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Corona-Soforthilfen Erste Milliarde für Unternehmen in Existenznot

Seit Anfang der Woche fließen die dringend benötigten Wirtschaftshilfen von Bund und Ländern. Hunderttausende Anträge wurden gestellt, eine Milliardensumme an die von der Corona-Krise betroffenen Unternehmen und Selbstständigen floss in kürzester Zeit. Besonders viele Anträge stellten Unternehmer eines Handwerksberufs.

Nach dem großen Ansturm auf Corona-Soforthilfen für die Wirtschaft kommt die Auszahlung langsam in Gang: Bis Dienstagabend wurden allein in neun Bundesländern mehr als 370.000 Anträge bewilligt, wie eine Länderumfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. Rund 1,3 Milliarden Euro flossen demnach bereits an in Existenznot geratene Unternehmen.

In zwölf Bundesländern summierte sich die Anzahl der bei den zuständigen Landesförderbanken eingegangenen Anträge auf mehr als 92.000. Nach ersten Meldungen aus den Ländern zeichnete sich ab, dass besonders Unternehmen mit bis zu fünf Mitarbeitern sowie Solo-Selbstständige und Freiberufler die Hilfen in Anspruch nehmen.

Handwerk: Friseure stellen in Sachsen die meisten Anträge

In Sachsen kamen viele Anträge nach Angaben des Wirtschaftsministeriums in Dresden aus der Unternehmensberatungsbranche. Die meisten Anträge stellten hier jedoch Restaurants, Friseur- sowie Kosmetiksalons. Probleme bei der Bewilligung gebe es momentan auf dem Postweg. Die so übermittelten Anträge seien oft unvollständig und erforderten Nachfragen. "Das kostet wertvolle Zeit. Das Unternehmen wartet entsprechend länger auf sein Geld“, sagte ein Ministeriumssprecher.

In Hessen etwa wurde darauf verwiesen, dass die meisten Online-Anträge bislang von Betrieben mit bis zu fünf Beschäftigten gestellt worden. Vor allem Solo-Selbstständige und Freiberufler sowie kleine Betriebe mit wenigen Beschäftigen benötigten zügig Soforthilfe zur Sicherstellung der Liquidität, hieß es.

Großer Ansturm sorgt für Startschwierigkeiten

In einigen Bundesländern führte der Ansturm auf die Anträge zu ersten Problemen. Die Bearbeitung der Anträge in Berlin musste zum Start am Freitag bereits am Nachmittag unterbrochen werden – Grund war ein Datenschutzproblem. Mittlerweile sei dies aber gelöst, hieß es in einer Mitteilung.

Auch in Hamburg gab es Startschwierigkeiten: Wegen technischer Probleme war das Antragsformular bis zum späten Montagnachmittag auf der Internetseite der Investitions- und Förderbank nicht abrufbar, und es konnten keine Anträge auf Liquiditätshilfen eingereicht werden. Die Seite konnte erst später in Betrieb genommen werden.

Um der Lage der vielen Anfragen Herr zu werden, stocken die zuständigen Investitionsbanken teilweise ihr Personal auf. In Thüringen sei es wegen des Ansturms zu einem gewissen Antragsstau gekommen, räumte ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums ein. Deshalb habe man Mitarbeiter aus anderen Bereichen für diese Aufgabe abgestellt. Bremen habe die Zahl der Mitarbeiter von zwei auf bisher 60 aufgestockt, hieß es dort. Auch Sachsen-Anhalt setzt mehr Personal ein: Zurzeit seien mehr als 100 Mitarbeiter mit der Antragsbearbeitung beschäftigt – Tendenz steigend, hieß es in Magdeburg.

Einmalzahlungen bis zu 15.000 Euro

Seit Montag können Länder Bundesmittel in Höhe von insgesamt 50 Milliarden Euro abrufen, um Zuschüsse für kleine Firmen und Selbstständige schnell und unbürokratisch auszuzahlen. Konkret bekommen Firmen mit bis zu fünf Beschäftigten eine Einmalzahlung von 9.000 Euro für drei Monate, Firmen mit bis zu zehn Beschäftigten 15.000 Euro. Darüber hinaus gibt es in jedem Bundesland eigene Regeln zur Höhe der Zuschüsse, sowie welche Unternehmen zuschussberechtigt sind.

Die Antragsteller müssen versichern, durch die Corona-Pandemie in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten zu sein. Die Firmen dürfen sich nicht bereits am 31. Dezember 2019 in finanziellen Schwierigkeiten befunden haben. Falschangaben bei der Antragsstellung können zu strafrechtlichen Konsequenzen führen. dpa/ew

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