Umwelt + Energie -

Eröffnung des bambados in Bamberg Erstes Passivhaus-Hallenbad Europas

Sechs Schwimmbecken mit 1.700 Quadratmetern Wasserfläche, Reifenrutsche, Wildwasserkanal und Saunalandschaft – was sich wie ein ganz normales Schwimmbad mit hohem Freizeitwert anhört, ist etwas ganz Besonderes. In Bamberg ist mit dem Bambados nun das erste Passivhaus-Hallenbad in Europa eröffnet worden. Es könnte zum Modell für ähnliche Bauten werden.

Fünf Millionen Euro kostet der besonders energieeffiziente Bau mehr, bei Gesamtkosten von 32 Millionen Euro. Laut Berechnungen werden sich diese Mehrkosten innerhalb der nächsten 25 Jahre ausgeglichen haben: durch deutlich niedrigere Energiekosten im Betrieb. Das Passivhaus-Hallenbad soll rund 60 Prozent weniger Energie verbrauchen als ein herkömmliches Schwimmbad und rund 80 Prozent weniger CO2 -Emissionen ausstoßen. Schon vor der Fertigstellung wurde das bambados beim Wettbewerb "Gebäude der Zukunft – Architektur mit Energie" des Bundeswirtschaftsministeriums ausgezeichnet.

Dass das neue Hallenbad, das einen Zweckbau aus den sechziger Jahren ersetzt, besonders energiesparend werden sollte, stand für die Stadtwerke Bamberg von Anfang an fest. Schließlich haben Stadt und Landkreis schon vor Jahren eine Klimaallianz geschlossen. Stadtrat und Stadtwerke kamen überein, nicht nur irgendein energieeffizientes Hallenbad zu bauen, sondern das energieeffiziente Hallenbad überhaupt – nach Passivhaus-Standard. Dazu holten sich die Planer Unterstützung vom Passivhaus-Institut (PHI) in Darmstadt, das die Passivhaus-Bauweise ursprünglich entwickelt hat. Das PHI begleitete Planung und Baufortschritt und zertifizierte das Schwimmbad schließlich als europaweit erstes Passivhaus-Hallenbad.

Passivhaus-Hallenbad bambados

Handwerker aus der Region

Verschiedene Bereiche tragen gemeinsam zu den Einsparungen bei: die luftdicht gedämmte Gebäudehülle, dreifach isolierte Fenster vor allem an der Südseite der Fassade und die Gebäudetechnik mit optimierten Pumpen und Lüftungsventilatoren. Beheizt wird das Schwimmbad mit einem hocheffizienten Blockheizkraftwerk, das mit Gas aus einer Holzvergasungsanlage betrieben wird. Das Holz dazu stammt von heimischen Bäumen, die die Stadtwerke extra zu diesem Zweck im Stadtgebiet anpflanzen.

Um das Entstehen von Kondenswasser zu verhindern, werden die Wasserflächen nachts mittels Planen und hochgefahrenen Hubböden abgedeckt. Mit der so genannten "Bamberger Rinne" entwickelten die Universität Erlangen-Nürnberg und ein Fliesenhersteller eigens eine Beckenüberlaufrinne, die durch ihre spezielle Form die Wasserverdunstung erheblich reduziert. Auf dem Dach des Gebäudes wurde eine Photovoltaikanlage installiert, an der sich die Bürger in Form privater Darlehen beteiligen können.

"Eine echte Herausforderung"

Ganz bewusst haben die Stadtwerke Bamberg kein Generalunternehmen engagiert, man wollte die kleinen und mittelständischen Unternehmen aus der Region stärken. Circa 60 Prozent der Handwerker stammen aus einem Umkreis von rund 50 Kilometern um Bamberg, und das trotz europaweiter Ausschreibung.

Zu den beteiligten Handwerkern aus der Region gehörte auch das mittelständische Sanitärunternehmen Merklein aus Bamberg. Für Jungmeister und Projektleiter Ulrich Schmitt-Lutz war der Auftrag mit seinen gerade mal 24 Jahren eine echte Herausforderung. "Aber wir haben sie zusammen gemeistert." Die Mitarbeiter von Merklein verrichteten alle Arbeiten rund um Wasser und Abwasser und verlegten rund 7,5 Kilometer Leitungen. Sie alle sind deutlich besser gedämmt, als es normaler Standard wäre. Für die Rohrleitungen, die in den Saunagarten führen, wurde sogar ein eigener Kanal ausgehoben, der komplett abgeschottet ist.

Betriebsabläufe optimieren

Zu den Herausforderungen beim Bau des Schwimmbades zählt Ralf Göller, zuständiger Architekt der Stadtwerke, die erhöhten Anforderungen, die ein Passivhaus an Wärmeschutz und Dichtigkeit der Gebäudehülle stellt. Das Gebäude des Hallenbads hat eine kompakte, kieselförmige Bauform mit einer luftdichten Außenhülle: So dringt weder Wärme nach außen noch Kälte nach innen. Um das zu gewährleisten, ist das gesamte Gebäude mit einer bis zu 40 Zentimeter dicken Dämmschicht umgeben, einschließlich der Tiefgeschosse. Die besondere Dämmung ist für ungefähr 70 bis 80 Prozent der Mehrkosten bei der Passivhaus-Bauweise verantwortlich.

Der Architekt Göller erklärt seine Anforderungen an die beteiligten Unternehmen: "Es war mir sehr wichtig, dass die Handwerker die Leistungen der anderen achten, gerade in Bezug auf die Dämmung: Die Dichtigkeit der Gebäudehülle durfte nicht zerstört werden."

Da das Bamberger Schwimmbad das Erste seiner Art ist, fehlen Referenzobjekte. Das PHI wird daher in den kommenden zwei Jahren ein kontinuierliches Monitoring durchführen, um die Betriebsabläufe zu optimieren. Es wird auch zeigen, ob die theoretisch berechneten Einsparungen in der Praxis umsetzbar sind.

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2020 - Alle Rechte vorbehalten