht im Schnitt mindestens fünf Minuten, um vor Ort zu sein. Zu lange für die Betroffenen.

Herzdruckmassage als Erste Hilfe

Trauen sich die Anwesenden aber, sofort nach dem plötzlichen Herzstillstand eine Herzdruckmassage durchzuführen, stehen die Chancen gut, dass sie den Spontankreislauf des Körpers wieder in Gang setzen. In diesen Fällen verdoppelt sich die Überlebensrate.

Bisher wagen noch zu wenige Menschen, einzugreifen: In Deutschland beginnen nur in rund 15 Prozent der Fälle Laien mit Wiederbelebungsmaßnahmen, zeigen die Daten des Deutschen Reanimationsregisters der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI). Schweden und Norweger haben den Deutschen da einiges voraus. Hier greifen 60 Prozent der Bevölkerung zu Erste-Hilfe-Maßnahmen, wenn sie zu einem Notfall kommen.  

Mehr Ersthelfer in Betrieben

Immerhin: In betrieblichem Umfeld ist die Bereitschaft zu handeln, vergleichsweise hoch. Hier ergriffen die Anwesenden in 34 Prozent der Fälle zu Wiederbelebungsmaßnahmen, in häuslicher Umgebung nur in 12 Prozent der Fälle.

Was tun bei Herz-Kreislauf-Stillstand?

  • Ein Mensch bricht plötzlich zusammen.
  • Prüfen Sie, ob er noch bei Bewusstsein ist. Sprechen Sie die Person an, schütteln Sie sie an den Schultern. Achten Sie auf die Atmung.
  • Keine Reaktion?
  • Rufen Sie sofort die Telefonnummer 112 an oder besser: Veranlassen Sie eine zweite Person, dort anzurufen.
  • Legen Sie auf die Mitte des Brustkorbs den Handballen der einen Hand. Drücken Sie mit dem zweiten Handballen etwa 100 mal pro Minute etwa fünf Zentimeter tief auf den Brustkorb. Das Lied "Stayin`alive" der BeeGees im Kopf gibt genau den richtigen Rhythmus an und lenkt von der eigenen Panik ab.  
  • Trainierte Ersthelfer sollten zusätzlich beatmen, auf 30 mal drücken folgen zwei mal beatmen.  
  • Führen Sie die Wiederbelebungsmaßnahmen so lange fort, bis der Rettungsdienst Sie auffordert, damit aufzuhören. Wenn Ihnen die Kraft ausgeht, bitten Sie jemanden, Sie abzulösen.  

Die Aktion einlebenretten.de der Stiftung Deutsche Anästhesiologie und des Bundesgesundheitsministeriums stellt Materialien und Informationen bereit, mit denen Betriebe die Bereitschaft ihrer Mitarbeiter erhöhen können, im Notfall einzugreifen. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) hat hier eine Checkliste zur Organisation der Ersten Hilfe im Betrieb veröffentlicht.

Erste Hilfe im Betrieb muss dokumentiert werden

So sind Unternehmen beispielsweise dazu verpflichtet, jede Erste-Hilfe-Leistung am Arbeitsplatz in einem Verbandbuch, einem Meldeblock oder in elektronischer Form zu dokumentieren. Wichtig: Die Dokumentationen müssen mindestens fünf Jahre sowie vertraulich aufbewahrt werden. Wer die Daten aufzeichnet, ist nicht festgelegt – empfehlenswert ist es jedoch, diejenige Person damit zu beauftragen, die die Erste Hilfe geleistet hat.

Folgende Punkte müssen dokumentiert werden:

  • Name der verletzen oder erkrankten Person
  • Angaben zum Hergang der Verletzung beziehungsweise Erkrankung
  • Namen der Zeugen
  • Angaben zur Erste-Hilfe-Maßnahme
  • Name des Ersthelfers

Die Dokumentationen dienen als Nachweis und Informationsquelle für nicht meldepflichtige Arbeitsunfälle. Zudem können sie beim Auftreten von Spätfolgen wichtig sein.

Wer muss Erste Hilfe leisten?

Wer als Erster zu einer Ungücksstelle kommt, hat nicht nur moralisch die Pflicht, zu helfen. Auch das Strafgesetzbuch verlangt, dass jeder die Hilfe leistet, die seinen Fähigkeiten entspricht. Weil viele Menschen unsicher sind, was sie tun dürfen, was sie tun müssen und was nicht, hat die DGUV hierzu zwei weitere Broschüren veröffentlicht.

Das "Handbuch zur Ersten Hilfe“ erklärt Schritt für Schritt, wie sich Ersthelfer bei verschiedenen Arten von Notfällen im betrieblichen Alltag verhalten müssen. Die Broschüre "Rechtsfragen bei Erster-Hilfe-Leistung durch Ersthelferinnen und Ersthelfer“ nimmt den Helfern die Angst vor dem  andeln.

Selbst wenn dem Ersthelfer ein Fehler unterlaufen sollte, muss er keine negativen Folgen befürchten. Wer nach bestem Wissen Erste Hilfe leistet, um einem anderen Menschen zu helfen, leibt straffrei. Nur wer nicht handelt, kann wegen unterlassener Hilfeleistung bestraft werden.

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Dr. Marx

Zum Verzweifeln

Es ist zum Verzweifeln, aber es ist sooo schwer, den Menschen, auch den Ausbildern in Erster Hilfe, verständlich zu machen, dass ganz viele Menschen im Moment, in dem der Herzstillstand auftritt noch ATMEN, aber nicht mehr normal atmen. Der Mediziner spricht von AGONALER Atmung. Was das bedeutet? Man atmet schnappartig (was nicht normal ist) oder man atmet zum Beispiel alle 15 Sekunden einmal (was auch nicht normal ist). Nur: bei der Leitstelle für den Rettungsdienst kommen diese Meldungen falsch an. Was brauchen wir?
1. besser ausgebildete Ersthelfer, die auch bei "nicht normaler Atmung" mit der Wiederbelebung beginnen und

2. Leitstellenmitarbeiter, die diese Situation gezielt abfragen und dann auffordern, mit WIederbelebungsmaßnahmen zu beginnen. Nur so kann die Zahl der geretteten Menschen erhöht werden