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Datenschutzgrundverordnung Erst jeder vierte Betrieb hat die DSGVO vollständig umgesetzt

Fit für die DSGVO? Von wegen. Drei von vier Unternehmen haben noch immer offene Baustellen bei der Umsetzung der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Woran es hakt – und wie kleine Betriebe schon bald entlastet werden.

Im Mai 2018 war sie das bestimmende Thema in den Büros deutscher Unternehmen: die Datenschutzgrundverordnung, kurz DSGVO. Inzwischen ist es leiser um sie geworden, vielerorts liegen die datenschutzrechtlichen Hausaufgaben aber noch immer unerledigt in der Ecke, wie eine Bitkom-Studie ergab.

"Vollständige Umsetzung der DSGVO kaum möglich"

Demnach haben rund 30 Prozent der 503 befragten Unternehmen die Verordnung bisher nur teilweise umgesetzt oder fangen gerade erst damit an. Immerhin 42 Prozent haben die DSGVO größtenteils umgesetzt, nur ein Viertel glaubt, alle notwendigen Maßnahmen abgeschlossen zu haben. "Eine vollständige Umsetzung der DSGVO scheint vielen Unternehmen unmöglich", sagt Susanne Dehmel, Mitglied der Bitkom-Geschäftsführung. Nach wie vor bestünden große Unsicherheiten bei der Auslegung der neuen Regeln, zudem sei der Arbeitsaufwand nur schwer abzuschätzen. Knapp jedes zweite Unternehmen würde sich mehr praktische Umsetzungshilfen wünschen.

Hunderte Anfragen von Handwerksbetrieben

 "Die DSGVO beschäftigt auch Handwerksunternehmer nach wie vor", sagt Volker Süssmuth von der Handwerkskammer Region Stuttgart. Allein im vergangenen Jahr habe die Kammer in mehr als 600 Fällen zum Thema Datenschutz beraten. In diesem Jahr hätten bereits Beratungen im dreistelligen Bereich stattgefunden. Meist würden ihn die Betriebe um grundsätzliche Informationen zur DSGVO bitten, so der Datenschutzexperte. Die Broschüren und Musterunterlagen des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) seien hierfür eine gute Einstiegsinfo. Bei tiefergehenden und komplexen Fragen verweist Süssmuth dann auf die praxisorientierten Beratungshilfen der jeweiligen Datenschutzaufsichtsbehörden. Diese würden konkrete Hilfestellungen zu spezifischen Fachfragen liefern, etwa zum Umgang mit Fotos, Arbeitnehmerdaten oder der Videoüberwachung.

In 75 Fällen wurden Bußgelder verhängt

Obwohl noch immer viele Unternehmen beim Thema Datenschutz hinterherhinken, ist die befürchtete Abmahnwelle bislang ausgeblieben. Zum einjährigen Geburtstag der DSGVO zählten die deutschen Datenschutzbehörden laut Welt am Sonntag gerade einmal 75 Fälle, in denen ein Bußgeld verhängt wurde. Die Gesamtsumme lag bei rund 450.000 Euro. Allein 80.000 Euro musste ein Unternehmen überwiesen, da es versehentlich Gesundheitsdaten im Internet veröffentlicht hatte. Aus dem Handwerk sind bislang keine Fälle bekannt. Damit das so bleibt, müssten Betriebe in jedem Fall ihre Webseiten auf Vordermann bringen, rät Süssmuth. "Zum Beispiel in Bezug auf die SSL-Verschlüsselung, Datenschutzhinweise oder die Angabe des Verantwortlichen oder Datenschutzbeauftragten."

DSGVO wird in einzelnen Punkten gelockert

Für das kommende Jahr hat die EU-Kommission angekündigt, die DSGVO prüfen zu wollen. Für 98 Prozent der von Bitkom befragten Betriebe steht fest, dass es dann zwingend zu Nachbesserungen kommen muss. Zwei Erleichterungen wird es aber schon vorher geben. Der Bundesrat hat kürzlich zugestimmt, dass die Pflicht, einen betrieblichen Datenschutzbeauftragten zu benennen, gelockert wird. Künftig greift diese erst ab einer Mitarbeiterzahl von 20 Personen – bisher waren es zehn. Zudem muss eine Einwilligung von Beschäftigten zur Datenverarbeitung künftig nicht mehr zwingend schriftlich erfolgen, es reicht auch eine E-Mail.

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